BetDenkZettel

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BetDenkzettel sind kurze Bet- und Denkanstöße von Fra' Georg Lengerke zu einem Wort aus den Schriftlesungen der Liturgie vom Tag
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190619 BDZ 11. Woche i.Jkr. Mi Im Verborgenen Mt 6,1-6.16-18
Dreimal sollen die Hörer der Bergpredigt etwas im Verborgenen tun: Almosen geben, beten und fasten. Viele (Christen und Nichtchristen) zitieren diese Stelle (nicht nur an Fronleichnam), um zu betonen, man solle vor allem Zuhause privat seinen Glauben leben und die Umwelt damit in Ruhe lassen. Das steht da natürlich nicht. Das Evangelium und die Gemeinschaft mit Jesus Christus wollen in die Welt und zu allen Menschen. Gemeint ist Anderes. Gemeint ist, dass die Christen sich hüten sollen, ihre „Gerechtigkeit vor den Menschen zur Schau zu stellen“. Sie sollen miteinander teilen, beten und fasten. Aber das ganze beginnt im Verborgenen und reicht bis ins Verborgene. Sonst ist es nur Show. Der griechische Text spricht hier von Gott als „dein Vater, der sehende im Verborgenen“ (Mt 6,4.6.18). Damit ist gemeint, dass der verborgene Gott im Verborgenen das Verborgene sieht. Wir sollen dahin kommen: dass das Teilen, Beten und Fasten nicht einfach nur Äußerlichkeiten bleiben. Bei all dem geht es um unser ganzes Leben: dass wir im Angesicht Gottes verborgen teilen, das Verborgene teilen und ins Verborgene hinein teilen; dass wir betend in unser Verborgenes gehen, Gott im Verborgenen finden und ans Verborgene lassen; dass wir uns schließlich fastend den verborgenen Abhängigkeiten und Vergötzungen stellen. Denn wo wir dem verborgenen Gott unser Verborgenes bringen, da entbirgt sich Gott – denn der von Gott geliebte Mensch kommt zum Vorschein. Fra' Georg Lengerke
02:02
June 19, 2019
190618 BDZ 11. Woche i.Jkr. Di Die Feinde lieben Mt 5,43-48
Was ist das Besondere des Christseins? Es ist nichts Besonderes, nett zu den Netten, liebenswürdig zu den Liebenswürdigen und freundlich zu den Freundlichen zu sein, sagt Jesus. Das tun alle anderen auch. Das Besondere der Christen ist, dass sie die Bösen lieben. Aber die Feinde zu lieben bedeutet nicht, dass wir sie nett finden oder ihnen gegenüber schöne Gefühle haben oder das Böse schönreden sollen, das sie uns taten. Es bedeutet, den Teufelskreis zu durchbrechen, dem Bösen böse zu sein, den Ignoranten zu ignorieren und den Hasser zu hassen. Die Einhegung der Revanche durch das Prinzip der Talion, des Gleichmaßes von Schuld und Vergeltung („Auge um Auge und Zahn um Zahn“, Dtn 19,21) hat die unendliche Geschichte der Rache nicht beenden können. Wer die Rechnung offenlässt, auf der die Schuld des anderen steht, der hält Gott seine offene Wunde hin und verwundet zugleich die Dynamik der Rache. Feindesliebe braucht die Leidensfähigkeit, diese Wunde auszuhalten, durch die Gottes Gerechtigkeit in die Welt eintreten kann. Das negiert nicht die weltliche Justiz. Die Abschreckung von der Tat, die Bestrafung des Täters, der Schutz der Gemeinschaft machen Sinn. Sinnlos ist nur der Hass, zu dem wir fähig werden, sobald wir Unrecht erleiden. Den Feind lieben bedeutet, mit Christus sein Gutes zu wollen und das Unsrige dazu zu tun. Und die Hoffnung nicht aufzugeben, dass er zur Gemeinschaft und Liebe und Gerechtigkeit dessen findet, der einmal sein Richter sein wird. Fra' Georg Lengerke
02:01
June 18, 2019
190616 BDZ 11. Woche i.Jkr. Dreifaltigkeitssonntag Zur Liebe gehören drei Joh 16,12-15
„Zur Liebe gehören immer zwei“, sagte neulich jemand in einem Gespräch über eine schwierige Ehe. Mir scheint, es ist genau dieser Irrtum, der viele Ehen schwierig macht. Man stelle sich mal vor, es wären wirklich nur zwei Menschen da, die einander liebten. Wer würde die Freude des einen am anderen teilen? Wer würde beim einen zum Vorschein bringen, was der andere ihm nie entlocken könnte? Wer würde dem einen vom anderen erzählen, was der nicht wissen kann? Wen würden Sie miteinander lieben? An wem hätten sie miteinander Freude? Und wer hätte Freude an ihnen? Die Antwort auf all diese Fragen ist: niemand! Wenn die Zeit der Verliebtheit vorbei ist, ist die Liebe von zweien eine ziemlich defiziente Sache. Deshalb braucht die vollkomme Liebe drei, von denen jeder liebt und wiederliebt und mitliebt. Gott ist Liebe, sagt der 1. Johannesbrief (4,8). Und Gott ist vollkommen – auch ohne die Welt. Wenn aber Gott die vollkommene Liebe ist, dann muss er Einer in drei Liebenden sein: im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist. Und diese dreifaltige Liebe macht uns die Freude ihrer selbst. Deshalb kommt der Sohn zu uns, um uns die Liebe zu offenbaren. So wird Gott selbst der Dritte, wo Liebe wirklich Liebe ist: als zuerst Liebender, als antwortend Liebender, als Mitliebender. Und er öffnet unser Herz für jene Dritten, für die wir da sein dürfen – miteinander und mit Ihm. So wird unsere Liebe vollkommen. Denn zur Liebe gehören immer drei. Fra' Georg Lengerke
02:13
June 15, 2019
190615 BDZ 10. Woche i.Jkr. Sa Ja sagen oder Nein sagen Mt 5,33-37
Bei Mose steht: „Du sollst keinen Meineid schwören.“ Jesus sagt: „Schwört überhaupt nicht. […] Eure Rede sei: Ja ja, nein nein“ (Mt 5,33.34.37) Für Jesus ist der Schwur die Berufung auf eine höhere Instanz in einer Welt, in der die Lüge oder die Halbwahrheit die Regel ist. In ihr muss die Wahrheit als Ausnahme irgendwie gekennzeichnet werden. So wie Kinder das Spielen unterbrechen und sagen: „Jetzt aber in echt!“ Als die Korinther Zweifel an der Zuverlässigkeit des Paulus haben, betont dieser seine Gemeinschaft mit Christus, der „nicht Ja und Nein zugleich“ ist, sondern „das Ja zu allem, was Gott verheißen hat“ (2 Kor 1,18.20) Verbunden mit Christus sollen wir wahrhaftige Menschen werden, deren Wort wahr ist, die reden, wovon sie überzeugt sind und überzeugt sind, wovon sie reden. Zum einen soll uns die Lüge zuwider sein. Denn sie zerstört jeden Glauben und alles Vertrauen. Zum anderen sollen wir Menschen werden, bei denen unsere Nächsten wissen, woran sie sind. Als eine Freundin mich zum Beichthören beim Nightfever einlud, habe ich abgesagt. Darauf sie: „Da bin ich aber froh.“ Als ich einen kleinen Stich verspürte, sagte sie: „Nein, nein! Ich bin froh, dass Du mir ehrlich sagst, wenn Du eigentlich nicht kannst. Dann weiß ich, dass ich Dich auch ruhig weiter fragen kann.“ Erst da merkte ich: In meiner Unentschiedenheit und durch Zusagen aus Gefälligkeit hatte ich dauernd andere Menschen für meine Überlastung verantwortlich gemacht. Fra' Georg Lengerke
01:57
June 14, 2019
190614 BDZ 10. Woche i.Jkr. Fr Unser Rest des Eisberges Mt 5,27-32
„Das ist ja nur die Spitze des Eisberges“, heißt es, wenn es um die bekannt gewordenen Fälle sexueller Gewalt in der Kirche geht. Will sagen: Der Rest des Eisberges (unter der Wasseroberfläche) sind die nicht bekannt gewordenen Fälle sexueller Gewalt. Für Jesus ist der Eisberg offenbar noch viel größer als wir denken. Er besteht nämlich nicht nur aus den begangenen, sondern auch aus den vorgestellten Vergehen: „Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst nicht die Ehe brechen. Ich aber sage euch: Wer eine Frau ansieht, um sie zu besitzen, hat in seinem Herzen schon Ehebruch mit ihr begangen.“ (Mt 5,27.28) Ehebruch beginnt nicht im Bett, sondern im Herzen und im Kopf. Der verwirklichte Ehebruch ist „nur die Spitze“ des Sündeneisberges. Der gedachte Ehebruch jedoch gehört zu demselben Eisberg – nur unter der Wasseroberfläche. Das bedeutet, dass jeder unkeusche Blick und Gedanke zu demselben Eisberg von Schuld gehört, dessen sichtbare Spitze unter anderem aus den bekannt gewordenen Fällen sexueller Gewalt in der Kirche besteht. Die Sünde in der Kirche beginnt schon mit unserem Denken und Schauen. Das macht weder die Schuld der Täter noch das Leiden der Opfer geringer. Aber es erinnert uns daran, dass mit den Kinderschändern die meisten von uns unter Anklage stehen. Also muss die Bitte um Umkehr und Gnade entweder ihnen genauso wie uns gelten – oder es kann gar niemand auf Gnade hoffen. Fra' Georg Lengerke
01:56
June 14, 2019
190613 BDZ 10. Woche i.Jkr. Do Die größere Gerechtigkeit Mt 5,20-26
Wie kommen Christen bloß auf die Idee zu glauben, der christliche Glaube sei gegenüber dem jüdischen Gesetz irgendwie „lockerer“ oder „liberaler“? Gestern sagte Jesus, dass er das Gesetz erfüllt und nicht aufhebt. Heute geht er einen Schritt weiter, indem er das Gesetz sogar verschärft: „Ihr habt gehört, das gesagt worden ist, Du sollst nicht töten […]. Ich aber sage Euch: Jeder, der seinem Bruder auch nur zürnt, soll dem Gericht verfallen sein.“ (Mt 5,21.22) Wir sollen nicht nur das Verbotene meiden, sondern auf seine Wurzel schauen. Alle Schuld beginnt bei den ersten Absichten unseres Herzens. Viele kennen die Problematik beim Internet. Ich begegne vielen Menschen, die in Sorge sind, ob sie sich bei der Nutzung des Internets noch gerade so auf vertretbarem Terrain befinden, oder was geschieht, wenn sie auf unvertretbarem Terrain erwischt werden. Ich selbst mache eine interessante Übung. Seit Jahren bin ich nur noch im Besitz eines dienstlichen Computers der Malteser. Ich weiß, dass Mitarbeiter der IT theoretisch alles einsehen können, was ich mir im Netz ansehe. Ich komme gar nicht auf die Idee, mir etwas anzusehen, was die nicht auch sehen könnten. Gut, manche Recherche müsste ich etwas erklären. Manche auch etwas länger, weil die Welt ein Saustall ist. Aber immer kommt es mir vor, als ob sie an Christi Statt auf mein Herz sehen, damit ich schon beim Zürnen merke, dass es zum Töten nicht mehr weit – und also höchste Zeit zur Umkehr ist. Fra' Georg Lengerke
01:49
June 13, 2019
190609 BDZ Pfingsten Beuge das Unbeugsame
Zum Pfingstfest sende ich Ihnen heute eine mir sehr kostbar gewordene deutsche Übersetzung der Pfingstsequenz von Stephen Langton (+1228). Ich habe sie vor Jahren auswendig gelernt. Sie gehört zu meinem täglichen Beten. Komm Heiliger Geist Sende von Gott her Den Lichtstrahl Deines Feuers Komm Vater der Armen Komm Spender der Gaben Komm Licht der Herzen Bester Tröster Du unser Freund Spürbare Hilfe Du Ruhe in der Unruhe Du Maß in der Leidenschaft Du Ermutigung in der Mutlosigkeit Unendliches Glück Vollende im Innersten Die Dir vertrauen Ohne Dein Wirken Ist es nichts mit dem Menschen Ist nichts ungefährlich Kläre das Undurchsichtige Mache fruchtbar die Wüste Heile die Wunden Beuge das Unbeugsame Bewege das Herzlose Führe das vom Weg Abgekommene Gib den Deinen Die auf Dich hoffen Die Fülle Deiner Gaben Segne unser Werk Gib im Sterben das Heil Gib Freude ohne Ende Amen Alleluja Mein Vorschlag: Beten Sie diesen Text langsam und vielleicht laut gelesen. Suchen Sie sich einen Vers, den Sie zur Bitte dieses Tages machen wollen und der sie durch das Pfingstfest und die kommenden Tage begleitet. Ich wähle: „Beuge das Unbeugsame!“ Fra' Georg Lengerke
02:03
June 12, 2019
190612 BDZ 10. Woche i.Jkr. Mittwoch Den Zaun im Rücken Mt 5,17-19
Wie konnte der Eindruck entstehen, dass Jesus das Gesetz des Mose aufhebt? Der Neutestamentler Klaus Berger verglich in einem Vortrag das Volk Gottes einmal mit einer weiten grünen Weide. Diese Weide umgibt ein Stacheldrahtzaun, der das Verlaufen der Herde und das Einbrechen feindlicher Mächte verhindern soll. Das Lebensgesetz des Volkes Gottes hat seine Kontur am Zaun. Klaus Berger meinte, Leute, die sich immer am Gesetz abarbeiten, glichen Kühen, die sich am Stacheldraht blutig kauen, anstatt in der Mitte der Wiese die Weide zu genießen. Wo das Volk Gottes seine Lebensform von Gott her erkannt und lieb hat, da ist Gott in der Mitte und das Gesetz im Rücken. Das Gesetz spielt buchstäblich nur eine Rolle am Rand, weil es den Raum beschreibt, in dem es nicht um das Gesetz, sondern Gott um uns und uns um Gott geht. In Jesus wird Gott, der die Mitte ist, ein Mensch. Und um der zerstreuten Menschheit willen verlässt die Mitte nun die Weide. Er geht in das feindliche Land, um die Menschen zu sammeln. Er bleibt die Mitte des Volkes Gottes – aber der Raum, das Gesetz, bekommt eine andere Kontur. In der Zugehörigkeit zu Christus besteht die Erfüllung des Gesetzes nicht bloß im Bleiben innerhalb des Zaunes. Sie besteht darin, dass wir auf die Mitte hin und von der Mitte her leben, die Christus selbst ist. Von der Mitte her: indem wir mit ihm unsere Nächsten lieben. Zu der Mitte hin: indem wir mit unseren Nächsten ihn lieben, der die Mitte des Lebensgesetzes Gottes ist. Fra' Georg Lengerke
02:00
June 12, 2019
190611 BDZ 10. Woche i.Jkr. Dienstag Salz und Licht sein Mt 5,13-16
Nach der Ouvertüre der Seligpreisungen beginnt die Bergpredigt nicht mit dem, was die Jünger tun sollen, sondern mit dem, was sie sind: „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ (Mt 5,13.14). Man könnte denken, der Kirche müsste der Hochmut vergangen sein, zu dem diese Sätze verleiten könnten. Aber der Hochmut hat sich nur verlagert: Wir wollen noch immer unter den Mächtigen mitspielen. Wir sind das größte Sozialunternehmen unseres Landes. Ohne uns funktioniert der Sozialstaat nicht. Also müssen wir vor allem funktionieren, wenn wir staatstragend „relevant“ bleiben wollen. Aber „Salz der Erde“ und „Licht der Welt“ sind nicht dazu da, die Erde zu einem besseren Ort zu machen. Sie dienen dazu, dass die Menschen Gott in der Welt erkennen und an der Welt Gottes Geschmack finden. Als im Winter 2010/11 das Streusalz knapp wurde, fingen die Leute an, Speisesalz auf die Einfahrten zu streuen. Ich fand das prophetisch. So steht es um uns: Von innen und außen wird das missbrauchte Salz zertreten und das Licht verleugnet, das wir von Gott für die Welt sind. Unser Hochmut besteht noch immer darin, dass wir selber leuchten und schmecken und gepriesen werden wollen. Aber erst, wenn wir wieder dazu da sind, dass Menschen Gott in der Welt erkennen und an seiner Welt Geschmack finden,– erst dann werden sie „unsere Werke sehen und den Vater im Himmel preisen“ (Mt 5,16). Das ist die scheinbar unscheinbare Relevanz, die wir den Menschen schulden. Fra' Georg Lengerke
02:03
June 11, 2019
190608 BDZ 7. Osterwoche Samstag Was uns (nichts) angeht Joh 21,20-25
Heute schreibe ich aus dem Libanon. Hier hört man bei Aufgabenverteilungen oft einem Reflex. Der lautet: „Warum ich? Was ist mit den anderen?“ War es ein solcher Reflex, der den hl. Petrus nach seiner erneuten Berufung fragen ließ: „Was wird denn mit diesem?“ (Joh 21,22) Wir wissen nicht, ob es Eifersucht, echte Sorge, Hoffnung auf Gemeinsamkeit oder nur ein Ablenkungsmanöver war, was Petrus drängte, nach dem Weg des sog. „Lieblingsjüngers“ zu fragen. Offenbar schossen die Spekulationen über dessen Schicksal („er bleibt bis zur Wiederkunft Christi“) ohnehin ins Kraut. Jedenfalls wollte Jesus dem Petrus sagen: Das geht Dich nichts an! Was geht mich was an? Als Faustregel hilft mir: Mich geht das an, was ich ändern darf oder soll, und das, was mich ändern darf oder soll. Das gilt auch vom Weg meines Nächsten als Christ. Der geht mich dann an, wenn ich ihm zu einer größeren Nähe zu Christus helfen kann, oder wenn z.B. sein Weg für mich ein wichtiges Zeugnis ist, mich selbst wieder neu auf diesen Weg zu machen. Oft besteht die größte Hilfe aber darin, jemanden in Ruhe zu lassen. Bei Exerzitien ermutige ich dazu, mir vorzustellen, meinen Nächsten umgäbe ein heiliger Raum Gottes, in dem ich nichts verloren habe. Den gibt es auch im Alltag. Nimm Wohnung, Herr, in meinem Bruder/meiner Schwester. Mich aber erleuchte durch Deinen Heiligen Geist, dass ich erkenne, was zu sagen und wovon zu schweigen, was zu hören und was zu überhören ist, damit wir beide immer inniger verbunden werden mit Dir. ​Amen. Fra' Georg Lengerke
02:09
June 8, 2019
190607 BDZ 7. Osterwoche Freitag Wohin du nicht willst Joh 21,1.15-19
An das Gespräch zwischen dem Auferstandenen und Petrus schließt sich eine düster klingende Verheißung an. Petrus neigt zum Voranpreschen. Bis dahin, dass er Jesus selbst überholt und sich ihm in den Weg stellt. So verrennt er sich. Wohin das führt, merkt er unter Tränen erst, als er den, für den er gerade noch sterben wollte, dreimal verraten hat. An diese Jugend, an die heldenhafte Vorstellung von sich selbst, wird Petrus von Jesus nach der Auferstehung noch einmal erinnert: „Du hast dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest.“ (Joh 21,18) Ein Freund sagte mir neulich vor der Wahl seines Bischofs: „Wer heute Bischof wird, der muss sich entscheiden, ob er mit seinem Leben abschließt oder ob er gemocht werden will.“ Daran muss ich heute denken, wenn Jesus zu Petrus über dessen Nachfolgeweg und sein Zeugnis für Christus im Tod sagt: „Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken, und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst.“ (Joh 21,18) An Pfingsten geht es nicht um eine gefühlsduselige Begeisterung. Wenn es wahr ist, dass die Liebe uns ruft, dann ist es gut, wenn wir eines Tages nicht dorthin kommen, wohin wir wollen, sondern dorthin, wohin wir sollen. Dazu hilft uns, wenn wir uns beizeiten darin üben, zu wollen, was wir sollen, weil die Liebe es von uns und für uns will. Das ist der Übungsweg unter der Führung und in der Vollmacht des Heiligen Geistes, der an Pfingsten beginnt – nicht nur für Bischöfe. Fra' Georg Lengerke
02:08
June 7, 2019
190606 BDZ 7. Osterwoche Donnerstag Wozu Einheit? Joh 17,20-26
Heute wird noch einmal die Bitte Jesu um die Einheit der Christen gelesen. Wozu ist die Einheit der Kirche gut? Vielen ist sie vor allem mühsam. Den einen, weil ihnen andere Perspektiven auf den einen Christus schwer erträglich sind. Den anderen, weil sie in Grundsatzfragen lieber eins mit der Lebenswirklichkeit ihrer Landsleute sind als mit der Weltkirche. Aber die Einheit der Kirche ist gar nicht dazu da, dass alle in Harmonie leben. Harmonie mit wem denn? Harmonie an sich ist erfahrungsgemäß keine Lebensbedingung der Kirche in der Welt. Die Einheit der Kirche ist auch nicht dazu da, dass keiner draußen bleibt. Viele wollen ja mit guten Gründen draußen bleiben und der Kirche bestenfalls von außen begegnen, ohne gleich vereinnahmt zu werden. Jesus nennt zwei Zwecke der Einheit der Kirche: Erstens „…damit die Welt glaubt, dass du mich gesandt hast.“ Und zweitens „… damit die Welt erkennt […] dass du die Meinen ebenso geliebt hast wie du mich geliebt hast.“ (Joh 17,21.23) Die Einheit der Kirche im Bekenntnis ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen glauben können, dass Jesus der von Gott gesandte Erlöser der Welt ist, und erkennen, dass wir mit derselben Liebe geliebt sind wie Er. Mit der Einheit der Kirche steht die Offenbarung der Menschwerdung Gottes und seiner Liebe zu den Menschen auf dem Spiel. Diese Offenbarung wird nämlich schlicht zerstört, wo Christen ihre Partei für die ganze Kirche halten oder meinen, das Einvernehmen mit der sie umgebenden Mehrheit sei schon der Anbruch des Reiches Gottes. Fra' Georg Lengerke
04:13
June 6, 2019
190605 BDZ 7. Osterwoche Mittwoch Erwählt für Europa Joh 15,14-16a.18-20
Heute ist das Fest des hl. Bonifatius (673-755), der als Apostel Deutschlands und Europas verehrt wird. Mit dem Aufbau und der Organisation von Bistümern und bedeutenden Klöstern hat er maßgeblich das Fundament für die abendländisch-christliche Kultur Europas gelegt. Das Evangelium spricht heute von der „Erwählung“ der Jünger. Erwählung ist für viele ein Reizwort. Seit Kain und Abel wird die Erwählung des einen unter Hintanstellung des anderen als ungerecht empfunden. Dabei ist alle Erwählung von Gott immer Erwählung um der Anderen willen. Aaron wird auch um seines Bruders willen erwählt. Abraham, Isaak und Jakob werden um ihrer Nachkommen im Glauben willen erwählt. Das eine Volk Israel ist erwählt, damit an ihm alle Völker ablesen können, wer und wie Gott ist. Maria ist erwählt um unseres Heiles willen und die Apostel um all derer willen, denen sie Christus bezeugen. Bonifatius war und ist erwählt für Deutschland und Europa. Auch für die unter den Heutigen, die arrogant und dumm seine Zeit „finster“ nennen, während gleichzeitig die Barbarei mit der Fahne des Neuen Humanismus in der Hand an die Tür klopft. Es ist an der Zeit, sich mit dem Europa zu beschäftigen, dass der heilige Bonifatius im Sinn hatte. Nicht in dem wir – wie das 19. Jahrhundert – seine Zeit romantisieren. Sondern in dem wir ernst damit machen, dass der Heilige Geist durch alle Jahrhunderte Menschen dazu erwählt hat, dass auch wir Heutigen noch von ihnen lernen. Fra' Georg Lengerke
01:58
June 5, 2019
190604 BDZ 7. Osterwoche Dienstag Verherrlicht Joh 17,l-11a
Am Sonntag fragte mich jemand, was Herrlichkeit und verherrlichen bedeute. Wenn wir sagen, etwas sei herrlich, dann ist es großartig, vielleicht sogar überwältigend. Ähnlich klingt es im Gebet der Kirche: „bis du kommst in Herrlichkeit“ oder „denn dein ist … die Herrlichkeit in alle Ewigkeit“. Das griechische Wort für Herrlichkeit, doxa, bedeutet „Glanz“ oder „Pracht“ und meint u.a. das endgültige Erscheinen Gottes. Das ist uns verheißen, wenn wir ihn im Tod „von Angesicht zu Angesicht“ sehen. Aber Jesus bittet den Vater schon hier: „Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.“ (Joh 17,1) Das bedeutet: Offenbare den Menschen vollkommen, wer ich bin, damit ich den Menschen vollkommen offenbare, wer Du bist. Im Leben, Lieben und Leiden, im Sterben und in der Auferstehung offenbart uns Jesus, wer und wie der Vater ist, und der Vater, wer und wie der Sohn ist. Und diese Verherrlichung ereignet sich schon hier in der Welt. Vor allem in der „Erhöhung“ am Kreuz, an dem die Liebe sterbend gegen den Hass siegt; und in der „Erhöhung“ an Ostern, wenn die Liebe des Vaters sogar noch aus dem Tod rettet. Schließlich sagt Jesus von den Jüngern: „In ihnen bin ich verherrlicht“ (Joh 17,10), in ihnen werde ich mich offenbaren. Auch wir gehören zur „Herrlichkeitsgestalt“ Jesu Christi. In der Welt wird die Herrlichkeit Gottes offenbart in Ihm – und in denen, die an ihn glauben. „Die Herrlichkeit Gottes ist der lebende Mensch; und das Leben des Menschen ist die Gottesschau.“ (Irenäus v. Lyon, 2. Jh.) Fra' Georg Lengerke
02:11
June 4, 2019
190602 BDZ 7. Osterwoche Sonntag Eins sein Joh 17,20-26
Zur Einheit der Kirche gibt es so viele Modelle wie Konfessionen: vom „Einswerden mit allen Menschen guten Willens“ bis hin zum „Auf-Linie-Bringen möglichst vieler“ in theologischer Engführung. In dieser Spannung lebt die Kirche: Sie ist einerseits zu allen Menschen gesandt und lebt andererseits aus der Konkretion der Offenbarung des dreifaltigen Gottes. Für Jesus ist das Modell der Einheit der Kirche seine Einheit mit dem Vater: „Wie Du, Vater in mir bist und ich in Dir bin, sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass Du mich gesandt hast.“ (Joh 17,21) Die Einheit der Kirche wird uns in dem Maß geschenkt, in dem wir die Einheit mit Christus suchen. „Einheit mit Christus“ bedeutet aber zweierlei: Sie bedeutet erstens die Einheit mit dem geoffenbarten Herrn und nicht mit einer bloßen Vorstellung von ihm. Zweitens bedeutet sie die Einheit mit den zu Christus Gehörenden: also mit den Zeuginnen und Zeugen von den Aposteln bis in die heutigen Tage. Das schließt unterschiedliche Ansichten, Auffassungen und Perspektiven ein, um die „in Christus“ gerungen werden soll. Wer jedoch die Einheit nur mit seinem je eigenen „Christus“ und also mit seiner je eigenen „Kirche“ sucht, der hat sich aus der Einheit der Kirche bereits verabschiedet. Auf dem Weg zur Einheit sind wir dort, wo wir regelmäßig miteinander beten (ohne Unvereinbares zu leugnen) und uns miteinander in seinem Namen zu den Kleinsten und Schwächsten senden lassen. Das ist die Disposition für die Einheit, die Gott selbst uns schenken wird. Fra' Georg Lengerke
01:58
June 2, 2019
190601 BDZ 6. Osterwoche Samstag In seinem Namen beten Joh 16,23-28
Ich werde gefragt, ob ich eigentlich zu Gott dem Vater oder zu Gott dem Sohn bete. Ich bete zum dreifaltigen Gott, indem ich einmal den Vater, ein anderes Mal den Sohn oder den Heiligen Geist anrufe. Die drei Personen sind zwar zu unterscheiden aber nicht zu trennen. Einer schenkt und zeigt sich im anderen. Wenn ich zu einer der göttlichen Personen bete, ist immer die Dreieinigkeit angesprochen. Mit der Auferstehung und der Himmelfahrt Christi verändert sich auch das Gebet der Jünger: „Bisher habt ihr noch um nichts in meinem Namen gebeten“ (Joh 16,24), sagt Jesus ihnen. Bisher haben sie nur in ihrem eigenen Namen, ohne Gott zu Gott gebetet. „In seinem Namen“ beten sie, wenn sie mit Gott zu Gott beten, also mit Jesus Christus, der zugleich ganz bei ihnen und ganz beim Vater ist. Christlich beten heißt „im Namen Jesu“ beten. Wir nehmen teil am Gespräch zwischen Gottvater und Gottsohn. Wir beten mit dem Sohn, von der Stelle des Sohnes aus, der an unsere Stelle getreten ist. Deshalb enden alle offiziellen Gebete der Kirche mit der Formel: „Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn…“ Wenn wir beten, dann machen wir uns das Beten Jesu zu eigen. Und das heißt, dass wir auch um die Erkenntnis des Willens Gottes bitten und diesem Willen gemäß beten sollen. Dieses Gebet wird unfehlbar erhört. Am Ende des Gleichnisses vom Weinstock sagt Jesus: „Wenn ihr in mir bleibt, und wenn ich in euch bleibe, dann bittet um was ihr wollt: Ihr werdet es erhalten.“ (Joh 15,7, vgl. BDZ vom 22. Mai). Fra' Georg Lengerke
02:01
June 1, 2019
190531 BDZ 6. Osterwoche Freitag Geburtsschmerz Joh 16,20-23a
Wir kennen verschiedene Arten von Schmerz: den physischen Schmerz, den Schmerz des Verlustes, der Enttäuschung und der Kränkung, wir kennen den Schmerz der Schuld und den der Reue, den Schmerz des Versagens und den der Liebe. Der Schmerz gehört zum Leben dazu. Auch der Schmerz angesichts der Welt und der Kirche. Und manchmal ist „des einen Freud‘ des anderen Leid.“ Jesus kündet seinen Jüngern Schmerz an: „Ihr werdet weinen und klagen, aber die Welt wird sich freuen.“ (Joh 16,20) Gemeint ist hier nicht jene Schmerzverliebtheit, die eine Versuchung der Christen ist. Gemeint ist die Teilnahme am Schmerz Gottes, der der Schmerz der Liebe ist. Diesen Schmerz vergleicht Jesus mit dem Schmerz einer Mutter bei der Geburt. Wenn das menschliche Leben sich Bahn bricht, tut das weh. Nicht nur physisch. Eine Mutter sagte mir neulich, zur Geburt gehöre auch ein erster Abschiedsschmerz. So ist es hier: der Schmerz über den Weggang Jesu ist der Geburtsschmerz eines neuen Lebens. „Die ganze Schöpfung“, sagt der hl. Paulus, liegt „in Geburtswehen“ (Röm 8,22). Also auch wir, weil in unserem Leben das Reich Gottes und unsere Gotteskindschaft zum Vorschein kommen soll. Unsere Teilnahme am Schmerz Gottes ist Geburtsschmerz für sein Reich, in dem sein Wille „wie im Himmel so auf Erden“ geschieht. Einmal wird das unsere vollkommene Freude sein, die uns keiner mehr nehmen kann. Sie wird uns den Schmerz nicht nur vergessen machen. Vielmehr werden wir erkennen, dass er sich gelohnt hat. Fra' Georg Lengerke
02:06
May 31, 2019
190530 BDZ 6. Osterwoche Christi Himmelfahrt Bleibt in der Stadt Lk 24,46-53
Wichtige Zeiten in unserem Leben sind oft Übergänge. Vom Mutterleib in die Welt, vom Liegen zum Gehen, vom Jungen zum Mann usw. bis hin zu jenem letzten Übergang, den Christen nicht Exitus, sondern Transitus nennen. Auch Gott offenbart sich in Übergängen. Und die feiert die Kirche. Den Übergang in die Menschheit an Weihnachten; den Übergang von Tod und Auferstehung an Ostern. Oder heute, an Christi Himmelfahrt: den Übergang von seinem Dasein für die wenigen zu seinem Dasein für uns viele. Manchmal merken wir erst im Nachhinein, dass eine Krise ein Übergang ist. Daher sind Übergänge – zumal längere – schwer auszuhalten. Sie sind schmerzhaft, verlustreich, scheinbar aussichtslos. So muss es den Jüngern mit den Übergängen Jesu in Jerusalem gegangen sein. Und so geht vielen von uns mit dem Übergang, den die Kirche gerade durchlebt. Jesus gibt uns für diese Zeit einen wichtigen Rat: „Bleibt in der Stadt, bis ihr mit der Kraft aus der Höhe erfüllt werdet!“ (Lk 24,49). Trotz der Lüge, der Gewalt, des Machtmissbrauchs und des Schrecklichen, das in ihr geschehen ist: Bleibt in der Stadt! Wegen des Großen, das dort geschehen ist und wegen des noch Größeren, das in ihr geschehen soll: Bleibt in der Stadt! Schenke uns, Herr Geduld und Kraft und Mut zum Bleiben in Deiner Stadt. Du hast versprochen, dass in ihr Deine Kraft von oben geschenkt und mächtig sein wird – für alle. Amen. Fra' Georg Lengerke
02:06
May 30, 2019
190529 BDZ 6. Osterwoche Mittwoch Mach, was geht Joh 16,12-15
Heute Morgen hätte ich den BetDenkzettel eigentlich fast abgesagt. Es wurde zu viel. Hinter mir liegt eine lange Reise mit mehreren Veranstaltungen. Gestern Abend war ich bis spät zu einem schönen Geburtstagsabendessen eingeladen. Gleich ist Morgengebet in der Kommende. Einfach zu viel. „Noch vieles habe ich Euch zu sagen, aber ihr könnt es jetzt nicht tragen“, sagt Jesus. „Wenn aber jener kommt, der Geist der Wahrheit, wird er Euch in der ganzen Wahrheit leiten.“ (Joh 16,13) Auch hier: Es ist einfach zu viel. Zumindest zu viel für jetzt. Aber mit dem Heiligen Geist eben bedeutet, dass es noch etwas zu lernen gibt und Raum zum Wachsen ist. Auch wenn die biblische Offenbarung abgeschlossen ist: Der Offenbarte hört nicht auf, uns zu lehren, uns neue Möglichkeiten zu erschließen, die wir wirklich werden lassen können. Vor Ostern und Pfingsten konnten die Apostel noch nicht im Namen Jesu in die ganze Welt gehen, und die Zeit für ein Zeugnis, das alles kosten durfte, war noch nicht gekommen. Dahin musste der Geist sie erst führen. Das gilt für unsere Lebenszeit bis in die Vollendung der endgültigen Begegnung mit Gott. Der Heilige Geist führt uns Schritt um Schritt und Tag um Tag in die ganze Wahrheit ein. Wenn wir es wollen, und so, wie wir es vermögen. Heute Morgen ist alles etwas viel. Und ich erinnere mich an das Wort einer Freundin vor einigen Wochen, die mit dem Heiligen Geist befreundet sein muss. Sie sagte mir: „Mach, was geht.“ Fra' Georg Lengerke
02:02
May 29, 2019
190528 BDZ 6. Osterwoche Dienstag Der Beistand Joh 16,5-11
Es wird abschiedlich im Johannesevangelium. Jesus geht zum Vater. Und die Reaktion der Jünger ist verständlicherweise Trauer. Aber Jesus lässt den Jünger die Trauer nicht durchgehen. Am Sonntag hieß es: „Wenn ihr mich lieb hättet, würdet ihr euch freuen, dass ich zum Vater gehe.“ (Joh 14,28) So als wäre die Trauer ein Zeichen mangelnder Liebe. Die Jünger werden traurig, weil es ihnen nur um sich selbst im Hier und Jetzt geht. Es gibt kein Gestern der Erinnerung und kein Morgen der Hoffnung. Aber das Leben mit Gott ist Zukunft. „Es ist gut für euch, dass ich fortgehe. Denn wenn ich nicht fortgehe, wird der Beistand nicht zu euch kommen.“ (Joh 16,7) Jesus muss vorangehen, wenn die Gemeinschaft mit ihm weitergehen soll: von Jerusalem bis an den Ort, wo ich an diesem Morgen gerade bin. Diese Gemeinschaft mit dem Menschgewordenen wird durch alle Zeiten und an allen Orten realisiert durch den Heiligen Geist, den Parakleten, den Herbeigerufenen, den Tröster oder Beistand, wie die Übersetzer ihn nennen. Er öffnet uns für die Gegenwart des Sohnes und des Vaters. Und er ist jenes Licht, in dem wir erkennen können, wie es um die Welt und um uns selbst in ihr steht. Komm, Heiliger Geist, Du Tröster, nimm von uns die Traurigkeit dieser Zeit. Bekehre uns zu Dir, und öffne unsere Sinne für die Liebe des Vaters im Wirken des Sohnes. Lass uns erkennen, wie es um uns steht, und Ausschau halten nach der Freude, die nur Du uns Menschen schenken kannst. Amen. Fra' Georg Lengerke
02:03
May 28, 2019
190526 BDZ 6. Osterwoche Sonntag Bei mir wohnen Joh 15,18-21
Eine der Definitionen von Gottesliebe im Johannesevangelium ist: das Wort Gottes annehmen. Also: es hören und verstehen wollen, es verwirklichen und lebensformend werden lassen. Wer das tut, merkt, dass das zugleich die Weise ist, wie Gott ihn liebt, ihn an sich zieht, sich ihm vertraut macht. Und nicht nur das: Es führt dazu, dass der dreifaltige Gott „kommt, um bei ihm zu wohnen“. Das Wort Gottes ist nicht nur eine Moral oder Pädagogik. Es ist vor allem ein Ausdruck seines Kommens zu uns. Es macht uns zu einer Stelle, an dem er wohnt und sich liebend zeigt. Weil nun aber das Wort Gottes gerade im Johannesevangelium nicht immer ganz leicht zu verstehen ist, möchte ich heute mal eine einfache Weise des Betens empfehlen. Die Wüstenväter fragten sich, wie das gehen soll: „Betet ohne Unterlass“ (1 Thess 5,17). Und sie dachten sich: Was wir „ohne Unterlass“ tun, ist atmen. Also verbinden wir das Beten mit dem Atem. Versucht das einmal: Beim Einatmen in Gedanken sagen: „Du in mir“, und beim Ausatmen: „Ich in Dir“; oder auch nur „Christus“ beim Einatmen und „Jesus“ beim Ausatmen. Und das, ohne irgendetwas am Atem zu verändern, außer auf ihn zu achten. Ich mache das jetzt seit 25 Jahren. Das macht es mir leichter, Gott seine Liebe zu mir und meinen Nächsten zu glauben und bei ihm zu bleiben. Und noch immer staune ich, wenn ich merke, dass ich nicht nur beim Beten atme, sondern beim Atmen bete. Du in mir… – Und ich in Dir… Amen Fra' Georg Lengerke
02:12
May 26, 2019
190525 BDZ 5. Osterwoche Samstag Gehasst werden Joh 15,18-21
„Wundert euch nicht, wenn die Welt euch hasst“, sagt der Erste Johannesbrief (3,13). Offenbar war der jungen Kirche der Hass der Welt bereits vertraut: Der Kirche ergeht es wie Christus. Aber sie wusste auch: Nicht jeder Hass der Welt ist ein Zeichen für die Treue zu Christus: „Wenn einer von euch leiden muss, soll es nicht deswegen sein, weil er ein Mörder oder ein Dieb ist, weil er Böses tut oder sich in fremde Angelegenheiten einmischt.“ (1 Petr 4,15) Wir dürfen den Hass um Christi willen nicht mit dem Hass um unserer Sünde willen verwechseln. Jesus spricht heute vom Hass auf die Kirche, der dem Hass auf ihn gleicht. Dieser Hass „um Jesu Namen willen“ will sich nicht damit abfinden, dass die Kirche keine Erfindung der Welt ist. Sie verdankt sich einer Erwählung für die Welt. Die Kirche wird gehasst, weil sie nicht der Welt, sondern Jesus Christus gehört und so auf ihn hört, dass er das erste und das letzte Wort über die Kirche hat. Zugleich warnt Jesus vor der Liebe der Welt, die die Kirche als die Ihre vereinnahmt. Die Welt liebt eine Kirche, die so ist wie sie: von ihrer Art, nach ihrem Geschmack, zu ihr gehörend und ihr hörig. Ich mache mir keine Sorge um die Kirche, wenn sie um Christi und seiner Liebe willen von den einen gehasst und von den anderen geliebt wird. Große Sorgen mache ich mir um die Kirche, wo sie wegen ihrer Sünden gehasst und wegen ihrer Weltlichkeit geliebt wird. Fra' Georg Lengerke
02:05
May 25, 2019
190524 BDZ 5. Osterwoche Freitag Freunde Joh 15,12-17
Es gibt Menschen, denen es unangemessen vorkommt, von der Beziehung zu Jesus als Freundschaft zu sprechen. Das hat damit zu tun, dass Freundschaft oftmals für etwas Geringeres gehalten wird als die Liebe. Für manche ist „Freunde“ ein netteres Wort für „Bekannte“. Und wenn ein Paar sich trennt, sagen sie, sie wollen „Freunde bleiben“. Dann ist Freundschaft das, was von der Liebe übrigbleibt. Jesus sagt den Jüngern: „Ich habe euch Freunde genannt“ (Joh 15,15) Für ihn ist Freundschaft die Vollform von Liebe. Lieben kann ich auch den, der mich nicht liebt. Freundschaft jedoch ist erwiderte, gegenseitige Liebe, die sich auf Gemeinsames bezieht. „Liebe jeden mit echter starker Nächstenliebe“, schreibt Franz von Sales, „Freundschaft dagegen schenke nur solchen, die mit dir Gemeinschaft in wichtigen Dingen aufnehmen können.“ Jesus nennt heute vier Kriterien der Freundschaft mit ihm: 1. „Wenn ihr tut, was ich euch auftrage“, heißt nicht bloß gehorchen, sondern wollen, was er will (vgl. gestern). 2. „Ich habe euch alles mitgeteilt“, weil Freundschaft bedeutet, am eigenen Leben Anteil zu geben und am Leben des Anderen Anteil zu nehmen. 3. „Ich habe euch erwählt“, weil Freundschaft nicht Los oder Schicksal, sondern Wahl und Entscheidung ist. 4. „Wer sein Leben gibt für seine Freunde“, hat die größte Liebe, weil ihm das Leben des Freundes teurer ist als das eigene. Schenke uns, Herr, Deine Freunde zu sein, und es täglich mehr zu werden. Amen. Fra' Georg Lengerke
02:07
May 24, 2019
190522 BDZ 5. Osterwoche Donnerstag In der Liebe bleiben Joh 15,9-11
Was hieße das, wenn Euch ein lieber Mensch zum Abschied sagte: „Bleib in meiner Liebe!“ (vgl. Joh 15,9) Würdet Ihr eher an seine Liebe zu Euch denken? Oder vielleicht an seine Liebe zu Dritten (z.B. zu seinen Kindern, auf die ihr an dem Abend aufpassen sollt)? Jesus sagt: Ihr „bleibt in meiner Liebe […], wenn ihr meine Gebote haltet“. Leute mit schlechten Kindheitserfahrungen mag das erinnern an: Wenn du tust, was Mama sagt, dann hat Mama dich lieb. Wer Jesus kennt, weiß, dass ihm das nicht ähnlich sieht. Die „Gebote“ Christi sind mehr als Anweisungen zum guten Leben. Sie beschreiben die Lebensform der Christen und sind Ausdruck der Verbundenheit mit Christus in der Taufe. Wer zu Christus gehört und in seiner Liebe bleibt, der nimmt erstens sein Wort und seinen Willen als maßstäblich und lebensformend an. Wort und Wille Christi sind für ihn nicht nur Information, sondern Formation. Wer in der Liebe Christi bleiben will, der ist zweitens bereit, sich von ihm und den Seinen lieben zu lassen – so wie Petrus lernen muss, sich die Füße waschen zu lassen. Wer in der Liebe Christi bleibt, der will drittens, was er will, und lehnt ab, was er ablehnt; der tut, was er tut, und liebt, was er liebt. „Dasselbe wollen und dasselbe ablehnen“, das hieß in der Antike Freundschaft. Wer das tut, dem verspricht Christus, die gleiche Freude im Herzen zu tragen, die er im Herzen trägt – weil er in der Liebe des Vaters lebt und bleibt und zu uns kommt. Fra' Georg Lengerke
02:13
May 23, 2019
190522 BDZ 5. Osterwoche Mittwoch Fruchtbringen statt Machen Joh15,1-8
Was ändert sich, wenn ich mit Christus verbunden lebe? Von einigen Veränderungen war hier schon die Rede: Friede, Mit-Liebe, Unterscheidungs- und Entscheidungskraft, ein Miteinander, das bis in den Himmel reicht, und Leben, das der Tod nicht töten kann. Mit Christus ändert sich auch die Weise, wie wir etwas hervorbringen. Im Gleichnis vom Weinstock spricht Jesus vom Fruchtbringen. Fruchtbringen ist die Alternative zum bloßen Machen. Machen heißt etwas bewerkstelligen, es selbst vollenden und verantworten. Das zu können, ist eine schöne Gabe, für die wir dankbar sein können. In diesen Tagen gebe ich Exerzitien im Eichsfeld. Gerade für beanspruchte Menschen geht es in solchen Zeiten häufig um den Unterschied zwischen Machen und Fruchtbringen. Fruchtbringen heißt, das Meine tun und die Bedingungen schaffen, dass werden und wachsen kann, was ich selbst nicht machen kann. Im Evangelium sind der Weinstock und der Sämann dafür schöne Beispiele. Die Rebe lebt vom Empfangen und bringt hervor, was sie empfängt. Der Sämann ackert, sät und jätet. Und während er schläft, lässt Gott wachsen. Wir dürfen nicht allein beim Machen bleiben. Je mehr wir uns Einwurzeln im Leben Gottes, werden wir weniger nach Machbarkeit und mehr nach Fruchtbarkeit fragen, wir werden weniger machen und mehr Frucht bringen, und was wir hervorbringen wird kein Machwerk, sondern eine Frucht sein, an der die Menschen Gott erkennen werden. Fra' Georg Lengerke
02:02
May 22, 2019
190521 BDZ 5. Osterwoche Dienstag Dein anderer Frieden Joh 14,27-31a
Frieden wird ersehnt und gefordert. Zu Recht oder zu Unrecht. Wer im Unrecht ist, darf nicht Frieden fordern, sondern soll Gerechtigkeit schaffen. Wer auf Unrecht hinweist, darf nicht zu Frieden genötigt werden, sondern soll gehört werden. Wo Gott als Mensch die Selbstherrlichkeit des Menschen ins Wanken bringt, darf er nicht um des lieben Friedens Willen zum Schweigen gebracht werden. Einen faulen Frieden sollen wir ablehnen und „edlen Frieden“ suchen. Wenn Jesus von dem Frieden spricht, den er schenkt, und der dem der Welt nicht gleicht, dann meint er offenbar anderes als jenen Frieden, der sich aus unseren Einigungen und unserer Kompromissbereitschaft ergibt. Er meint einen Frieden, in dem wir auch dann noch bleiben, wenn um uns bildlich der Krieg tobt. Sein Grund ist die Versöhnung mit Gott und dem Nächsten. Der Friede Christi lässt mich so getrost sein, dass das Bangen um die Anerkennung der Menschen, die Zudringlichkeit von Aufgaben und Erwartungen und die Enttäuschung über meine Umgebung immer weniger Macht über mich hat. Der hl. Ignatius schrieb in der brenzligen Phase des Weiterbestehens der jungen Jesuiten, er brauche im Fall des Verbotes des Ordens nur eine Viertelstunde um wieder in den Frieden zu kommen. „Frieden ist die Ruhe der Ordnung“ (Augustinus). Er stellt sich ein, wo wir das uns Mögliche um die gottgemäße Ordnung in und um uns tun – und dann fest darauf vertrauen, dass alles Übrige von Gott her zur rechten Zeit seine Ordnung bekommen wird. Fra' Georg Lengerke
02:01
May 21, 2019
190519 BDZ 5. Sonntag der Osterzeit Was neu ist Joh 13,31-33a.34-35
Je aggressiver Reformen der Kirche diskutiert werden und je alarmierender sich die Frage nach der christlichen Prägung ihrer Hilfswerke stellt, umso dringender muss nach dem Neuen gefragt werden, dass die Menschwerdung Gottes der Welt gebracht hat. Jesus gibt eine Antwort: „Ein neues Gebot gebe ich Euch: Liebt einander!“ (Joh 13,34) Es wird oft behauptet, die Nächstenliebe sei das eigentlich Neue der Botschaft Jesu. Doch das ist so arrogant wie falsch. Auch andere Religionen lehren die Nächstenliebe und auch nichtchristliche Organisationen haben sie auf ihre Fahnen geschrieben. Nein, das spezifisch Christliche ist nicht die Nächstenliebe. Es ist die Tatsache, dass die Liebe Gottes sich als Mensch gezeigt hat. Jesus ist unendlich viel mehr als ein Vorbild, an dessen Liebe zu den Seinen wir uns orientieren sollten. Es geht um seine Liebe zu uns Heutigen: „Wie ich Euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“ (Joh 13,34) Der christliche Unterschied in der Liebe besteht darin, dass wir „die Liebe Gottes erkannt und gläubig angenommen“ haben (1Joh 4,16). Diese Annahme zeigt sich vor allem darin, dass wir als Geliebte lieben und zusammen mit dem, der uns die Liebe Gottes offenbart und dafür sein Leben gegeben hat. Der Dienst der Christen ist die Liebe der Geliebten. Sie ist das Kriterium aller Reform. Sie ist das Neue, das mit Christus in die Welt gekommen ist, und das wir den Menschen schulden. Fra' Georg Lengerke
01:59
May 19, 2019
190518 BDZ 4. Osterwoche Samstag Größere Werke? Joh 14,7-14
Das klingt wie eine Steilvorlage für alle menschliche und kirchliche Selbstüberschätzung: „Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater.“ (Joh 14,12) Nach dem Motto: Wenn Du erst mal beim Vater bist, können wir die Kirche so richtig groß, mächtig und weltbeherrschend aufziehen (vgl. Dostojewski, Der Großinquisitor). Das soll es nun gewiss nicht heißen: dass wir nach Christus gekommenen Menschen mehr zu wirken vermögen als er. Das „Größere“ wird vielmehr das sein, was die, die an Jesus glauben, nach Ostern und Pfingsten vollbringen werden. So wie Gottvater im Sohn wirkt, so wirkt Christus in den Vielen, die an ihn glauben. Diese beginnen überall auf der Welt, von ihm zu erzählen, in seinem Namen zu dienen und zu lieben, zu lehren und zu heiligen. In den Millionen, die an ihn glaubten und glauben, und mit ihnen wirkt der zum Vater erhöhte Sohn „Größeres“, als in den Jahren seines öffentlichen Lebens. Dreierlei ist dran: 1. Die menschliche Schuld in der Kirche erkennen, bereuen und sühnen. 2. Das Große erkennen, dass Gott der Welt in Jahrhunderten durch unzählige kleine und große Menschenherzen und -hände in der Kirche geschenkt hat. Und 3. daraus die sichere Hoffnung zu schöpfen, dass Christus der Welt durch die Seinen auch immer noch Größeres schenken wird. Mache uns, Herr, zur Gabe für die Welt, durch die Deine Liebe immer noch Größeres wirken will. Amen Fra' Georg Lengerke
01:56
May 18, 2019
190517 BDZ 4. Osterwoche Freitag Dort sein, wo du bist Joh 14,1-6
Du hast versprochen, Herr, dort zu sein, wo ich bin, damit ich sein kann, wo ich bin, damit ich kommen kann, wohin ich soll, damit ich werden kann, wer ich bin. Du hast versprochen, Herr, dort zu sein, wo ich bin: in Kraft und Schwachheit, in Glück und Unglück, im Licht und in der Finsternis, die uns Dir zu nehmen scheint; in guten und in bösen Tagen, in Gesundheit und Krankheit (und Du hast versprochen, dass der Tod uns nicht scheidet). Schenke mir, Herr, dass ich dort bin, wo Du bist: schon hier, wo nach Dir gerufen wird, wo von Dir zu reden ist, wo Du den Nächsten nicht ohne mich lieben willst; und einmal dort, wo das Haus mit den vielen Wohnungen offen steht, wo die Liebe gesiegt hat, wo die Freude vollkommen ist und wir einander sehen, wie wir sind – angesichts Deiner. Amen. Fra' Georg Lengerke
01:24
May 17, 2019
190516 BDZ 4. Osterwoche Do 2x Gegenwart Christi Joh 13,16-20
Unsere Begegnung mit Jesus Christus ist auf das engste verbunden mit der Begegnung mit unseren Nächsten: Was wir den geringsten seiner Brüder oder Schwestern tun, haben wir Christus getan (Mt 25,40); wer ein Kind (Mt 18,5), seine Jünger (Mt 10,40) oder Gesandten aufnimmt (heute: Joh 13,20), der nimmt Christus auf. Wer die Jünger hört, hört Christus, wer sie ablehnt, der lehnt Christus ab (Lk 10,16; Apg 9,4). Es gibt zwei Weisen der Gegenwart Christi im Nächsten: Er ist verborgen gegenwärtig, in denen, mit denen er sich verbunden hat; und er ist offenbar gegenwärtig in denen, die sich mit ihm verbunden haben. In seiner Menschwerdung hat Gott sich mit jedem Menschen verbunden, sagt das II. Vatikanische Konzil. Mit dem Tod und der Auferstehung Jesu Christi wird mein Nächster zum Bruder oder zur Schwester, für die (in deren Leben hinein) Christus gestorben ist. Das gilt für alle – und besonders für jene, die arm oder krank, einsam oder gefangen, nackt oder hungrig sind. Es gibt kein Leid, in das die Liebe Gottes uns nicht vorausgeht, damit wir ihn dort suchen und finden, wo wir mit ihm den Leidenden dienen. Christsein heißt nun, im Glauben darein einwilligen, dass unser Leben von seinem Tod und seiner Auferstehung, von seinem Wort und Wirken geformt und verwandelt wird. Wo das geschieht, wird unser Leben zum Zeugnis, das von dem erzählt, der gekommen ist, damit alle von Gott gefunden werden und keiner verloren geht. Fra' Georg Lengerke
01:56
May 16, 2019
190515 BDZ 4. Osterwoche Mittwoch Wort wie Licht Joh 12,44-50
Ein bekannter Kanon beginnt: „Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht.“ Warum? Weil es Hoffnung und Zukunft, Halt und Trost bringt. Gut, das kann man jetzt für etwas banal halten. Aber wenn wir uns überlegen, welche Rolle das Wort Gottes im Leben der meisten Christen spielt, ist diese biblische Parallele von Licht und Wort (Ps 119,105) doch bedenkenswert. Im heutigen Evangelium finden wir eine weitere Parallele, die nicht ganz so harmlos ist. Jesus spricht davon, was passiert, wenn einer sein Wort zwar hört und erkennt, aber es nicht annimmt. Nicht er wird diesen Menschen richten, sagt Jesus, sondern eben sein Wort (Joh 12,47-48). Aber wie kann das Wort richten? Kurz davor erinnert Jesus daran, dass er das Licht ist, das in die Welt kommen soll, damit derjenige, der an ihn glaubt, nicht in der Finsternis bleibt (V. 46). Auch das Licht ist für Jesus ein Bild für das Gericht: Es kommt in die Welt, wird abgelehnt und bringt zum Vorschein, dass die Menschen die Finsternis lieber haben als das Licht (Joh 3,19). Gottes Wort ist wie Licht. Es erhellt nicht nur die Welt um den herum, den es trifft, es erleuchtet ihn auch, macht ihn erkennend und macht ihn selbst zum Licht. Wenn er will. Wenn er nicht will, dann beleuchtet es einfach nur sein Leben, wie es ist, bringt Verhärtung, Trotz und Unwillen zum Vorschein. Gottes Wort sagt uns nicht nur, was ist oder was zu tun sei. Es bringt zum Vorschein, wie wir sind. Schon jetzt. Und einmal endgültig am Jüngsten Tag. Bis dahin sollten wir nicht warten. Fra' Georg Lengerke
02:07
May 15, 2019
190514 BDZ 4. Osterwoche Dienstag Hingehalten werden Joh 10,22-30
Die kritischen Zuhörer Jesu werden ungeduldig: „Wie lange noch willst Du uns hinhalten?“ (Joh 10,24) Viele kennen diese Ungeduld: Warum zeigst Du Dich nicht als mächtiger Gott, der den Menschen vor dem Bösen, vor Schmerz, Leid und Tod bewahren kann? Warum tust Du nichts? Wie lange willst Du uns noch hinhalten? Jesus gibt darauf zwei Antworten: Die erste Antwort lautet: Ich habe gesagt, was sagbar, und offenbart, was zu offenbaren ist. Ich halte nicht Euch hin, vielmehr habe ich mich Euch hingehalten. Eine größere Eindeutigkeit ist hier und jetzt nicht möglich. Nun seid Ihr an der Reihe. Ich kann Euch den Schritt ins Vertrauen nicht ersparen. Es braucht Euer Ja, das sich aus der Begreifbarkeit ins Unbegreifliche, aus der Messbarkeit ins Unermessliche und aus dem Anspruch in die Liebe hinaustraut. Die zweite Antwort lautet: Es ist noch nicht so weit. Und Ihr seid noch nicht so weit. Erst später wird Petrus den Sinn der Fußwaschung verstehen (Joh 13,7), erst später kann er dem vorausgehenden Herrn auf dem Weg folgen (Joh 13,13), erst später wird der Geist der Wahrheit die Jünger in die jetzt noch unerträgliche „ganze Wahrheit“ führen (Joh 16,13). Es gibt Fragen, auf deren Antwort wir warten sollen, Schicksale, deren Sinn uns einmal offenbart werden wird, und Wege, die zu gehen uns erst noch geschenkt werden muss. Schenke mir, Herr, dass ich mich hintraue zu Dir, und die Geduld, jeweils Deinen Augenblick zu erwarten. Amen. Fra' Georg Lengerke
01:58
May 14, 2019
190512 BDZ 4. Osterwoche Sonntag Dass du mich kennst Joh 10,27-30
Am Schluss der Rede über den guten Hirten sagt Jesus: „Meine Schafe hören auf meine Stimme; ich kenne sie, und sie folgen mir.“ (Joh 10,27) Mit dem Kennen und dem Gekanntwerden ist das so eine Sache. Wo wir jemanden wirklich kennen, da hat er uns Einblick und sich zu erkennen gegeben. Das kann sehr schön sein. Oder sehr ernüchternd. Je nachdem, was wir finden. Und je nachdem, wie gut wir jemanden wirklich kennen (wollen). In einem neuen geistlichen Lied beginnt der Refrain mit den Worten: „Und ich danke dir, dass du mich kennst und trotzdem liebst.“ Immer denke ich: Irgendwas stimmt da nicht. Das hieße ja: Je besser wir jemanden kennen, umso mehr Gründe finden wir, ihn nicht zu lieben. Das mag manchmal für den zweiten Blick hinter die Fassade stimmen. Aber dann ist auch das Gegenteil wahr: Je besser wir jemanden kennen, umso mehr verstehen wir, wie er so geworden ist, umso mehr kommen wir dahin, wo das Ja Gottes niemals zu wohnen aufgehört hat. Ich bin versehrt. Vielleicht auch tief. Ich bin zutiefst des Erbarmens, der Vergebung, der Erlösung bedürftig. Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Reformatoren recht damit haben, dass ich durch und durch verdorben bin; dass nichts in mir übrig sein soll, was der Liebe lieb ist. Herr, Du liebst mich nicht obwohl, sondern weil Du mich kennst. Und so dank ich Dir, dass Du mich kennst – und deshalb liebst. Amen Fra' Georg Lengerke
02:06
May 12, 2019
190511 BDZ 3. Osterwoche Samstag Wollt auch ihr gehen? Joh 6,60-69
Für die Jünger ist die Rede Jesu vom Essen und Trinken seines Fleisches und Blutes unerträglich. Viele gehen weg. Auch von den Zwölfen fordert Jesus eine Entscheidung: „Wollt auch ihr weggehen?“ (Joh 6,67) Gehen oder bleiben? Das ist die Frage – bis heute. Mittlerweile auch für solche, die bis vor kurzem noch mit der Kirche gelebt und gebetet haben. Weggehen ist eine Option – sei es durch innere Emigration oder Austritt. Angeblich sind die Gründe andere: Damals: Jesu Wort und seine Wörtlichnahme, seine Nähe zu den Sündern (wie Ehebrechern oder Kinderschändern), sein Anspruch, uns Gott in Person zu offenbaren. Heute: menschliches oder institutionelles Versagen, Unzeitgemäßheit, Vertuschung von Verbrechen. Aber sind die damaligen nicht auch die heutigen Gründe? Und gab es die heutigen nicht auch schon damals? Petrus antwortet auf die Frage Jesu nicht: „Wie kommst Du denn darauf?“ Er sagt: „Wohin sollen wir gehen?“ Er hat sich umgeschaut und nichts gefunden, was dem von Jesus Gehörten und mit ihm Erlebten gleicht. Ich gehöre zur Kirche nicht wegen der Treue der untreu Gewordenen, oder wegen der Glaubhaftigkeit jener, die heilige Macht blasphemisch missbraucht haben. Ich gehöre zur Kirche, weil in ihr Christus lebt, liebt und leidet und Sünder wie mich an sich zieht und versöhnt. Du, Herr, hast Worte des ewigen Lebens. Du bist der Heilige Gottes. Dahinter kann und will ich nie mehr zurück. Fra' Georg Lengerke
02:16
May 11, 2019
190510 BDZ Sein Fleisch essen Joh 6,52-59
Wem das Johannesevangelium bisher zu vergeistigt war, der kommt jetzt auf seine Kosten: „Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht esst und sein Blut nicht trinkt“, sagt Jesus, „habt ihr das Leben nicht in Euch.“ (Joh 6,53) Im Johannesevangelium ist mit Menschensohn immer der auferstandene, erhöhte Herr gemeint. Es geht nicht um Menschenfresserei. Aber es bleibt die Provokation vom „Essen“ (wörtl. „Kauen“) seines „Fleisches“ und „Blutes“. Offenbar handelt es sich um eine fundamentale Aussage darüber, wie Jesus Christus durch die Zeiten hindurch für uns und mit uns da sein will. Auch nach der Auferstehung Christi gibt es eine fleischliche, eine leiblich-konkrete, für uns wahrnehmbare Gegenwart. „Das Wort ist Fleisch geworden“, beschreibt das Johannesevangelium (1,14) zu Beginn die Menschwerdung. Und diese „Fleischwerdung“ wurde durch die Himmelfahrt verwandelt aber nicht rückgängig gemacht. Seine Leiblichkeit wendet sich an unsere Leiblichkeit, will sich mit ihr verbinden und in sie eingehen. ER verbindet sich uns im Wort und im Fleisch, geistlich und leiblich. Und so kann dann auch unsere Antwort geistlich und leiblich sein. Wir gehören auch leiblich zu Christus, weil Christus sich leiblich bezeugen, offenbaren und vergegenwärtigen lassen will – vom einzelnen wie von der Gemeinschaft der Kirche, zu der Paulus später sagt: „Ihr seid der Leib Christi, und jeder einzelne ist ein Glied an ihm.“ (1 Kor 12,27) Fra' Georg Lengerke
02:00
May 10, 2019
190509 BDZ 3. Osterwoche Donnerstag Gezogen werden Joh 6,44-51
„Niemand kann zu mir kommen“, sagt Jesus, „wenn nicht der Vater, der mich gesandt hat, ihn zieht.“ (Joh 6,43) Vor der Revision der Einheitsübersetzung stand da führt statt zieht. Vielleicht weil ziehen zu sehr nach zerren und nach Einschränkung unserer Entscheidungsfreiheit klingt. Diese Frage hat schon den heiligen Augustinus beschäftigt. Aber, so sagt er, wir können nicht gegen unseren Willen glauben. Wir werden nicht gezerrt, sondern angezogen; weniger gedrängt als verlockt. Das Ziehen Gottes ist seine Antwort auf unser Verlangen nach ihm. Es hat mit seiner Anziehungskraft, seiner Attraktivität zu tun. Zweimal ist im Johannesevangelium vom Ziehen Gottes die Rede: einmal an der Stelle, die heute gelesen wird: die kommen zu Christus, die vom Vater gezogen werden. Und dann kurz vor seinem Leiden als Jesus sagt: „Wenn ich über die Erde erhöht bin, werde ich alle zu mir ziehen.“ (Joh 12,32) Der Vater zieht uns zum Sohn, und der erhöhte Christus zieht uns dort an sich, wo seine Liebe der Schuld der Welt standhält und den Tod besiegt. Es gibt ja viele Dynamiken und Kräfte, die uns ziehen (oder an uns zerren). Und nicht alle kommen von Gott. Also kommt es erstens darauf an, dass wir unterscheiden und entscheiden, von welcher Kraft wir uns ziehen lassen wollen. Und zweitens darauf, dass wir Gott bitten, uns zu ziehen: „Fühlst du dich nicht von Gott gezogen“, rät der hl. Augustinus, „dann bete, damit du gezogen werdest!“
02:03
May 9, 2019
190508 BDZ 3. Osterwoche Mittwoch Zwei Urängste Joh 6,35-40
Im heutigen Evangelium spricht Jesus von zwei Urängsten: abgewiesen (bzw. herausgeworfen) zu werden und zugrunde zu gehen (genauer: verloren zu gehen). Diese Urängste können unser Leben fundamental bestimmen: Individuell bestimmen sie uns, wo wir aus Angst vor Abweisung, Ausschluss oder Einsamkeit bereit sind, zu tun oder zu sagen, was wir eigentlich nicht wollen oder sollen, uns anzupassen, wo Abweichung geboten wäre, oder nachzugeben, wo wir beharrlich bleiben sollten. Gemeinschaftlich bestimmen sie uns, wo z.B. der Respekt vor der Entscheidung, zu einer Gemeinschaft nicht dazuzugehören, als Exklusion und Diskriminierung verstanden wird, oder wo das Bestehen auf die Selbstverantwortung des Menschen als mangelnde (gemeinschaftliche oder staatliche) Fürsorge gilt. Jesus Christus begegnet uns immer als Empfänger und zu Empfangener: Ihm sind wir vom Vater anvertraut. Er nimmt uns die Angst vor menschlicher Exklusion. Er weist keinen ab, der zu ihm gehören, und lässt keinen im Tod, der nicht in der Selbstverschließung bleiben will. Zugleich ist er Gott selbst, der als Mensch in die Welt kommt und herausgeworfen wird. Der Auferstandene wirbt darum, dass wir ihn nicht abweisen und verloren geben, sondern aufnehmen und ihm Raum und Stimme geben – in seinem heiligen Wort und Wirken, in seinen Zeugen und in den Armen und Kleinen. – Wir werden aufgenommen von dem, den wir nicht abgewiesen haben.
02:03
May 8, 2019
190507 BDZ 3. Osterwoche Dienstag Gabe oder Geber Joh 6,30-35
Woran erkennen wir, ob wir einen Menschen wirklich lieben? Indem wir uns fragen, ob es uns mehr um das geht, was er uns gibt, oder um den Anderen selbst. Die Nähe des Anderen, sein Ohr und sein Leib, sein Verständnis und sein Witz, seine Urteilskraft und seine Dienstbereitschaft – alles das sind große und wichtige Gaben. Aber sie können sich ändern oder ausfallen. Was bleibt dann? Wenn es mir mehr um die Gaben als um den Geber geht, dann liebe ich in Wirklichkeit gar nicht den Anderen, sondern nur das, was ich von ihm habe. So geht es vielen. Und so geht es Jesus mit den Menschen: Es geht Euch nicht um die Zeichen und was sie bezeichnen, sondern um das Brot und die Wunder – so die Quintessenz des gestrigen Evangeliums (Joh 6,22-29). Als Jesus von dem Brot vom Himmel spricht, das den Hunger und Durst nach Leben, Sinn, Vollendung stillt, da bitten ihn die Menschen: „Gib uns immer dieses Brot!“ – „Ich bin das Brot des Lebens.“ antwortet der Herr, der Geber und Gabe zugleich ist. Wir dürfen das, was von Gott kommt, nicht von Gott trennen. Wir dürfen die Gaben nicht vom Geber und die Zeichen nicht vom Bezeichneten trennen: das „Brot vom Himmel“, Wort und Gebot, selbst mein Nächster – alles das sind Gaben Christi, die nicht ohne ihn zu haben sind. „Gib uns in allem Dich selbst“, so dürfen wir beten, „und schenke uns, dass es uns miteinander um Dich geht – und mit Dir um die, die Du mit uns lieben willst.“ Fra' Georg Lengerke
02:05
May 7, 2019
190505 BDZ 3. Ostersonntag, Entgegenkommend Joh 21,1-19
Zwischen Liebenden wäre ein solches Gespräch möglicherweise eines der letzten gewesen. Wenn einer den anderen dreimal fragt, ob er ihn liebt, wird der Gefragte vermutlich nicht bloß traurig sein, sondern aus dem Zimmer gehen. Zwischen Petrus und dem Auferstandenen knüpft die dreimalige Frage an die dreimalige Verleugnung Petri an. Es scheint, als müsse die dreimalige Verleugnung durch die dreimalige Frage, Antwort und Sendung geheilt werden. Um jedoch den tieferen Sinn dieses Dialoges zu erfassen müssen wir zwei unterschiedliche griechische Worte für „lieben“ richtig verstehen: „agapao“ (Gott lieben) und „phileo“ (den Freund lieben). Beim ersten Mal fragt Jesus den Petrus: „Liebst Du mich, wie es Gott gebührt (agapas me)?“ und Petrus antwortet: Du weißt, dass ich dich liebhabe als Freund (philo se).“ Es steht also ein Dissens im Raum: Jesus fragt nach der Gottesliebe und Petrus bekennt sich zur Freundschaftsliebe. Darauf das gleiche noch einmal: „Agapas me?“ – „Philo se.“ Beim dritten Mal ändert sich die Frage Jesu: „Phileis me?“ – „Liebst du mich als Freund?“ Bei der Frage nach der Freundschaftsliebe wird Petrus traurig, obwohl er sich zu ihr bekennen kann. Jesus kommt ihm entgegen. Er fragt nicht nach dem Ideal, sondern nach dem, wozu der Freund fähig ist. Petrus ist traurig, weil sein Stolz gebrochen wird. Erst jetzt kann er gesendet werden. Und später wird das seine ganze Seligkeit sein. Fra' Georg Lengerke
02:09
May 5, 2019
190504 2. Osterwoche Samstag Komm übers Wasser Joh 6,16-21
Komm zu uns, Herr, über das Wasser unserer Furcht, über das Wasser unseres Untergangs, über das Wasser des Todes. Komm zu uns, Herr, durch den Sturm der Empfindungen, durch den Sturm der Entrüstung, durch den Sturm der Entmachtung. Komm zu uns, Herr, in das Boot Deiner Kirche, in das Boot unseres Lebens, in das Boot meines Leibes. Komm zu uns, Herr, und bleib im Kommen bis wir das Ufer erreichen, an dem wir für immer zu Hause sind miteinander bei Dir. Amen. Fra' Georg Lengerke
00:58
May 4, 2019
190503 Philippus & Jakobus, Gottesbilder? Joh 14,6-14
Anbetung in der Münchener Asamkirche. Vincent (7) stößt seine Mutter an, zeigt auf den großen Gnadenstuhl über dem Altar und flüstert: „Mami, schau mal! Die haben Gottvater dargestellt! Ich dachte, das ist verboten.“ Ist es auch. Vincent hat recht. Zwar hat das 7. Konzil von Nizäa 787 die Darstellung Christi, Mariens und der Heiligen gegen die Ikonoklasten verteidigt. Aber später hat die Kunst offenbar vergessen, dass wir uns von Gott selbst kein Bild machen dürfen (Ex 20,4). Warum nicht? Erstens weil jedes menschengemachte(!) Bild Gott nicht darstellt, sondern entstellt. Zweitens weil es die Versichtbarung Gottes ja schon gibt: Zuerst den Menschen, der „im Bild Gottes geschaffen“ ist (Gen 1,27), so dass Adam der Eva und Eva dem Adam Gott offenbart. Dann, nach der Selbst-Entstellung dieses ursprünglichen Bildes, indem Gott uns in Jesus Christus das „Bild des unsichtbaren Gottes“ (Kol 1,15) gibt, in dem er selbst für uns sichtbar wird. Es gibt Christen, die beten gar nicht Gott an, sondern ihr Gottesbild. Mit dem Satz: „Das entspricht nicht meinem Gottesbild!“ hat schon mancher das Gespräch über Gott (oder mit Gott) beendet. „Zeig uns den Vater; das genügt uns“, sagt Philippus, und klingt dabei ein wenig ungeduldig. „Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen“, antwortet ihm Jesus. Das Gottesbild der Christen ist Christus, in dem sich uns Gott selbst zeigt. Wir kommen mit ihm an kein Ende. Bis wir ihn schauen von Angesicht zu Angesicht. Fra' Georg Lengerke
02:02
May 3, 2019
190502 2. Osterwoche Donnerstag, Hoheit erniedrigen sich, Joh 3,31-36
Am Ende des heutigen Evangeliums ist von denen die Rede, die „dem Sohn nicht gehorchen“ und deshalb „das Leben nicht sehen“. Das sind nicht irgendwelche Leute, die offensichtlich Böses wollen und tun. Es sind zuerst jene, die den Sohn Gottes kennen, sein Wort hören und verstehen und es dennoch nicht annehmen. Denn es gibt auch einen scheinbar frommen Ungehorsam. Das Johannesevangelium spricht sowohl von der Hoheit Jesu Christi, „der von oben kommt“ und „über allen steht“ als auch von seiner Erniedrigung in unser Menschsein hinein und bis in die Gottesferne am Kreuz. Es kann sein, dass jemand beides anerkennt – Hoheit und Erniedrigung – und sich trotzdem vor der Menschwerdung Gottes in Sicherheit bringt. Entweder indem er die Hoheit so weit von sich wähnt und hält, dass sie nicht nur Gott für uns, sondern uns für Gott unerreichbar macht. Oder indem er die Erniedrigung Jesu derartig extremiert, dass sie wiederum dem eigenen Leben nichts mehr zu sagen hat. Aber in Jesus steigt die anbetungswürdige Hoheit Gottes in unser wirkliches Leben hinab. Bis in Dunkelheiten, die wir uns ohne ihn nicht wahrzunehmen trauten. Mit Jesus leben heißt, seine Gottheit annehmen als jene Liebe, die in mein tägliches, vielleicht belanglos scheinendes Leben hinein spricht und es zu seinem Leben macht. Dann hat hier und jetzt meine Auferstehung und das österliche Leben schon begonnen. Fra' Georg Lengerke
01:53
May 2, 2019
190501 2. Osterwoche Mittwoch Geliebte Welt, Joh 3,16-21
Die Welt ist ein zwielichtiger Ort. Hell in ihrer überwältigenden Schönheit und ihrer unausdenklichen Wunderbarkeit. Dunkel in ihrem schrecklichen Leid und dem raffiniert-mächtigen Bösen in ihr. Im Johannesevangelium bezeichnet „Welt“ beides: Zum einen den Ort der Abgewandtheit von Gott, an dem „die Menschen die Finsternis lieber haben als das Licht“, an dem der Mensch sich selbst und seinen Nächsten, seine Berufung und Begabung, Vergangenheit und Zukunft allein nach inner-„weltlichen“ Kriterien und Maßstäben beurteilt und an dem das Böse als „Herrscher dieser Welt“ mächtig ist. Zum anderen ist sie Gottes Schöpfung. Versehrt, aber nie aufgegeben. Im Gegenteil: „Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen Sohn hingab“, um in ihr vom Vater her „Licht der Welt“ zu sein und sein Leben für das „Leben der Welt“ zu geben, damit diese gerettet wird. Das Kommen Gottes in die Welt als Mensch bricht ihre Selbstherrlichkeit und ihre Deutungshoheit auf. Verbunden mit ihm ordnet sich unser je eigenes Leben, das Leben der Kirche und der Welt neu. „Entweltlichung“ (Benedikt XVI.) ist nicht Rückzug aus der Welt. Sie bedeutet im Gegenteil Hinwendung zu ihr – jedoch in der Mitliebe mit Gott, die sich nicht „weltlich“ verstehen oder vereinnahmen lässt. Sie mag noch so kaputt sein. Gott liebt diese Welt (und jeden von uns in ihr) um den Preis seines eigenen Lebens. Fra' Georg Lengerke
02:09
May 1, 2019
190430 2. Osterwoche Dienstag: Irdisches und Himmlisches, Joh 3,7-15
In dem nächtlichen Gespräch, das Jesus mit dem Pharisäer Nikodemus führt, geht es um die ganz großen Fragen: Über Gott und Welt, über Himmel und Erde. Aber offenbar glauben die Menschen ihm weder das eine noch das andere: „Wenn ich zu euch über irdische Dinge gesprochen habe und ihr nicht glaubt, wie werdet ihr glauben, wenn ich zu euch über himmlische Dinge spreche.“ (Joh 3,12) Der Franziskanerpater Hans Stapel, einer der Gründer der „Fazenda da Esperança“ erzählte, er sei einmal gefragt worden, wieso er an Gott, die Auferstehung und den Himmel und lauter Dinge glaube, die niemand je gesehen hätte. Darauf antwortete er: Der ganz überwiegende Teil dessen, was Jesus sagt, betrifft das tägliche Leben, meinen Nächsten und die Welt, die Liebe und das Glück, die Vergebung und den Umgang mit dem Schmerz. Das habe ich alles ausprobiert und alles ist wahr. Deshalb kann ich ihm auch Gottvater und den Himmel, die Vollendung der Welt und meines Lebens bei ihm glauben. Wenn wir Stunde um Stunde, Tag um Tag im Kleinen ernst mit dem Wort Jesu machen und mit dem was er uns über uns selbst und unsere Nächsten, über das Leben und die Liebe, den Schmerz und das Glück sagt, dann werden wir feststellen, dass er die Wahrheit sagt. – Und dann werden wir ihm auch die Auferstehung und den Himmel glauben und uns darauf freuen. Fra' Georg Lengerke
01:44
April 30, 2019
190428 2. Sonntag Osterzeit: Was wir wissen, glauben wir Joh 20,19-31
Der Zweifel des heiligen Thomas ist eine schreckliche Not. Sie hat nichts mit denen zu tun, die arrogant die „Naivität“ der Glaubenden belächeln und damit kokettieren, „sie hätten da so ihre Zweifel“. Die übrigen Apostel haben den Herrn gesehen. Thomas bleibt außen vor. Er gehört nicht mehr dazu. Die Einsamkeit seines Zweifels muss schrecklich gewesen sein. Aber Wissen und Glaube sind keine Gegensätze. Streng genommen wissen wir nur das, was sichtbar und erkennbar ist und was wir selbst gesehen und erkannt haben. Das allermeiste, wovon wir sagen, dass wir es wissen, haben wir anderen geglaubt. Den Eltern und Freunden, den Wissenschaftlern und Journalisten, den Politikern und den Zeugen. Entweder, weil nicht wir, sondern sie es gesehen und erkannt haben, oder weil es prinzipiell unsichtbar ist. Er wisse, dass England eine Insel sei, schreibt C.S. Lewis, obwohl er es selbst nicht gesehen, sondern anderen geglaubt habe. Alle wirklich großen Dinge, die uns bewegen, sind unsichtbar: Liebe, Würde, Glück, Himmel. Wir müssen sie anderen glauben. Selbst das, was wir sehen, müssen wir glauben. Zu Thomas sagt Jesus: „Du glaubst [nicht: du weißt], weil du gesehen hast.“ Glaube ist Welterkenntnis. Den Schritt ins Vertrauen kann uns keiner abnehmen. Wer prinzipiell alles bezweifelt, ist der Verzweiflung nahe. Wir können die Liebe nicht anfassen. Sie fasst uns an. Wenn wir ihr glauben. Fra' Georg Lengerke
02:10
April 28, 2019
190421 Ostersonntag: Zum Leben erschrocken Lk 24, 1-12
Ostern beginnt nicht mit einer freudigen Überraschung, sondern mit einem Todesschrecken. Das Grauen des Sterbens Jesu setzt sich in der Wegnahme seines Leibes fort. Auch noch die Todesverlässlichkeit wird infrage gestellt. Solche Erschütterung tut not, wenn die Osterfreude in uns wahr werden soll. Wir müssen erschüttert werden in unserer Angst vor dem Sterben, um der Liebe willen, die den Tod besiegt. Wir müssen erschüttert werden im Glauben an die Welt als geschlossenem System und an die menschliche Allmacht, die weder retten noch unsterblich machen kann. Wir müssen erschüttert werden in unseren falschen Vorstellungen von Gott und vom Menschen. Wir müssen erschüttert werden, wo wir die Fassade für die ganze Kirche oder die ganze Kirche für Fassade, wo wir Trotz für Treue oder Treue für Trotz halten. Die Kirche und viele von Euch werden in dieser Zeit immer wieder erschüttert. Und es ist wahr, dass die Osterbotschaft erschüttert. Aber nicht jede Erschütterung ist Osterbotschaft. Auf Pfingsten zu können wir lernen, das Erschrecken des Feindes zum Tod vom Erschrecken Gottes zum Leben zu unterscheiden. Und wenn der Osterschreck zur Osterfreude und die Osterfreude in unserem Leben mächtig wird, dann werden wir den auferstandenen Herrn froh und furchtlos bitten: Herr, erschrick uns zum Leben, damit wir österliche Menschen werden. Amen Fra' Georg Lengerke
02:02
April 21, 2019
190420 Karwoche Karsamstag: Steh auf in mir
Du Auferstandener bist hinabgestiegen in den Tod und zu allen, die er in sich begraben hat. Steig auch in mir hinab bis in alles, was in mir tot ist, und zu allem, was auf Dein Leben wartet und Dein Licht. Du bist wahrhaft auferstanden aus dem Grab und führst die Toten ins Leben, die Verdunkelten ins Licht und die Sünder in die Versöhnung des Vaters. Steh auch auf in mir, aus meinen Gräbern, und hebe, was in mir tot ist, ins Leben, mein Unansehnliches in den liebenden Blick und meine Schuld in die wartenden Arme des Vaters. Amen. Fra' Georg Lengerke
01:01
April 20, 2019
190419 Karwoche Karfreitag: Anteilnahme, Joh 18,1-19,42
„Mami, ich will den Mann nicht sehen!“ sagte mein vierjähriger Neffe schluchzend angesichts des Kreuzes überm Gästebett. So geht es mir auch, wenn ich ihn ernstnehme. Und drei Mal heißt es heute in den Lesungen: „Sieh hin!“. 1. „Siehe, der Mensch!“, sagt Ponitus Pilatus über den gegeißelten Jesus (Joh 19,5). Das ist der leidende, geschundene, entwürdigte Mensch. So geht ihr miteinander um, mit Euch selbst und mit Gott. Und so stünde es um Euch, wenn alles auf Euch 1:1 zurückfiele, was ihr „Gutes unterlassen und Böses getan“ habt. 2. „Siehe, mein Knecht!“, lässt Jesaja Gott über den leidenden Gottesknecht sagen (Jes 52,13). Der verbindet sich in Gottes Namen so mit den Leidenden und den Sündern, dass er an ihre Stelle tritt: „Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen.“ (Jes 53,4.5) Siehe, sagt der Prophet, so ist Gott als Mensch! 3. „Siehe, das Holz des Kreuzes!“, wird bei der der Kreuzenthüllung gesungen. Hier ist der Ort, bis wohin der Mensch sich verlieren kann. Hier ist der Ort, an den Gott der Sohn auf der Suche nach dem Menschen geht, um ihn zu finden. Gestern hat er uns Anteil an seiner Liebe und an seinem Leib gegeben. Heute nimmt er Anteil an unserem Leib und Leben bis in den Tod, damit wir ihm Anteil geben und mit ihm zum Vater und ins wirkliche Leben finden. Sehen wir hin! Fra' Georg Lengerke
01:56
April 19, 2019
190418 Karwoche Gründonnerstag: Anteilgabe, Joh 13,1-15
Der letzte Satz des heutigen Evangeliums lässt Christen in der Regel in die Moralisierungsfalle tappen: Weil er den Jüngern die Füße gewaschen habe, sagt Jesus, sollen auch sie einander die Füße waschen. In dieser Haltung sollen wir einander und der Welt begegnen. Wetten, dass darüber heute Abend tausendfach gepredigt wird? Davon handelt der Rest des Textes aber gar nicht. Der handelt davon, dass sich die Jünger die Füße waschen lassen sollen. Für die meisten Menschen ist Füßewaschen viel leichter, als sich die Füße waschen zu lassen. Das ist aber das Entscheidende: dass die Jünger zulassen, dass Jesus ihnen den niedrigsten Dienst tut und an den buchstäblich letzten Dreck ihres Lebens rührt, von dem sie sich selbst nicht befreien können. Als Petrus sich verweigert, sagt Jesus ihm, wozu das ganze gut sein soll: „Wenn ich Dich nicht wasche, hast Du keinen Anteil an mir.“ Es geht um seine Anteilgabe und unsere Anteilnahme an der Liebe und am leiblichen Leben Jesu. Deshalb gehören Fußwaschung und Eucharistie zusammen. In der Fußwaschung bekommen wir Anteil an seiner Liebe zu uns und den Anderen. In der Eucharistie bekommen wir Anteil an seinem Leib und Leben, weil wir leiblich mit ihm verbunden lieben sollen. Davon handelt das ganze Leben Jesu und der Kirche und unser ganzer Glaube: dass wir schon hier Anteil am Leben Gottes und an seiner leiblichen Liebe zur Welt bekommen. Fra' Georg Lengerke
01:58
April 18, 2019
190417 Karwoche Mittwoch Verrat mit Ansage II, Mt 26,14-25
Es gibt zwei Weisen, sich vor dem Apostel Judas Iskariot in Sicherheit zu bringen: seine Dämonisierung und seine Idealisierung. Dämonisiert wird er als willenlose Inkarnation des Teufels. Das belege bspw. die gestrige Bemerkung, der Satan sei in ihn gefahren (Joh 13,27). Aber Judas war nicht zum Bösen verdammt. So etwas tut die Liebe Gottes nicht. Ungeachtet seiner Schwächen war er „einer der Zwölf“ (Mt 26,14), erwählt, berufen und mit Vollmacht gesandt – bis er sich selbst der Dynamik des widergöttlich Bösen überließ. Idealisiert wird er als auserwähltes Instrument Gottes, das Jesus die Gelegenheit gibt, sich entweder als machtvoller Messias im Sieg über seine Peiniger oder als der zu erweisen, der durch seinen Tod die Welt erlöst. Judas als Mitwirker der Erlösung – weil angeblich auch das augenscheinlich Böse eigentlich immer dem göttlich Guten diene. Wer sich so vor Judas in Sicherheit bringt, verkennt die schreckliche Möglichkeit des Judas in sich selbst. Als Jesus sagt: „Einer von Euch wird mich überliefern“, fragen die Jünger nacheinander: „Bin ich‘s?“ In der Matthäuspassion von J. S. Bach folgt auf diese Frage (in manchen Aufführungen praktisch ohne Pause) der Choral: „Ich bin‘s, ich sollte büßen …“ Erst, wenn wir uns der Möglichkeit des Judas in uns stellen und jener Momente, wo wir sie bereits verwirklicht haben, können wir uns bis auf den Grund unserer Gedanken, unserer Motive und unseres Herzens lieben lassen – und so wahrhaft Liebende werden. Petrus hat uns das vorgemacht. Fra' Georg Lengerke
02:05
April 17, 2019
190416 Karwoche Dienstag Verrat mit Ansage I, Joh 13,21-33.36-38
Die Tage vor Ostern sind einerseits von einer großen Intimität geprägt: die Abschiedsworte Jesu, die Fußwaschung, das Abendmahl. Andererseits deuten sich schreckliche Brüche an, bis uns berichtet wird: dass alle Jünger Jesus verlassen (Mt 26,56). Alle. Heute ist zweimal vom Verrat die Rede: vom Verrat des Judas und dem Verrat Petri. Von Judas wird morgen die Rede sein. Heute geht es um Petrus. Petrus brennt für Jesus. Oder vielleicht müsste man genauer sagen: Er brennt für seine Vorstellung von Jesus. Er will ihm nicht nur folgen. Er will ihm vorangehen. Sein Leben für ihn geben. Für ihn sterben. Am Vorabend von Ostern ist die Geschichte an eine unüberwindliche Grenze gekommen. Auch für die Jünger ist die Nacht gekommen, „in der niemand mehr wirken kann“. (Joh 9,4) Die Geschichte geht andersherum als Petrus sie sich denkt: Nicht wir sterben für die Liebe. Zuerst stirbt die Liebe für uns. Und siegt, weil sie auch im Brennglas des Hasses die Liebe bleibt. Dies sind die Tage, in denen wir darum bitten sollten, dass unsere Liebe echt wird. Die Jünger werden Liebende in dem Maß, in dem ihre falschen Vorstellungen von Gott, von ihren Nächsten und von sich selbst im besten Sinne „enttäuscht“ werden. Wenig später wird Petrus den Herrn verleugnen und sagen: „Ich kenne diesen Menschen nicht.“ (Mk 14,71) Bis Ostern hatte er damit vermutlich recht. Fra' Georg Lengerke
02:03
April 16, 2019
190414 6. Fastenwoche Palmsonntag Die Steine schreien Lk 19,28-40
Die Liturgie des Palmsonntages ist die spannungsreichste des Kirchenjahres. Sie beginnt mit dem Evangelium des Einzuges nach Jerusalem, auf dem Jesus das messianische „Gesegnet, der kommt im Namen des Herrn!“ (Ps 118) entgegengerufen wird. Später wird die Passion gelesen, in der das Volk den Tod Jesu fordert: „Ans Kreuz mit ihm!“ (Lk 23,21) Die Masse ist leicht verführbar, wetterwendisch und jeweils begeistert vom letzten Schrei und vom größten Schreihals. Heute wird das Eingangsevangelium nach Lukas (19,28-40) gelesen. Die Jünger rufen das „Hosanna!“ und die Pharisäer sagen Jesus, er solle seine Jünger zum Schweigen bringen. Er antwortet: „Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien.“  Das ist ein apokalyptisches Wort. Als wollte er sagen: Der Sohn Gottes ist unwiderruflich in der Welt. Ihr werdet den Ruf niemals zum Verstummen bringen. Wenn diese nicht schreien, werden es die Steine tun. Die Steine des zerstörten Tempels werden schreien, die Steine der Katakomben und Krypten, der Basiliken und Dome, der Kathedralen und Kapellen, der Klöster und Dorfkirchen werden schreien, dass Gott in die Welt, der Gesalbte Gottes in sein Heiligtum und der gekreuzigte Auferstandene in die Gottesfinsternis gekommen ist. Und wenn irgendwann schlimmstenfalls selbst die Christen und die Hirten unserer Tage schweigen – werden die Steine schreien. Wird jemand da sein, der sie hört?
01:58
April 14, 2019
190413 BDZ 5. Fastenwoche Sa Der unfreiwillige Prophet Joh 11,45-53
Der Hohe Rat beschließt die Tötung Jesu von Nazareth. Der Mann bringt immer mehr Menschen hinter sich und wird politisch zur Gefahr. Wenn das so weiter geht, werden die Römer eingreifen und dem Volk die relative Eigenständigkeit und das Zentralheiligtum der Juden in aller Welt nehmen. Das darf nicht passieren. Aus solchen politischen Überlegungen schließt der Hohepriester Kajaphas: Besser einer stirbt an der Stelle aller, als dass alle wegen des einen zugrunde gehen. Er argumentiert politisch, aber der Evangelist sagt, er rede unwissentlich prophetisch: Dieser Eine lässt sich die Sünde der Welt selbst antun, mitsamt ihrer Folgen für die Täter wie für die Opfer. An seinem Erbarmen verausgabt das Böse sich tödlich. Und so sammelt er sein Volk: die Kirche aus Juden und Heiden. Das politische Kalkül ist eine Versuchung des Volkes Gottes bis heute: Besser die Rede von Jesus Christus und seiner Wiederkunft und der Ruf in seine Nachfolge stirbt, als dass der Kirche ihr politischer Einfluss, ihre Sozialkonzerne und ihre materiellen Möglichkeiten genommen werden. Jesus lässt sich nicht aus der Welt werfen – er lebt und bleibt, auch noch als Verworfener. Und dort, wo er verworfen wird, führt er sein Volk neu zusammen. Wenn die Kirche mehr Arbeitnehmer als Mitbeter hat, werden wir merken, was wir mir Ihm angestellt haben. Und dann gnade uns Gott. Fra' Georg Lengerke
02:03
April 13, 2019
190412 BDZ 5. Fastenwoche Fr Wenn schon, denn schon Joh 10,31-42
Jesus entgeht mehrmals nur knapp der Steinigung. Aber „seine Stunde ist noch nicht gekommen“ (Joh 8,20). Der große Zusammenstoß wird sich erst am Paschafest in Jerusalem ereignen. Jesus wird Gotteslästerung vorgeworfen, da er sich in den Augen seiner Ankläger „zu Gott macht“. Er widerspricht mit Verweis auf seine Werke (die die Werke Gottes sind) und mit einem Schriftzitat, in dem der Psalm Gott sagen lässt: „Ich habe gesagt: Ihr seid Götter.“ (Ps 82,6) Die Exegeten streiten darüber, ob hier 1. himmlische Mächte gemeint sind, die von Gott entthront werden, oder 2. Menschen, die als Götter angesprochen werden, also „Gottessöhne“ im übertragenen Sinne sind. Jesus versteht es im zweiten Sinn und verwendet das rabbinische Argument vom Kleineren zum Größeren (a minori ad maius): Wenn Gott schon von den Hörern des Wortes Gottes sagt, dass sie Gottes Söhne sind, wie könnt Ihr dann dem Gesandten Gottes (der offensichtlich Gottes Werke tut) ein solches Attribut absprechen? Wir sollten uns das Argument auch umgekehrt vom Größeren zum Kleineren (a maiore ad minus) zueigen machen, wenn es um die Würde des Menschen geht. Gott der Sohn wird selbst ein Mensch, damit der Mensch seine und seines Nächsten göttliche Würde wiederentdeckt. Die Sohnschaft Jesu Christi verteidigen heißt zugleich, die göttliche Würde des Menschen zu verteidigen – besonders der Kleinsten. Fra' Georg Lengerke
01:52
April 12, 2019
190411 BDZ 5. Fastenwoche Do Ehe Abraham wurde Joh 8,51-59
„Amen, Amen, ich sage euch. Noch ehe Abraham wurde, bin Ich.“ (Joh 8,58) Du bist das Wort, durch das die Welt wurde, die Erde, das All und die Sterne. Dich sah der Vater, als der den Menschen erschuf und ihm Geist und Lebensatem gab. Dich sah Abraham, als er den Einen Gott erkannte, und sich freute auf Dein Kommen in die Welt. Und ehe Abraham wurde, bist DU. Du bist das Lamm, dessen Blut die Rache vernichtet, und der Fels, der mit dem Volk durch die Wüste zog. Du bist der, von dem die Propheten sprachen, und der werbende Bräutigam in ihnen allen. Und noch ehe ein einziger die Stimme erhob, bist DU. Du bist Mensch geworden, als ein Mädchen Ja sagte zu Deinem Kommen in die Welt. In allem uns gleich, hast Du uns den Vater gezeigt und den Menschen, wie der Vater ihn wollte. Du hast den Feind vernichtet und den Tod durchliebt. Denn ehe der Tod wurde, bist DU. Du warst zugegen, als ich wurde, und als ich mich nach Dir sehnte, hast Du mich verlockt. Du bist für mich da im Dasein meiner Nächsten, und in ihren Herzen erwartest Du meine Antwort. Du gehst mit der Welt, die vergeht, nach Hause, und kommst uns entgegen in Herrlichkeit. Denn das Heim unseres Wehs und das Ziel aller Wege bist DU.
04:17
April 11, 2019
190410 5. Fastenwoche Mi Die Wahrheit befreit Joh 8,31-42
Denen, die zum Glauben an ihn kamen (vgl. BDZ von gestern) sagt Jesus, sie sollten „in seinem Wort bleiben“: „Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird Euch befreien.“ (Joh 8,32) Sein Wort sagt uns, „wer und wie Gott ist, und wie Gott sich den Menschen denkt“ (H. Spaemann); wohin es mit uns gekommen ist und wie wir den Weg aus der Entfremdung in die Freiheit finden. Es gibt Menschen, die mit einer grauenhaften Karikatur von Gott aufgewachsen sind. Und viele behaupten, diese Karikatur von Gott sei das von der Kirche vermittelte Bild von ihm: Alle Aussagen über Gott seien Manipulationen, um Macht über die Menschen zu gewinnen. Die Rede von der „Sünde“ sei der Zaun, um sie in solcher Abhängigkeit zu halten. In Wirklichkeit sei die „Sünde“, also die Trennung von einem solchen Gottesbild, nicht etwa Sklaverei (so Joh 8,34), sondern im Gegenteil der Weg in die Freiheit. Es brauche befreiende Gottesbilder. Ein Gottesbild sei dann wahr, wenn es in die Freiheit von kirchlicher Bevormundung führt. Nicht die (beanspruchte) Wahrheit macht frei, sondern die Freiheit (von solchem Anspruch) macht wahr. Es braucht Christen, die mit ihrem Leben jenes Bild vom wahren Gott und wahren Menschen ans Licht bringen, von dem sie glauben, dass Gott selbst es uns in Jesus Christus gegeben hat. Wo wir den Blick auf ihn und seinen Blick auf den Menschen nicht verstellen, sondern freigeben, dort wird der Mensch frei.
02:04
April 10, 2019
190409 Über den Graben glauben Joh 8,21-30
Mitten im Streit zwischen Jesus und den Juden heißt es plötzlich: „Als Jesus das sagte, kamen viele zum Glauben an ihn.“ (Joh 8,30) Das überrascht angesichts des unversöhnlichen Grabens zwischen ihm und den Zuhörern: „Ihr stammt von unten, ich stamme von oben; ihr seid aus dieser Welt, ich bin nicht aus dieser Welt. […] Ihr werdet in Eurer Sünde sterben; [und] wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.“ (Joh 8,23.21) Was heißt „zum Glauben kommen“? In diesem Fall heißt es beides: Sie glauben ihm, und sie glauben an ihn. Andere haben eine Botschaft. Jesus Christus ist die Botschaft, die er verkündet. Jesus ist, was er sagt. Dabei ist er aber nicht einfach nur „authentisch“. Authentisch ist auch, wer die Sau rauslässt, die in ihm ist. Manche Authentizität ist gut verzichtbar. Jesus ist wahr und gut, weil er unverfälscht das ist, was er von Gottvater her ist. Er ist, was er sagt, und er sagt, was er vom Vater hört, und er tut, was er den Vater tun sieht. (vgl. Joh 5,19) Glauben heißt annehmen, dass der, der so anders ist, auf unsere Seite des Grabens kommt und auf unserer Seite umkommt, damit wir ihn erkennen: „Wenn ihr den Menschensohn [am Kreuz] erhöht habt, dann werdet ihr erkennen, dass Ich es bin.“ Glaube ist nicht unser Seitenwechsel zu ihm, es ist zuerst die Annahme seines Seitenwechsels zu uns – damit wir immer mehr die Seinen werden. Fra' Georg Lengerke
02:06
April 8, 2019
190407 In der Mitte Joh 8,1-11
Je bekannter die Schriftstellen, umso leichter werden sie zum harmlosen Klischee. Das Klischee: ein Kreis von verhärteten Männern mit Steinen in der Hand, die die wehrlose Frau in der Mitte töten und bei der Gelegenheit Jesus als Gotteslästerer überführen wollen. Aber die Frau in der Mitte ist kein Opfer, sie ist Täterin. Es könnte dort auch eine Mörderin oder ein Kinderschänder stehen. Sie steht in der Mitte der Anklage, der ans Licht gekommenen Tat. Dort wo sie steht, muss sie sich stellen. Den Anklägern geht es mit dem Gesetz des Mose darum, das Böse aus ihrer Mitte zu entfernen (Dtn 22,24). Aber die Sünde der Frau verstellt ihren Blick auf die Ihre. „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Sie sitzen im selben Boot. Der Lügner unterscheidet sich vom Kinderschänder erheblich, aber eben doch auch nur graduell. Als sie alle gegangen sind, steht die Frau noch immer „in der Mitte“. Was für eine Mitte ist das, wenn keiner mehr um sie steht? Es ist die Mitte der Aufmerksamkeit Jesu. Die Mitte des Erbarmens. Die Mitte der Anklage (auch der des Gewissens) wird vor ihm zur Mitte der Vergebung. Später wird er selbst „in der Mitte“ zwischen zwei Mördern sterben (Joh 19,18). Er selbst geht „in die Mitte“, um den Ort der Anklage und der Schande zu einem Ort des Erbarmens zu machen. Wären die Ankläger doch nicht weggegangen! Hätten sie sich zu der Frau in der Mitte gestellt, hätten sie mit ihr neu beginnen können. Fra' Georg Lengerke
02:01
April 7, 2019
190406 4. Fastenwoche Sa Worum der Streit lohnt Joh 7,40-53
In den Evangelien gibt es vereinfacht zwei Ebenen der Auseinandersetzung. Die Auseinandersetzung mit Jesus und die Auseinandersetzung um Jesus.  Wir sind oft mit beidem zu schnell fertig: Entweder, weil wir in der Auseinandersetzung mit Jesus immer schon auf seiner Seite sind und genau wissen, wer heute die Pharisäer und die Schriftgelehrten sind. Um Jesu Wort zu verstehen, ist es wichtig, uns etwas selbstkritischer mit denen zu identifizieren, mit denen sich Jesus auseinandersetzt.  Ähnliches gilt für die Auseinandersetzung um Jesus, von der im heutigen Evangelium die Rede ist. Uns mag es lächerlich vorkommen, wenn die Menschen z.B. darum streiten, ob er „der Prophet“ oder „der Christus“ oder keines von beidem ist und was seine Herkunft damit zu tun hat. Aber mal ehrlich: Worum geht es uns in den heutigen Spaltungen und Lagern der Kirche, die zum Teil gar nicht mehr miteinander kommunizieren?  Wir wären weiter, wenn wir um das stritten, worauf es zuerst ankommt: nämlich wer Jesus Christus für uns ist und wer wir und unsere Nächsten für ihn sind; wie er für uns da ist, zu uns spricht und an uns handelt; wie er seine Kirche will und in ihr bezeugt werden möchte; und was es bedeutet, ihm nachzufolgen und mit ihm die Menschen zu lieben.  Wenn wir darum mit Anstand stritten, dann würden uns die Menschen auch glauben, dass es uns nicht nur um uns selbst geht.
01:58
April 6, 2019
190405 4. Fastenwoche Gott kennen Joh 7,1-2.10.25-30
Kann man Gott „kennen“? Jedenfalls nicht so, wie wir einander kennen. Gott übersteigt alles menschliche Erkennenkönnen. „Keiner hat Gott je gesehen“ (Joh 1,18). Deshalb ist die Versuchung groß, sich Bilder von Gott zu machen. Das ist verboten, weil die ihn immer unendlich viel kleiner machen als er ist. Stattdessen gibt Gott selbst uns ein Bild von sich. Nicht eine Abbildung eines Abwesenden, sondern eine Versichtbarung des Unsichtbaren. Eine solche sind zunächst Adam und Eva füreinander. Nach dem Sündenfall will der Mensch lieber sich selbst als Gott sichtbar machen. Seitdem ist diese Sichtbarkeit schwer beschädigt. Dann betritt Gott selbst als Mensch die Weltbühne. Jesus ist in Person die Sichtbarkeit des unsichtbaren Gottes. Und Jesus kann man kennen. Das ist ein Problem und eine Chance. Ein Problem, weil jene, die ihn kennen, meinen, sie wüssten Bescheid über „des Zimmermanns Sohn“. Sie kennen sein Menschsein und verkennen sein Gottsein. Gerade weil man ihn kennt, kann er nicht der Messias sein: „Wenn der Messias kommt, weiß niemand woher er stammt.“ (Joh 7,27).  Eine Chance, weil wir so wirklich Gott als Mensch kennen. Wir kennen Jesus Christus durch den Umgang mit ihm und durch die Zeugen, die Evangelisten und die Apostel und ihre Nachfolger bis heute, die Heiligen und die kleinen und großen Zeugen unserer Tage. Das ist kein Umweg, sondern die Weise, wie Gott sich in Christus uns bekannt machen will. Und je mehr Freunde Christi wir kennen, umso besser kennen wir ihn selbst. Und je besser wir ihn kennen, umso eher macht er sich anderen Menschen bekannt durch uns.
02:17
April 5, 2019
190404 4. Fastenwoche Zeitweilig fröhlich Joh 5,31-47
Immer, wenn wie heute im Evangelium vom „Zeugnis“ die Rede ist, geht es um beides: dass wir Zeugen werden und dass wir das Zeugnis anderer annehmen sollen. Ersteres hat – je nach Mut und Gefahrenlage – oft etwas von Bevollmächtigung und Aufbruch. Zweiteres ist eher brenzlig, bedeutet Veränderung und geht im Evangelium häufig schief (so bei den Bescheidwissern, den Verhärteten oder den Indifferenten). Jesus wirft seinen Zuhörern vor, das Zeugnis Johannes des Täufers nicht ernst genommen zu haben: „Ihr wolltet Euch eine Zeit lang an seinem Licht erfreuen.“ (Joh 5,35) Das ist ein schwerer Vorwurf: Ihr habt aus einer prophetischen Mahnung einen geistlichen Genuss gemacht und aus einem Lebenszeugnis bis zum Tod einen vorübergehend erhebenden und erfreulichen, aber letztlich folgenlosen spirituellen Event. Wir sollten Acht geben, dass wir der Gefühligkeit und Effekthascherei der geistlichen Blender und Schönredner nicht auf den Leim gehen. Stattdessen sollten wir Ausschau halten nach den wenigen Zeugen und Propheten oder den kleinen Helden des Alltags, die nicht gefallen wollen, sondern uns das Lebenszeugnis einer befreienden Umkehr zur Freundschaft Jesu Christi zumuten.  Manchmal müssen wir erst eine Weile zuhören und eine Strecke mitgehen, um zu erkennen und uns zu freuen, dass wir auf dem Weg in die Freiheit der Kinder Gottes sind.
01:55
April 4, 2019
190403 4. Fastenwoche Du bist am Werk Joh 5,17-30
Die Reden Jesu im Johannesevangelium lassen mir manchmal den Kopf schwirren. Zugleich gehören sie zu den reichsten Texten der Heiligen Schrift. Es gibt verschiedene Weisen, diesen Reichtum zu heben: Verstehenshilfen wie Kommentare oder Auslegungen, das gemeinsame Lesen, das Gespräch mit Menschen, die im Umgang mit der Heiligen Schrift geübt sind. Oder ich frage danach, welcher Satz mich besonders anspricht oder anfragt. Den merke ich mir, verweile bei ihm und betrachte seine verschiedenen Bedeutungen in den Situationen und Begegnungen dieses Tages. Oft kann ich ihn sogar konkret anwenden oder verwirklichen. Heute könnte das zum Beispiel das Wort Jesu sein: „Mein Vater ist noch immer am Werk.“ (Joh 5,17) Gott schafft nicht nur am Anfang, sondern dauernd. Ohne sein Wirken fiele alles ins Nichts. Gott ist am Werk in mir und um mich herum. Gott wirkt nicht das Böse (das machen wir schon selbst), aber er kann „aus allem, auch aus dem Bösesten Gutes entstehen lassen“ (D. Bonhoeffer), ohne damit jedoch das Böse gut zu machen. Er „verantwortet alles, was uns begegnet“ (H. Spaemann). Gott wirkt das Gute, und alle, die das Gute tun, wirken mit ihm. Auch wenn alles drunter und drüber geht – Gott ist am Werk und ich darf mit ihm am Werk sein. Und dann mache ich ein kurzes Gebet daraus, das ich wieder und wieder bete:  Du bist am Werk, Herr, jetzt und hier.  Lass mich wirken mit Dir.   Amen.
02:03
April 3, 2019
190402 4. Fastenwoche Ermächtige mich Joh 5,1-16
Im Film „Das Leben des Brian“ ärgert sich ein „Ex-Leprakranker“ über seine Heilung durch Jesus, weil sie ihn um das Mitleid und die Almosen der Menschen gebracht hat: „One minute I'm a leper with a trade, next minute my livelihood's gone.“ Auch der Gelähmte vom Teich Betesda scheint seiner Heilung nicht recht froh zu werden. „Willst Du gesund werden?“ fragt Jesus. Darauf er: „Ich habe keinen Menschen, der mich, sobald das Wasser aufwallt, in den Teich trägt. Während ich mich hinschleppe, steigt schon ein anderer vor mir hinein.“ Das heißt: Keiner hilft. Die Anderen sind schneller. Ich kann gar nicht gesund werden. Es kann sein, dass wir uns in unserer Krankheit oder Bedürftigkeit, in der Verantwortung oder dem Mitleid der Anderen und in unserer Rolle derart eingerichtet haben, dass Heilung eine Katastrophe, ja nicht weniger als die Zerstörung unseres bisherigen Lebens wäre. Jesus heilt den Gelähmten. Aber er ändert nicht die Umstände oder die Leute und er fragt nicht nach dem Glauben des Gelähmten. Weder bedient er sich einer Zeichenhandlung noch heilt er durch ein Heilungswort. Er befiehlt dem Gelähmten: „Steh auf, nimm deine Liege und geh nach Hause.“  Ermächtige mich zum Leben, Herr,  und schenke mir,  dass ich mich dem stelle, was ist, dass ich in die Hand nehme, was mir gegeben wurde, und das Lebenshaus bewohne, das Du mir gebaut hast. Amen.
01:59
April 2, 2019
190331 In sich gehen Lk 15,1-3.11-32
Noch einmal begegnet uns heute das Gleichnis vom verlorenen Sohn (vgl. BDZ vom 23. März). Nachdem der jüngere Sohn nur noch lebt, als wäre er tot (sein Leben ruiniert, außerhalb aller menschlichen Gemeinschaft, bei den Schweinen, von deren Fraß ihm keiner mehr gibt) steht da ein leicht zu übersehender Satz: „Da ging er in sich.“ (Lk 15,17) ‚In sich gehen‘ ist mehr als nur ein beschauliches Innehalten. Es bedeutet, dass ich mich mir selbst stelle, Schicht um Schicht: wo ich bin und wie ich hierher kam, wohin es mit mir gekommen ist und wie ich geworden bin, wie ich und wer ich ursprünglich war und wer ich einmal sein werde… Bis ich dahin komme, wo eine ursprüngliche Erinnerung wohnt, dass ich zu Gott gehöre. Der mich dort erinnert, ist Christus, der sich in seiner Menschwerdung mit mir verbunden und nie mehr verlassen hat. Auch in jener Todesfinsternis nicht, in der ich Gott nicht mehr finden kann, in der aber Gott mich als Gekreuzigter gefunden hat. Zum Anderen gehen und in sich gehen – das sind die beiden weitesten und mitunter beschwerlichsten Wege, die wir im Laufe unseres Lebens zu gehen haben. Beide Wege führen uns zu Christus. Ambrosius von Mailand sagt: Wer sich von sich selbst entfernt, der entfernt sich von seinem Schöpfer; und wer sich von seinem Schöpfer entfernt, der entfernt sich von sich selbst. Wer aber zu sich selbst zurückkehrt, der kehrt auch zu Gott zurück; und wer zu Gott zurückkehrt, der findet sich selbst.
02:12
March 31, 2019
190330 Wo wollen wir sitzen? Lk 18,9-14
In einer halbleeren Kirche sind die ersten Bänke oft leer. Vielleicht sitzen Kinder dort oder einige alte Frauen, die näher bei der Muttergottes oder dichter am Redner sitzen möchten, weil sie dort besser hören. Im Gleichnis Jesu ist es andersherum. Ganz vorne im Tempel steht der Pharisäer. Er rühmt sich seiner Gesetzestreue und seines Engagements. Ganz hinten kauert der Zöllner, traut sich nicht aufzuschauen und bittet Gott um Gnade. Das Gleichnis Jesu erzählt von einer Welt, in der die vorderen Plätze im Tempel die der Angesehenen sind, die ein Recht auf einen Platz in der Nähe des Heiligen beanspruchen. Hinten auf der Armesünderbank jedoch sitzen die, deren Status in der Gemeinde prekär ist. Das war bei uns vor 100 Jahren auch noch so. Aber vielerorts kehrt es sich um: Nach vorne trauen sich die Kinder, die alte Frau, die nicht mehr lange Zeit hat, solche, die etwas durcheinander fromm sind, und einige, denen es egal ist, von den anderen für Streber gehalten zu werden. Hinten sitzen mitunter dann die, die nicht für simpel, unkritisch oder bigott gehalten werden wollen und sich lieber eine gewisse Distanz zum Ganzen bewahren. Die, die entweder von ihrer Gerechtigkeit überzeugt oder auf ihre Durchschnittlichkeit ganz stolz sind und sich denken: „Danke, dass ich nicht so bin wie die Frömmler da vorne.“ Wir leben am Anfang einer Zeit, in der die „Angesehenen“ nicht mehr vorne in der Kirche gesehen werden wollen, und in der sich die Kleinen, die „Armen im Geiste“ und die nach Gottes Erbarmen Durstigen nach vorne trauen. Das sollte uns nicht traurig machen. Mir scheint, dass dieser Platztausch ein wirklich gutes Zeichen ist. Bleibt nur noch die Frage, wo wir sitzen wollen…
02:21
March 30, 2019
190329 3. Fastenwoche Fr Dich und den Nächsten Mk 12,28b-34
Die Frage nach dem wichtigsten Gebot ist zugleich die Frage danach, worauf es zuerst und vor allem ankommt. Jesus beantwortet die Frage des Schriftgelehrten mit einem Zitat aus dem Buch Deuteronomium:  „Höre Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst Du den Herrn, deinen Gott lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit deinem ganzen Denken und mit deiner ganzen Kraft. Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst. Kein anderes Gebot ist größer als diese beiden.“ (Mk 12,29-31) Schenke mir Herr, dass ich Dich liebe und groß sein lasse mit allem, was ich bin und habe, mit Herz und Seele, mit meinem Denken und meiner Kraft; schenke mir, dass ich liebe, was du gemacht hast – Deine Schöpfung um uns, und dass ich liebe, was Du getan hast – Deine Geschichte mit uns (auch wenn unsere Geschichte mit Dir oft dunkel war), schenke mir, dass ich Deine Offenbarung liebe: Dein Wort und das Wort über Dich, Dein Kommen als Mensch und Dein Leben mit uns, Deine Liebe zu uns und Deine Treue durch den Tod hindurch. Und schenke mir, Herr, dass ich liebe, was Du liebst.  Und dass ich zuerst mit Dir den Menschen liebe, der mein Nächster ist;  dass ich sehe, was Du siehst, dass mich freut, was Dich freut, dass mich schmerzt, was Dich schmerzt  und dass ich nicht aufhöre zu wollen, dass wir beide miteinander zu Dir kommen und bei Dir sind. Amen.
02:07
March 29, 2019
190328 Guten Morgen, gute Macht! Lk 11,14-23
Im Wirken Jesu erweist sich die Macht Gottes vor allem darin, dass er Macht über die bösen Mächte hat. Jesus treibt die Dämonen aus. Das ist den Menschen unheimlich: „Mit Hilfe des Anführers der Dämonen, treibt er die Dämonen aus.“ (Lk 11,15) Wenn er mächtiger ist als die bösen Mächte, so denken die Leute, dann muss er auch böser sein als sie. Wer mit der Übermacht anderer schlechte Erfahrungen gemacht hat, der hält leicht Macht an sich für etwas Schlechtes. Wer prinzipiell antiautoritär ist, ist ja nicht nur gegen missbrauchte Autorität, sondern gegen Autorität schlechthin. Wer aber gegen Autorität schlechthin ist, der misstraut auch der guten Macht. Für die Menschen, die Jesus begegnen, zeigen sich drei Alternativen: Entweder ist er Gott. Oder er ist wahnsinnig. Oder er ist böse. Gott kann er aber nicht sein, weil kein Mensch Gott ist. Wie ein Wahnsinniger wirkt er nicht – im Gegenteil: er ist die Klarheit, Eindeutigkeit und Vernunft schlechthin. Also bleibt nur eines: Er muss abgrundtief böse sein. Die Verdächtigung aller Macht trifft auch die Macht der Liebe Gottes. Sie aber ist es, die frei macht. Sie ist es, die uns Macht gibt über uns selbst. Sie ist es, die die bösen Mächte in die Schranken weist und vernichten wird. Nimm uns, Herr, die Angst vor Deiner Macht, damit wir uns ihr anvertrauen und frei werden – hier und auf ewig. Amen.
02:00
March 28, 2019
Die Liebe erfüllen, Mt 5,17-19
Schlecht informierte Christen werfen den Juden gerne vor, ihre Religion bestehe zuerst und vor allem in der Erfüllung von Gesetzesvorschriften. Abgesehen davon, dass es krankhafte Gesetzesfrömmigkeit auch unter Christen gibt, ist diese Unterstellung nicht nur töricht, sondern auch Grund für den Antijudaismus unter den Christen. Ein frommer Jude wird diesen Vorwurf empört von ich weisen. Das „Gesetz des Mose“ ist nicht ein Strafgesetzbuch oder ein gesellschaftlicher Verhaltenskodex. Es ist vielmehr die Lebensform des Volkes Gottes – mit Gott und für die Welt. Seine „Erfüllung“ ist nicht Gesetzesfrömmigkeit, sondern die Antwort auf das Wort und das Handeln Gottes auf dem Weg in die Freiheit. Ein frommer Jude hat das Gesetz Gottes lieb, weil er Gott liebhat. Deshalb will er mit Gott und von seinem Wort geformt leben. Schon Jesus musste den Vorwurf der Juden und die Erleichterung der Heiden korrigieren, er habe das Gesetz des Mose abgeschafft. Im Gegenteil, er hat das Gesetz nicht nur erfüllt, er ist auch der, auf den hin das Gesetz gemacht ist. Wo aber das Gesetz erfüllt ist, da ist es überwunden. Wenn wir Jesus Christus so liebhaben, wie der fromme Jude Gott und sein Gesetz, wenn wir das Leben des Leibes Christi mit der gleichen Leidenschaft leben, wie der fromme Jude das Leben des Volkes Gottes, dann haben wir das Gesetz erfüllt.
01:57
March 27, 2019
Franziskanische Schokolade Mt 18,21-35
Bei den Franziskanerinnen in Siessen gibt es sonntags nach der Heiligen Messe einen schönen kleinen Brauch: Die Küsterin gibt dem Zelebranten ein Tellerchen mit Schokolade. Und mit dem kann er dann den Ministrantinnen und Lektorinnen eine kleine Freude machen. Das ist nicht nur immer sehr lustig, sondern hat vor allem einen tiefen Sinn: Die Küsterin schenkt mir, gut sein zu können. So ist Gott. Mit der Vergebung schenkt er das Vergebenkönnen. Davon handelt das Gleichnis vom Gläubiger. Ein Minister schuldet seinem König ein Vermögen, dessen Rückzahlung fällig wird. Der Minister fleht um Aufschub. Stattdessen bekommt er die Schuld geschenkt. Man übersieht leicht den Dissens: Der Minister hatte gar nicht um Erlass gebeten, sondern um mehr Zeit, um sich selbst gerecht machen zu können. Bei einem solchen Betrag ein schier unmögliches Vorhaben. Er bekommt geschenkt, was er gar nicht wollte. Die Vergebung, die den König immerhin teuer zu stehen kam, hat er nicht angenommen und auch das Vergebenkönnen nicht. Stattdessen nimmt er seinen eigenen Schuldner für weit weniger in Schuldhaft. Vergebung ist kein Kinderspiel. Aber wir lernen sie wie die Sache mit der franziskanischen Schokolade. Die Vergebung meiner unbezahlbaren Schuld, die Gott teuer zu stehen kommt, erbitten, mir sagen lassen und annehmen – das ist der Weg, auf dem wir lernen werden, vergeben zu können.
01:57
March 26, 2019
190324 BetDenkzettel 3 Fastensonntag C Frohe Drohbotschaft Lk13,1-9
Die innerkirchliche Forderung, das Evangelium müsse als „Frohbotschaft statt Drohbotschaft“ verkündet werden, hat recht, wo das Evangelium gebraucht wird, um Menschen Angst zu machen und sie zu manipulieren. Unrecht hat sie, wenn damit gesagt werden soll, dass es im Evangelium keine Drohungen gäbe oder dass man die vorhandenen lieber nicht mehr zur Kenntnis nehmen solle. Je nachdem, worum es einem geht, kann das Evangelium einfach eine frohe Botschaft sein oder eine bedrohliche frohe Botschaft. Für alle Menschen, deren liebgewordenes falsches Leben vom Evangelium in Frage gestellt wird, scheint die frohe Botschaft Jesu Christi zunächst eine Drohbotschaft zu sein: für Herodes, für die ersten Jünger, für die römischen Gottkaiser, für die Zöllner und Sünder von damals bis heute … und manchmal auch für mich. In der Reaktion auf die Nachricht der Tötung der Galiläer durch Pilatus macht Jesus deutlich, dass die Sünde, das Getrenntsein von der Liebe Gottes, wirklich das Leben zerstört. Aber die vermeintlich größere Sünde der Anderen darf uns nicht dahin bringen, dass wir uns unserer eigenen prekären Lage nicht mehr bewusst sind: „Wenn ihr Euch nicht bekehrt, werdet ihr genauso umkommen.“ (Lk 13,3.5) Nicht diese Botschaft bedroht uns. Wir bedrohen uns selbst. Jesus verheißt uns das Gute schlechthin. Dazu stellt er unser liebgewordenes Böses infrage und warnt uns vor dem, was uns verschuldetermaßen droht. Uns mag das lästig sein. Aber es ist eine sehr, sehr frohe Botschaft.
02:03
March 24, 2019
Zwei verlorene Söhne
190323 BDZ 2 Fastenwoche Samstag, Zwei verlorene Söhne Lk 15,1-3.11-32 Gestern Abend verabschiede ich mich, ich müsse noch einen Gedanken zum Gleichnis vom verlorenen Sohn niederschreiben. „Damit tue ich mich schwer“, sagt ein Freund prompt, „denn dass der jüngere Sohn, der alles durchbringt, wiedereingesetzt wird als wäre nichts gewesen, das ist ungerecht. Da fühle ich mich dem braven Älteren viel näher.“ So ging es mir auch. Bis ich gemerkt habe, dass zwei Dinge nicht stimmen: 1. „als wäre nichts gewesen“ und 2. „brav“. Der Ältere irrt über den Bruder und er irrt über sich selbst. Denn der Bruder hat nicht einfach nur ein aus dem Ruder gelaufenes „dirty weekend“ hinter sich, dass leider ein buchstäbliches Vermögen gekostet hat. „Er war tot und lebt wieder“, sagt der Vater über den Jüngeren. Er hat sich vernichtet, verkauft, hat seine Sohnschaft umgebracht, so dass er sich jetzt nur noch als Knecht zurückzukommen traut. Er ging den Weg, den Jesus ihm nachgeht, damit er in der Auferstehung nach Hause findet. Und der Ältere muss sich an sein wahres Erbe erinnern lassen: „Alles, was mein ist, ist dein“, sagt der Vater zu ihm (ähnlich wie Jesus über sich und Gottvater, Joh 17,10). Mit „alles“ ist aber nicht nur das Gut, sondern auch die Güte gemeint; nicht nur das Haus, sondern auch der Bruder, nicht nur die Gerechtigkeit, sondern auch die Barmherzigkeit. Am Ende bleibt der Ältere draußen. Ob er hineingeht und wirklich wieder Erbe des Vaters wird? Und wie müsste die Kirche sein, dass in ihr auch die Verworfensten wieder nach Hause und in die Kindschaft und zu ihren Geschwistern vor Gott finden?
02:11
March 23, 2019
Der verwahrloste Weinberg
Mt 21,33-45.45-46
02:01
March 22, 2019
Selektive Wahrnehmung
Mt 20.17-28
02:09
March 20, 2019
Der liebende Blick
Mt 1,16.18-21.24a
01:57
March 19, 2019
Hinter der Szene
Lk 9,28b-36
01:48
March 17, 2019
Geliebter Feind
Mt 5,43-48
01:52
March 16, 2019
Wo das Böse beginnt
Mt 5,20-26
01:52
March 15, 2019
Bitten Suchen Anklopfen
Mt 7,7-12
01:47
March 14, 2019
Zeugnis vor Wunder
Lk 11, 29-32
01:53
March 13, 2019
Heidengeplapper
Mt 6,7-15
01:39
March 12, 2019
Entscheidung in der Wüste
Lk 4,1-13
01:49
March 10, 2019
Wie könnt ihr?
Lk 5,27-32
01:55
March 9, 2019
Warum fasten?
Mt 9,14-15
01:54
March 8, 2019
Sein Kreuz tragen
Lk 9, 22-25
02:01
March 7, 2019
Was vor Gott gilt
Mt 6,1-6.16-18
02:23
March 6, 2019
Alles verlassen?
 
02:28
March 5, 2019
Unser Augenbalken
02:26
March 3, 2019
Kindlich statt kindisch
02:04
March 2, 2019
Darf der Mann?
02:09
March 1, 2019
Besser oder schlimmer?
02:25
February 28, 2019
Für oder gegen?
02:02
February 27, 2019
Kinderherz versteht Kreuz
01:55
February 26, 2019
Geliebter Feind
01:58
February 24, 2019
Glauben erbitten
02:08
February 23, 2019
Was sagt ihr?
02:06
February 22, 2019
Sich bekennen
01:33
February 21, 2019
Halbblind gehen
01:57
February 20, 2019
190219 Versteht Ihr nicht?
Betdenkzettel
01:42
February 19, 2019
190217 Selig und Wehe
BetDenkzettel
01:50
February 17, 2019
190216 Hungrig nach Hause?
BetDenkzettel
01:54
February 16, 2019
190215 Effata
BetDenkzettel 
01:48
February 15, 2019
190214 Ansichtssache
BetDenkzettel 
01:24
February 14, 2019
190213 Mittel und Zweck
BetDenkzettel
01:53
February 13, 2019
190212 Zu Herzen nehmen
BetDenkzettel
02:06
February 12, 2019
190210 Angst vor Gott
BetDenkzettel
02:29
February 10, 2019
190209 Mit ihm allein
BetDenkzettel
01:50
February 9, 2019
190208 Das Gesicht verlieren
BetDenkzettel
01:45
February 8, 2019
190207 Gegebene Vollmacht
BetDenkzettel
02:18
February 7, 2019
190206 Jünger machen?
BetDenkzettel
01:54
February 6, 2019
190205 Sich vor stellen
BetDenkzettel
02:06
February 5, 2019
190203 Die Liebe entbläht
BetDenkzettel
01:51
February 3, 2019
190201 Machwerk und Frucht
BetDenkzettel
01:48
February 1, 2019
190131 Beschenkbar werden
BetDenkzettel
02:14
January 31, 2019
190130 Das erstickte Wort
BetDenkzettel
01:55
January 30, 2019
190129 Drei Verwandtschaften
BetDenkzettel
01:51
January 29, 2019
190127 Was sich erfüllt
BetDenkzettel
01:46
January 27, 2019
190125 Ich bin Jesus
BetDenkzettel
02:11
January 25, 2019
190124 Ich nenne Euch Freunde
BetDenkzettel
02:33
January 24, 2019
190123 Mein verstocktes Herz
BetDenkzettel
01:26
January 23, 2019
190122 Wer ist für was da?
BetDenkzettel
02:01
January 22, 2019
190120 Keinen Wein mehr
BetDenkzettel
01:51
January 20, 2019
190119 Wir Pharisäer
BetDenkzettel
01:56
January 19, 2019
190118 Herabgelassen werden
BetDenkzettel
01:35
January 18, 2019
190117 Sag niemandem etwas!
BetDenkzettel
01:56
January 17, 2019
190116 Wozu gesund?
BetDenkzettel
01:36
January 16, 2019
190115 Ich weiß, wer du bist
BetDenkzettel
01:29
January 15, 2019
190114 Menschenfischer
Betdenkzettel
01:31
January 14, 2019
190113 Taufe mit Geist und Feuer
BetDenkzettel
01:40
January 13, 2019
190112 Der Trauzeuge der Welt
BetDenkzettel
01:26
January 12, 2019
190111 Wenn du willst
BetDenkzettel
01:22
January 11, 2019
190110 Erfüllte Verheißung
Betdenkzettel
01:27
January 10, 2019
190109 Verwechslung
Betdenkzettel
01:31
January 9, 2019
190107 Kehrt um!
BetDenkzettel
01:25
January 7, 2019
190106 Epiphanie
BetDenkzettel
00:58
January 6, 2019
190105 Aus Nazareth?
BetDenkzettel
00:59
January 5, 2019
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