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Bahnenziehen

Bahnenziehen

By Anette Frisch
In dem Podcast der Journalistin Anette Frisch geht es ums Schwimmen. Selbst leidenschaftliche Schwimmerin interviewt sie Menschen, für die Schwimmen ebenso wichtig ist. Die einen schwimmen, die anderen beobachten, schreiben, musizieren, malen oder filmen drüber. Warum schwimmen wir? Die Gespräche versuchen diese zentrale Frage zu beantworten.
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Warum wir schwimmen mit Zsuzsa Bánk
Vor Kurzem hörte ich im Radio ein Interview mit der Schriftstellerin Zsuzsa Bánk. In dem Gespräch ging es um ihr aktuelles Buch "Sterben im Sommer". Darin schreibt sie über das Sterben ihres Vater. Und sie schreibt über die Bedeutung, die der Balatonsee für ihren Vater und sie hatte. Zsuzsa Bánk hatte bereits 2002 ihr Erstlingswerk "Der Schwimmer" veröffentlicht; auch hier kommt dem Schwimmen eine besondere Bedeutung zu.  Auch darin geht es um einen Vater, Kalmán, der von seiner Frau verlassen wird und fortan mit seinen zwei Kindern, Kata und Isti, durch Ungarn vagabundiert. Einen Job nach dem nächsten annimmt, und die Kinder und sich selbst heimatlos werden lässt. Einzigen Halt findet er dann, wenn er im Balatonsee schwimmt.  Im Ungarischen, dort, wo Zsuzsa Bánks Familie herkommt, gibt es ein Wortpaar, das im Deutschen nur mit vielen Worten nahzukommen ist: jó usza, "die große, gute, echte Schwimmerei", schreibt die Frankfurterin. "Es ist eine Art, sich von der Welt, in der dieses Leben stattfindet, zu entfernen."  Zsuzsa Bánk "Sterben im Sommer" ist im September 2020 S.Fischer Verlag erschienen  Ton: Tom Blankenberg, Dokton-Studios, Düsseldorf  Sprecher: Tom Blankenberg  Interview: Anette Frisch 
28:26
December 2, 2020
Warum wir schwimmen mit John von Düffel
Das Gespräch mit dem Schriftsteller John von Düffel sollte eigentlich kein Podcast werden - und ist es doch geworden.  Denn wenn zwei Schwimmer*innen sich unterhalten und in die Tiefe tauchen, kann man sich verlieren. So geschehen.  Für mich, die das Interview geführt hat, gilt das im Besonderen. Ich habe mich häufig in meinen eigenen Fragen verloren, bin umhergeirrt, was mir aus professioneller Sicht betrachtet, nicht so angenehm war und zum Teil noch ist.  Dennoch habe ich mich entschlossen, das Gespräch zu veröffentlichen - mit dem Einverständnis von John von Düffel. Warum? Weil ich losgelassen und mich dem Taumel der eigenen Gedanken hingegeben habe. Ein wesentlicher Teil des Schwimmens: Sich dem Element Wasser hingeben, in eine Welt tauchen, in der wir andere sind.  Das Gespräch mit John von Düffel ist sehr dynamisch und verlangt einiges an Vorwissen ab. Wie selbstverständlich sprechen wir zum Beispiel über das Buch von Ulrike Draesner "Kanalschwimmer"; an keiner Stelle erkläre ich, worum es darin geht. (Das meine ich mich professioneller Interviewführung.)  Am Ende bleibt ein intensives, heiteres Gespräch aus dem Corona-April 2020, in dem zumindest ich mich um Kopf und Kragen rede.  Gerettet hat die schlechte Zoom-Ton-Aufnahme der Dokumentarfilmer und Musiker Tom Blankenberg ist, der auch die Musik zum Podcast beigesteuert hat und Intro/Outro spricht.   Auszug aus dem Gespräch mit John von Düffel über das Schwimmen "Ich habe ja wirklich sehr viel nachgedacht über das Verhältnis Schwimmer und Wasser, Mensch, Natur. Das ist im Prinzip ein Thema, das sich durch meine Bücher zieht, auch durch das letzte Buch "Der brennende See". Ich stelle mir die große Frage: Wie verhalten wir uns zur Natur? Und wo ist das Verhältnis zur Natur destruktiv und in gewissem Maße auch eine Zerstörung unserer Selbst, vielleicht sogar immer mehr. Wenn man im offenen Gewässer schwimmt, setzt man sich zur Natur oder zum Wasser ins Verhältnis. Man spürt wieder, wo man im Verhältnis zur Natur steht oder schwimmt, nämlich in einer Form von, mir fällt jetzt kein besseres Wort ein, Demut oder zumindest in einer gewissen Zurückgenommenheit. Als Schwimmer begegne ich der Natur, so wie die Natur mir begegnet und meine Kräfte alles, was ich habe, mein ganzes Geschick verhält sich zu der Kälte des Wassers, zu der Strömung, des Wassers, zum Wind, zu den Elementen. Das ist ein großer Teil dieses Das-war-richtig-Gefühls, dass ich wieder weiß, wo ich stehe im Verhältnis zur Natur. Dass mich das sogar mehr erdet - das ist ein bisschen schief, aber trotzdem - vielleicht sogar sehr wahr. Das Schwimmen erdet mich mehr als vieles andere. Und das ist eine ganz starke Orientierung, die ich aus dem Wassererleben, herausziehe und wo ich denke, das ist auch ein guter Grund, es immer wieder und so oft wie möglich zu tun."
43:14
November 30, 2020