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Psychologie für den Alltag

Psychologie für den Alltag

By Dr. med. Luciano Berti
Hallo hier spricht Dr. Luciano Berti. Ich habe Psychologie und Medizin studiert, bin Facharzt für Psychosomatische Medizin und möchte Ihnen in diesem Podcast einzelne Artikel aus den vier von mir veröffentlichen Büchern ‚Psychologie für den Alltag‘ (Band 1-4) vortragen. In diesen Büchern geht es mir darum, eine Fülle von wertvollen Informationen und Anregungen zu vermitteln, die sowohl tiefgründig als auch zugleich alltagstauglich sind. Vielleicht gelingt es dem ein oder anderen dadurch, sein individuelles 'Sternenzelt' neu zu ordnen.
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Psychologie für den Alltag - Unser Verhältnis zum Tod

Psychologie für den Alltag

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Psychologie für den Alltag - Die Kunst der Medizin heute
Wie könnte oder sollte ein Gesundheitssystem, das in den wirtschaftlichen Kreislauf der Gewinnmaximierung eingebunden ist, fürsorglich im Interesse des Patienten agieren? Wie lässt sich Fürsorge mit Profitstreben in Einklang bringen? Diesem Wiederspruch sehen sich viele in der Klinik tätige Ärzte ausgesetzt, wenn sie aus fürsorglichen Erwägungen einen Patienten noch in der Klinik belassen möchten, ihn jedoch aus ökonomischen Überlegungen entlassen müssen, um einen neuen Patienten aufzunehmen, mit dem sich die zu erwirtschaftenden Zahlen anheben lassen. In der Behandlung von ärztlichen Kollegen in meiner psychotherapeutischen Praxis ist dies ein häufig angesprochener persönlicher Konflikt, nicht selten verbunden mit der Frage, ob ein Verbleiben in der jeweiligen Klink mit der eigenen ärztlichen Ethik noch vereinbar ist. Es scheint in unserem Bewusstsein nicht wirklich präsent zu sein, dass hinter allem, was wir in einer Klinik oder ärztlichen Praxis an Gegenständlichem antreffen können, eine Firma, ein Unternehmen bzw. eine Aktiengesellschaft steht, deren primäres Interesse nicht der Versorgung von Menschen gilt, sondern dem Erwirtschaften von Gewinn.
16:44
December 6, 2021
Psychologie für den Alltag - Worte, Bilder, Analogien
Worte, zumal wenn sie sich der Metaphern bzw. Bilder bedienen, beeinflussen unsere Wahrnehmung und unsere Überzeugungen wie auch unser Denken und Handeln und damit unser gesamtes Leben. Die Sprachforschung hat belegt, dass Worte, die sich über unsere Muttersprache vermitteln, unser Denken und Handeln bestimmen. So sehr Worte beflügeln und froh, heiter und glücklich machen können, so sehr sind sie dazu in der Lage, uns zu verletzen, kränken, traurig und niedergeschlagen zu machen. In den meisten Fällen ist uns die Wirkkraft der Worte nicht wirklich bewusst. Dieses Umstandes bedient sich vor allem die Werbung. So haben Untersuchungen belegt, dass allein die Beschreibung eines Lebensmittels bereits das Geschmackserlebnis beeinflussen kann. Hier gibt es – wie in anderen Bereichen unseres Alltags – sogenannte Schlüsselworte, die dazu angetan sind, bestimmte Assoziationen auszulösen. So z. B. die Bezeichnung im Zusammenhang mit einem Lebensmittel, „nach dem Rezept der Großmutter“ verarbeitet.
16:18
December 2, 2021
Psychologie für den Alltag - Betroffenheit - was ist das?
Um was geht es, wenn wir von Betroffenheit sprechen? Betroffenheit in dem hier angemessenen Sinn ist ein Gefühl, welches Mitgefühl und Berührtheit zum Ausdruck bringt. Es geht insofern nicht um eine intellektuelle Dimension, sondern um das Gefühl, dass in der eigenen Seele etwas angesprochen ist. Wollen wir es auf ein Organ unseres Körpers zurückführen, können wir von der Berührung des Herzens sprechen, womit die sich einstellenden Gefühle, im übertragenen und wohl auch im eigentlichen Sinn aus dem Herz kommen. Die Fähigkeit Mitgefühl zu zeigen ist eine ganz besondere Qualität, die uns Menschen auszeichnet. Wie verschiedene Untersuchungen an Säuglingen bereits wiederholt dokumentiert haben, sind wir von Geburt an dazu in der Lage. Während in dem ersten Lebensjahr solche Empfindungen des Mitgefühls noch deutlich überwiegen, lassen sie in der danach folgenden Zeit auffällig nach. Mitgefühl ist ein Aspekt der Liebe. Wie sollten wir uns Liebe ohne die Fähigkeit zum Mitgefühl vorstellen können? Wie sollten wir einen anderen ohne Mitgefühl trösten können?
17:11
November 28, 2021
Psychologie für den Alltag - Unser Verhältnis zum Tod
Keine Frage kann uns tiefer betreffen als diejenige, welche mit unserem Tod verbunden ist. Wir können versuchen es zu verdrängen, es nicht wahrhaben wollen, es mit welchen Mitteln auch immer von uns fernhalten wollen, doch wissen wir alle, dass wir dem Tod nicht entgehen können und es damit das einzige im Leben ist, dessen wir uns ganz sicher sein können. In einem jüdischen Sprichwort heißt es: „Seitdem der Tod aufgekommen ist, ist man seines Lebens nicht mehr sicher.“ Die Gelassenheit, welche sich in der Aussage des griechischen Philosophen Epikur (341–271 v. Chr.) zum Ausdruck kommt, ist wohl das Ergebnis eines langen Prozesses der Auseinandersetzung mit der Frage des Todes und wird insofern zunächst nur wenigen eigen sein: „Mit dem Tod habe ich nichts zu schaffen. Bin ich, ist er nicht. Ist er, bin ich nicht.“ Im Verlauf meiner vielen Jahre der psychotherapeutischen Arbeit war und bin ich immer wieder auch mit Ängsten von Patienten befasst, die im Zusammenhang mit der Konfrontation mit dem Tod stehen. Betroffen sind hier vor allem Patienten, die an einer schweren körperlichen Erkrankung leiden (Krebs) bzw. Patienten, die ein lebensbedrohliches Ereignis überlebt haben (Herzinfarkt) und sich aufgrund dessen „gefühlt“ in sehr konkretem und bedrohlichem Ausmaß mit der Frage des Todes befassen müssen. In beiden Fällen ist der Auslöser somit eine ganz reale Gefahrensituation, welche mit einem möglichen – und in diesen konkreten Fällen nicht unwahrscheinlichen – Ende mit Todesfolge verbunden ist.
17:41
November 24, 2021
Psychologie für den Alltag - Der befreiende Effek des Sprechens - die Katharsis
Unsere eigene persönliche Lebenserfahrung hat uns an verschiedenen Stellen unseres Lebens selbst empfinden lassen, wie entlastend und befreiend es sein kann, sich jemandem mitzuteilen. Sorgen, Ängste, Befürchtungen, Zweifel oder auch Wut, Ärger und Enttäuschung auszusprechen, sie jemandem mitzuteilen, hat im Allgemeinen einen entlastenden Effekt. Solche Empfindungen belasten uns, wir tragen oft schwer an Ihnen. Sie bedrücken uns, körpersprachlich führen sie dazu, dass wir den Kopf hängen lassen möchten und eine eher gebeugte Haltung einnehmen, Sinnbild für die Last, die auf uns liegt. Wir kennen das Sprichwort aus dem Volksmund: „Geteiltes Leid ist halbes Leid, geteilte Freude ist doppelte Freude.“ Diese Aussage bezieht sich auf den Umstand, dass durch die Anteilnahme, wie es bereits dieses Wort zum Ausdruck bringt, ein Teil der Last von uns genommen wird, da sie im günstigen Fall von dem anderen mitgetragen wird. Hierzu bedarf es unter Umständen nur der erlebbaren Zuwendung, dem Verständnis und dem Mitgefühl. Von Seiten dieses anderen ist es sodann ein Ausdruck seiner Empathie, das heißt seiner Fähigkeit, sich einfühlen und mitzufühlen zu können. Immer wenn wir eine empathische Reaktion wahrnehmen, sie empfinden können, fühlen wir uns besser, entlastet und ein Stück weit befreit.
16:22
November 20, 2021
Psychologie für den Alltag - Was ist die beste Grundlage jeder Beziehung?
Inzwischen kann ich selbst auf viele Jahre der Arbeit mit Menschen im Rahmen der Psychotherapie und Psychoanalyse zurückblicken und sage heute aus eigenem Erleben, ja das ist vollkommen zutreffend, die Aufrichtigkeit ist die Grundlage für einen erfolgreichen Verlauf. Viele andere Antworten wären auf diese Frage möglich gewesen, wie z. B. Vertrauen, Wertschätzung, Respekt, Achtsamkeit, Empathie, Nachsicht, Verständnis, Großherzigkeit usw. Doch ist es diese eine Qualität, welche allen diesen genannten, sehr bedeutsamen Tugenden vorangeht, die Aufrichtigkeit mit welcher wir uns selbst und dem Anderen gegenübertreten. Ein feiner, aber auch bedeutender Unterschied zwischen Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit lässt sich dadurch kennzeichnen, dass Ehrlichkeit sich vor allem darauf bezieht, anderen nicht die Unwahrheit zu sagen. Aufrichtigkeit impliziert hingegen die Wahrhaftigkeit dem eigenen Selbst gegenüber. Aufrichtigkeit bedingt insofern die Fähigkeit zu sich selbst, seinen eigenen Stärken, aber auch Schwächen zu stehen und dies jedem gegenüber zu vertreten. Eine sehr schöne Umschreibung der Aufrichtigkeit stammt von François VI. de La Rochefoucauld (1613–1680), einem politisch aktiven französischen Adligen und Moralisten des 17. Jahrhunderts, indem er sie als das Sich-Öffnen des Herzens bezeichnete.
13:09
November 16, 2021
Psychologie für den Alltag - Was machen öffentliche Nachrichten mit uns?
Die Verknüpfung mit einem Gefühl bzw. Affekt ist die beste und wirkungsvollste Möglichkeit bestimmte Botschaften und Überzeugungen in einem Menschen zu verankern, so dass er in der Zukunft verlässlich darauf zurückgreifen wird. Es handelt sich hierbei um in uns angelegte frühkindliche Muster, welche ein Leben lang erhalten bleiben. Erinnern wir uns zurück an unsere Kindheit und fragen uns, welchen Ereignissen ein hoher Stellenwert in unserem Leben zukommt, dann sind es vor allem solche, welche zum Zeitpunkt ihres Entstehens mit starken emotionalen Reaktionen verbunden waren. Unter Umständen waren die damit verbundenen Gefühle so stark negativ, schmerzhaft, verletzend, beängstigend oder bedrohlich, dass wir sie aus unserem bewussten Denken und Erinnern eliminiert bzw. verdrängt oder abgespalten haben. Dennoch sind sie in uns vorhanden und bestimmen auf unmerkliche Art unbewusst unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln. Somit ist es ein selbstverständliches Vorgehen der Berichterstattung, sich dieses Mittels der affektiven Verknüpfung von Informationen und Botschaften mit entsprechenden Bildern zu bedienen.
21:46
November 12, 2021
Psychologie für den Alltag - Ist Disziplin noch zeitgemäß?
Wo auch immer wir uns in unserem Alltag befinden, im familiären Bereich, in der Freizeit oder im Bereich der Arbeit, wir sind fortlaufend konfrontiert mit den Inhalten dieses Begriffs Disziplin. Auf der Straße, im Straßenverkehr, beim Einkaufen im Einkaufszentrum, beim Sport im Freizeitbereich, beim Zusammensein mit Bekannten, Freunden oder der Familie; stets befinden wir uns in Situationen, die mit den Inhalten dieses Begriffs in Verbindung stehen. Wir können viele Eigenschaften, Fähigkeiten und Begabungen aufzählen, von denen wir aufgrund zahlreich vorliegender Unter-suchungen wissen, dass sie eine wichtige Rolle spielen für privaten und beruflichen Erfolg. Diese beziehen sich auf geistige, seelische und auch körperliche Anteile. In vielen von Ihnen finden sich sowohl genetische Anlagen als auch soziale und kulturelle Aspekte, die ihr Vorliegen begünstigen bzw. benachteiligen. Verschiedene Langzeitstudien aus den letzten Jahrzehnten, haben wiederholt auf eine Eigenschaft hingewiesen, der ein sicheres und hohes Maß an Vorhersagekraft für vielfältigen Erfolg im späteren Leben zukommt. Bei dieser Eigenschaft handelt es sich tatsächlich um die Fähigkeit zur Disziplin (i. S. einer Selbstdisziplin). Diese ist meist positiv korreliert mit den damit verbundenen Eigenschaften – der Entschiedenheit und Ausdauer.
17:06
November 7, 2021
Psychologie für den Alltag - Therapeutische Ich-Spaltung - was ist das?
Introspektion im alltäglichen Ablauf ist stets mit einer zeitlich erkennbaren Zäsur verbunden. Das ist jedoch im Rahmen einer alltäglichen und allgegenwärtigen Bereitschaft zum inneren Dialog, im Sinne der therapeutischen Ich–Spaltung, nicht notwendig, denn diese kann jederzeit und überall, stets und sofort erfolgen. Dazu braucht es dann unter Umständen nur wenige Sekunden oder Minuten. Sinnvollerweise sollte diese Fähigkeit bei uns allen vorhanden sein. Sie ist verbunden mit einem stets möglichen Innehalten, im Augenblick verweilen, um deutlicher zu spüren, zu empfinden, zu bedenken, zu entscheiden und zu reagieren. Im sozialen Kontakt kann dies an einer Sequenz der Kommunikation erkennbar sein, die den wohl seltensten Stellenwert in der Auftretenshäufigkeit hat – nämlich der Pause. Die Kommunikationen, die wir im Allgemeinen pflegen, bestehen aus den drei Anteilen, Aussagen, Fragen und Pausen. Den größten Anteil im täglichen Gesprächsverlauf nehmen die Aussagen, die wir mit einem Ausrufezeichen verbinden können (!) ein, den kleineren die Fragen, für die das Fragezeichen steht (?) und nur von sehr untergeordneter Bedeutung in unseren alltäglichen Gesprächen sind leider die Pausen (...).
13:59
November 4, 2021
Psychologie für den Alltag - Wie können wir uns selbst besser helfen?
Es ist in vielen Fällen erkennbar, wie sehr betroffene Patienten davon ausgehen, dass die Lösung bestimmter Probleme – sie selbst, ihre Beziehungen zu ihren Mitmenschen im Privaten oder Beruflichen oder auch ihr ganzes Leben betreffend – nur über sehr komplizierte, schwierige und überaus anspruchsvolle Wege zu lösen sind. Verbunden hiermit ist die spürbare, manchmal auch offen ausgesprochene Überzeugung, dass der aufgenommene psychotherapeutische Prozess ebenfalls sehr kompliziert sein wird, möglicherweise ihre intellektuellen und emotionalen Fähigkeiten beanspruchen und vielleicht auch überschreiten wird. Es sind die Stellen, an denen ich folgende Spiegelung gebe: „Ganz offensichtlich gehen Sie davon aus, dass Ihre Psychotherapie vergleichbar ist mit der höheren Mathematik.“ Diese Feststellung wird in der Folge meist bejaht: „Mindestens so schwer, vielleicht noch schwerer.“ Genau hierin liegt ein grundlegender Irrtum bzw. ein Irrglaube. Denn tatsächlich geht es im Rahmen der Arbeit an sich selbst nicht um eine höhere Mathematik, sondern im übertragenen Sinn das Erlernen der Grundrechenarten bzw. des kleinen Einmaleins.
16:41
October 30, 2021
Psychologie für den Alltag - Das kann doch jetzt nicht wahr sein!
Es sind banale Situationen, die unzählige Male im Alltag vorkommen. Das zugrunde liegende Muster ist immer das Gleiche. Es kommt zu einer unvorhergesehenen, so nicht einbezogenen Abweichung von dem, was wir erwartet haben. Dies bedeutet, wir sind spontan mit einer Diskrepanz zwischen einem Ist– und einem Soll–Wert konfrontiert. Immer wenn wir es mit einer solchen Diskrepanz zu tun haben, entsteht ein Spannungszustand in uns, was tatsächlich ganz natürlich und damit geradezu physiologisch ist. Spannungszustände dieser Art empfinden wir jedoch in unserem subjektiven Erleben nicht als etwas Angenehmes. Ganz im Gegenteil, wir fühlen uns aufgrund dessen unwohl, enttäuscht und auch verärgert. Vielleicht fällt es uns zunächst auch schwer nachzuvollziehen, wieso es zu dieser Abweichung zwischen unserer Erwartung und dem real sich Vollziehenden gekommen ist. Tatsächlich sind solche Situationen meist eine Herausforderung für uns, zumal sie nicht selten plötzlich und überraschend auftreten. Fügen sie sich in vorangegangene Situationen gleicher Art, in der kurz zurückliegenden Zeit oder auch im Zusam-menhang mit einer sich lebensgeschichtlich in dieser Weise immer wieder vollziehenden Art, sind wir umso mehr enttäuscht, vielleicht auch resigniert und bringen es folglich in einen Zusammenhang mit einem dann schon vorhandenen Selbstbild des „Pechvogels“, nach dem Muster: „Naja, ich bin es ja gewohnt, kenne es ja gar nicht anders, ist ja klar, dass mir das passiert“.
20:14
October 26, 2021
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Menschheitsfamilie - In Worten John Lennons "Imagine"
John Lennon (1940-1980) - Imagine Stell dir vor, es gäbe kein Himmelreich, Es ist ganz einfach, wenn du es versuchst. Keine Hölle unter uns, über uns nur der Himmel. Stell dir vor, alle Menschen leben nur für das "Heute". Stell dir vor, es gäbe keine Länder, es ist nicht so schwer, es zu tun. Nichts, wofür es sich zu töten oder sterben lohnt, und auch keine Religion. Stell dir vor, alle Menschen, leben ihr Leben in Frieden. Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer, aber, ich bin nicht der Einzige. Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein, und die ganze Welt wird wie eins sein. Stell dir vor, es gäbe keinen Besitz mehr. Ich frage mich, ob du das kannst. Keinen Grund für Gier oder Hunger, Eine Menschheit in Brüderlichkeit. Stell dir vor, alle Menschen, teilen sich die Welt. Du wirst vielleicht sagen, ich sei ein Träumer, aber, ich bin nicht der Einzige. Ich hoffe, eines Tages wirst auch du einer von uns sein, und die ganze Welt wird wie eins sein.
23:13
October 21, 2021
Psychologie für den Alltag - Weißer Mann redet mit gespaltener Zunge - Zur Einheit von Sprechen und Handeln
Im Rahmen der psychotherapeutischen Arbeit mit Menschen bin ich über viele Jahre immer wieder aufs Neue mit der Diskrepanz konfrontiert zwischen dem, was ein Mensch einerseits von sich selbst berichtet, wie er sich selbst erlebt und beschreibt, auch im Umgang mit anderen Menschen und andererseits dem konkreten Verhalten dieses Menschen, welches bezüglich seiner Entscheidungen und beobachtbaren Handlungen in zum Teil eklatantem Widerspruch zu seinen Aussagen steht. An solchen Stellen vermittelt sich ganz offensichtlich der Eindruck, dass das Reden in eine Richtung geht, das Verhalten und Handeln jedoch in eine andere. Natürlich entspricht dies nicht dem, was wir erleben möchten, zumal es meist mit dem offen oder verdeckt vermittelten Anspruch verbunden ist, dass wir eine Bewertung nur nach dem vornehmen sollten, was gesagt bzw. uns sprachlich vermittelt und versichert wird. Wenn wir Hinweise auf die Frage nach der Übereinstimmung von Sprechen und Handeln suchen, sollten wir auf die überlieferten Empfehlungen und Hinweise der klassischen Philosophie zurückgreifen. Diese hat sich mit den Fragen nach dem rechten Leben befasst.
15:22
October 18, 2021
Psychologie für den Alltag - So bin ich eben - Ich möchte so akzeptiert werden wie ich bin
Bezüglich der Selbstoffenbarung zeigt sich in dieser Feststellung das Selbstverständnis eines Ausgelieferten, Hilflosen, Machtlosen und Opfers. Wer einen solchen Satz von sich gibt, macht deutlich, dass er sich selbst keinerlei Möglichkeit oder Fähigkeit zuspricht, sich zu verändern. Er kann willentlich und bewusst nichts tun – ihm sind die Hände gebunden, warum auch immer; das ist offensichtlich seine Überzeugung. Vielleicht ist es erblich bedingt und liegt in den Genen begründet, mag er denken und sagen oder aber die frühkindlich erlebten Vorbilder haben nachhaltig so stark gewirkt, dass sich die vollzogene Identifikation und die damit verbundene Verinnerlichung nicht mehr rückgängig machen lässt - zumal wenn das in Frage stehende Verhalten und Vorgehen nun schon seit vielen Jahren oder Jahrzehnten so besteht. Zwischenzeitlich hat sich damit eine Identität und ein Selbst-verständnis herausgebildet, welche ganz bestimmte Merkmale, Eigenschaften und Verhaltensmuster als unveränderbar einstufen. Mit jeder im Verlaufe der Jahre bekundeten gleichlautenden Überzeugung und Feststellung ‚So bin ich eben‘, hat sich diese Überzeugung gefestigt. Die Wirkung solcher Feststellungen auf das eigene Selbst kommt der eines Mantras gleich, welches fortlaufend wiederholt wird. In unserem westlichen Verständnis können wir von der Wirkung dieser Aussage im Sinne einer Autosuggestion sprechen. Viele Untersuchungen haben inzwischen sowohl die Wirkung der mit Mantren verbundenen Wiederholungen belegt als auch die Wirkkraft autosuggestiver Zuschreibungen. Beides wirkt geradezu in einer hypnotischen Weise und induziert die Festschreibung einer bestimmten Haltung und Überzeugung sowie des damit verbundenen Verhaltens.
18:14
October 14, 2021
Psychologie für den Alltag - Warum sollten wir innehalten können?
In unserem Alltag bewegen wir uns in gewisser Weise in einem Circulus Vitiosus, in dem die gleichen Wahrnehmungen zu gleichen Gedanken führen, mit gleichen gefühlsmäßigen Reaktionen. Dies bedingt ein gleiches Verhalten, welches erneut zu gleichen Erfahrungen führt, aus denen wiederum gleiche Gefühle entstehen, mit einer immer wiederkehrenden gleichen Realität. Somit stellen wir fest, dass wir neuropsychologisch, neurophysiologisch und neurobiologisch gesehen nach dem Muster eines Computerpro-gramms arbeiten und funktionieren. Aus der Gehirnforschung wissen wir, dass wir ca. 60–70.000 Gedanken pro Tag denken, von denen etwa 90 Prozent die gleichen sind, die wir bereits einen Tag zuvor gedacht haben. Sofern diese Gedanken unser Leben bestimmen, bestimmen die gleichen Gedanken unsere wiederkehrend gleichen Entscheidungen. Wollen wir einen solchen Teufelskreis durchbrechen, müssen wir über neues Lernen neue synaptische Verbindungen unserer Neurone herstellen. So können wir neue Muster schaffen, die mit neuen Gedanken und Gefühlen, neuen Entscheidungen und Verhalten verbunden sind. Erst dann entsteht in uns und um uns herum eine neue Realität.
14:53
October 10, 2021
Psychologie für den Alltag - Zum Ärztlichen Selbstverständnis
Heute, am 06. Oktober 2021 bewegen sich die bisher veröffentlichten Podcast Folgen auf 70.000 Aufrufe zu. Insofern erscheint es mir an der Zeit und auch angemessen, all den Zuhörern einen Einblick in mein persönliches Selbstverständnis als Arzt und Psychotherapeut zu geben. Möglicherweise hilft diese Information manche der von mir in den Podcast Folgen gemachten Aussagen und bekundeten Überzeugungen noch besser verstehen und einordnen zu können. Dieses Selbstverständnis leitet sich neben meinen weltanschaulichen, philosophischen, psychologischen, soziologischen und politischen Ausrichtungen in besonderer Weise ab aus drei Quellen, welche meiner Auffassung nach für das ärztliche Handeln maßgeblich sein sollten. Diese sind der Hippokratische Eid, das Ärztliche Gelöbnis und die Berufsordnung für Ärzte. Zum besseren Verständnis möchte ich im Folgenden auf einige Auszüge dieser drei Quellen eingehen. Der Eid des Hippokrates wurde mir als Urkunde zum Zeitpunkt meiner Approbation zum Arzt noch feierlich verlesen und übergeben. Diese Urkunde hängt heute eingerahmt im Wartezimmer meiner Praxis.
17:55
October 5, 2021
Psychologie für den Alltag - Zur Realitätsprüfung und Bodenhaftung
Menschen, die von starken Ängsten betroffen sind, neigen dazu den Kontakt zur Realität zu verlieren. Nicht mehr das, was tatsächlich gegeben ist, bestimmt das Denken, Empfinden, Entscheiden und Handeln, sondern das, was entsprechend der Befürchtungen eintreten könnte. Das Ausschlaggebende für den Fortgang der Dinge ist nicht eine Wahrscheinlichkeit, beruhend auf den Erfahrungen aus der Vergangenheit in Verbindung mit den jetzt in der Gegenwart real vorliegenden Fakten, sondern die Möglichkeit als solche des Eintretens eines Ereignisses oder einer Entwicklung. Die klassische Frage eines Phobikers oder Angst– und Panikpatienten ist nicht, ob etwas wahrscheinlich ist, sondern, ob es möglich ist. Da nahezu alles möglich ist, muss diese Frage konsequenterweise fast immer bejaht werden, was dem Angstpatienten die Bestätigung für seine Haltung bietet. In dieser Hinsicht bekommt die Überzeugung eines Angst- und Panikpatienten den Stellenwert der ‚Unkorrigierbarkeit‘, die wir ansonsten nur von Menschen kennen, die sich in einer Psychose (Wahnvorstellung) befinden und aufgrund dessen den Bezug zur Realität vollkommen verloren haben.
21:07
October 3, 2021
Psychologie für Alltag - Warum bleiben manche Menschen ein Leben lang in der Trotzphase stecken?
Wie lässt sich ein trotziges Aufbegehren bei einem erwachsenen Menschen verstehen und erklären? In der Biographie solcher Menschen findet sich häufig ein mehr oder weniger ausgeprägtes, rigides, frühkindliches Milieu, in welchem die Eltern durch recht starre, enge und definierte Erwartungen, Vorgaben, Gebote und Verbote agiert haben. Auch kam meist ein recht deutlich erkennbares und den Alltag bestimmendes Bewerten und Beurteilen zum Einsatz, welches meist auch mit Leistungsansprüchen verbunden war. Die mit diesem gesamten Vorgehen vermittelte Botschaft konnte somit als Aufforderung interpretiert werden, stets den Erwartungen, Wünschen und Vorgaben der Eltern bzw. all den ansonsten maßgeblichen Erwachsenen gerecht zu werden. In diesem sozialen Umfeld war somit kein Platz für die Ausbildung einer zugestandenen und auch erwünschten Autonomie. Jede erkennbare Bestrebung, eigene Entscheidungen zu treffen bzw. einen selbst gewählten Weg zu gehen, wurde häufig bereits im Keim erstickt
20:46
September 30, 2021
Psychologie für den Alltag - Drei Wege uns Gutes zukommen zu lassen
Wir alle streben danach uns gut zu fühlen, zufrieden zu sein, ohne Kummer, Sorgen oder Belastungen, welcher Art auch immer. Bestenfalls könnte es uns gelingen, uns glücklich zu fühlen und damit einen Zustand zu erleben, der uns voll und ganz erfüllt, nichts an Wünschen, Bedürfnissen oder Sehnsüchten offenlässt. Dieses Bestreben ist ohne Zweifel ein ganz natürliches, uns von Beginn an mitgegebenes, geradezu biologisches Anliegen. Es umfasst nicht nur die Erfüllung unserer existentiellen körperlichen Bedürfnisse (Sauerstoff, Flüssigkeit, Nahrung), sondern betrifft auch unsere seelischen Bedürfnisse nach Zuwendung, Nähe, emotionaler Wärme, Wertschätzung und Liebe und ebenso unsere spirituelle Einbettung in einen weitergehenden Sinn, unser Leben und Sein auf dieser Erde betreffend. So gesehen sind die damit verbundenen Wünsche durchaus umfassend und weitreichend. Was können wir dazu beitragen deren Erfüllung nahe zu kommen, ohne allzu sehr von äußeren Umständen und anderen abhängig zu sein? Können wir aus uns selbst heraus Bedingungen schaffen, die uns diesem ersehnten Zustand näherbringen?
24:18
September 26, 2021
Psychologie für den Alltag - Der wahre Wert des Rings
Es gibt nicht wenige Menschen, die ihren eigenen Wert weit höher einstufen, als es die Menschen tun würden, die diese Menschen kennen. Unter Umständen haben wir es dann mit einem Menschen zu tun, der sich durch eine Neigung zum Narzissmus kennzeichnet oder gar mit einer ausgesprochenen narzisstischen Persönlichkeit. Erfahrungsgemäß können die therapeutischen Bemühungen solchen Menschen gegenüber recht schwierig, anspruchsvoll und auch langwierig sein. Ebenso schwierig, anspruchsvoll und langwierig können jedoch auch die therapeutischen Bemühungen sein, wenn wir es mit einem Menschen zu tun haben, der durch tiefe Selbstzweifel und einem Gefühl minderwertig zu sein geplagt ist. Solche Menschen neigen dazu sich stets mit anderen zu vergleichen um in diesem Vergleich den Beleg für ihre Überzeugung zu finden. In einer vorausgegangen Podcast-Folge habe ich das wiederkehrende Sich-Vergleichen als eine wesentliche Ursache für unser tägliches Unglück benannt.
13:36
September 21, 2021
Psychologie für den Alltag - Die heilige Geometrie, eine verborgene Ordnung
Wir können dies an dem Beispiel der sogenannten heiligen Geometrie erkennen. Die Bezeichnung heilig ist hier nicht im Sinne eines Glaubens oder einer Religion zu verstehen, sondern im Sinne von heil–sein: also vollständig, unbeschädigt, gesund, ganz bzw. allumfassend. Diese heilige Geometrie gibt uns die Möglichkeit eine, hinter allen Erscheinungen der Natur bzw. der Schöpfung liegende, verborgene Ordnung zu erkennen, von deren Verständnis eine vollkommen veränderte Haltung des In–der–Welt–Seins ausgehen kann. Die Bewusstheit für das Vorliegen dieser verborgenen, allgegen-wärtigen Ordnung kann Vertrauen, Sicherheit und Gelassenheit in uns erzeugen. Dies ist dann verbunden mit einem Gefühl der Gemeinschaft, welche kulturen– und völkerübergreifend gegeben ist. Doch wissen wir denn davon? Ist es Bestandteil unserer Bildung, unseres Mainstream–Wissens, welches wir vermittelt bekommen?
14:34
September 18, 2021
Psychologie für den Alltag - Experimentierfreude
Das begeisterte, fast unermüdliche Suchen nach Neuem, was es zu entdecken gilt, ist eine vollkommen physiologische und insofern ganz natürliche Phase in unserer kindlichen Entwicklung. Wir durchlaufen sie alle mit dem Unterschied, dass sie durch die uns umgebenden familiären und sozialen Einflüsse mehr oder weniger gefördert bzw. im negativen Fall auch gehemmt wird. Experimentieren kommt vom Lateinischen experimentareund bedeutet „versuchen“ bzw. „erproben“. In der Alltagssprache bezieht sich dieser Begriff nicht nur darauf wissenschaftliche Untersuchungen zu beschreiben, sondern er bezieht sich auch auf alle möglichen Lebenssituationen, in denen es darum geht, etwas Neues zu erkunden. Dies kann sich auf private und berufliche Bereiche oder auf die Freizeit beziehen. In gleicher Weise verhält es sich bezüglich spiritueller Fragen, wo ebenfalls eine gewisse Experimentierfreude hilfreich sein kann, bestimmte Zustände des Erlebens erfahren zu können. Dennoch ist Beständigkeit, Bereitschaft sowie Durchhaltevermögen notwendig, um den Weg, auch wenn es schwierig wird, weiterzugehen. Dies miteinander zu verbinden – Beständigkeit, Ausdauer, Durchhaltevermögen einerseits und Experimentierfreude andererseits – ist das was auch einen spirituellen Weg kennzeichnet. Letztlich sollte dies für alle Bereiche unseres alltäglichen Lebens in dieser Weise zutreffen.
19:56
September 14, 2021
Psychologie für den Alltag - Wie gehen wir mit Widersprüchen um?
Unter kognitiver Dissonanz können wir laut Festinger einen Zustand verstehen, in den wir geraten, wenn wir feste Überzeugungen haben, welche durch Informationen aus der gegebenen Realität widerlegt werden. Die Folge ist ein Zustand, den wir als unangenehm und mit innerer Anspannung und Konflikten verbunden erleben. Wir fühlen uns gezwungen diesen Spannungszustand so schnell als möglich aufzulösen. Da wir jedoch – trotz der vorliegenden Gegenbeweise – nicht bereit sind unsere Überzeugungen aufzugeben, finden wir einen alternativen Weg, indem wir die im Widerspruch befindlichen Informa-tionen in unsere Überzeugungen integrieren. Der Ausgangspunkt für die Beschreibung dieses Vorgangs, war Festigers Beobachtung, wonach wir Menschen bestrebt sind, eine für unser Denken und Empfinden gültige und bestehende subjektive Ordnung stets von neuem aufrechtzuerhalten. Hierbei erstreckt sich das Bedürfnis eine Ordnung in der eigenen Welt zu schaffen auf sehr viele Aspekte unseres Alltags, nicht nur auf unsere Einstellungen und Überzeugungen. So sichern wir über unzählige Gewohnheiten und routinemäßigen Abläufe unser alltägliches Leben, sowohl im privaten als auch im beruflichen Bereich. Ein Gefühl der Spannung und des Unwohlseins entsteht meist dann, wenn diese automatisierten Abläufe durchbrochen werden. Im Jahr 1954 hatte Festinger in einem von ihm konzipierten Experiment die Möglichkeit der Frage nachzugehen, welche Auswirkungen es hat und zu welchen Folgen es führt, wenn vorhandene Überzeugungen durch den Verlauf der Wirklichkeit widerlegt werden. Würde es in einem solchen Fall zu einer Korrektur der Überzeugungen kommen oder finden die Betroffenen einen anderen Weg mit der offensichtlichen Diskrepanz zwischen Einstellung und Wirklichkeit umzugehen?
17:06
September 10, 2021
Psychologie für den Alltag - Gedanken über die Bedeutung des Zuhörens
Schauen wir uns die Botschaften unserer modernen westlichen Welt an, die wir über alle Informationskanäle vermittelt bekommen, können wir unschwer feststellen, dass der Selbstdarstellung an vielen Stellen und zu vielen Zeiten unseres Lebens eine herausragende Bedeutung zukommt. Mit dieser Selbstdarstellung ist die Notwendigkeit verbunden sich zu erklären und mitzuteilen. In kaum zu übertreffender Weise dargestellt, finden wir dies in sozialen Netzwerken – wie Facebook, Instagram oder Twitter. Sich selbst darzustellen ist zum Selbstzweck geworden. Ob dies erfolgreich gelingt und verwirklicht ist, lässt sich in den jeweiligen Aufrufzahlen, Klicks und der Anzahl der Followerdokumentieren und überprüfen. Folgerichtig gibt es inzwischen im weltweiten Netz täglich neue, unzählige selbsternannte Coaches, Trainer und Ratgeber, die Kurse, Workshops und Ausbildungen anbieten, um zu vermitteln, wie man sich noch überzeugender präsentieren kann: was zu berücksichtigen und was zu tun ist, um noch mehr zu begeistern und mitzureißen, um damit Menschen für sich und die eigenen Angebote und Anliegen zu gewinnen. Sich selbst und seine eigenen Anliegen zu promoten und auch zu verkaufen ist die Botschaft, die es optimal zu vermitteln gilt. Wo finden wir im Gegenzug ein Angebot im Sinne eines Workshops oder eines Seminars, welches zum Inhalt das Lernen und Einüben eines besseren Zuhörens hätte?
20:49
September 4, 2021
Psychologie für den Alltag - Vertrauen
Wir können als Gegenpol zum Vertrauen die Gewissheit, das Wissen und die sich daraus ableitende Sicherheit benennen. Da, wo wir Gewissheit haben, brauchen wir kein Vertrauen. Es bestehen keine Zweifel, nichts ist mit Verunsicherung verbunden, wir dürfen uns unbesorgt fühlen. An dieser Stelle ist im Verlauf psychotherapeutischer Prozesse häufig eine in sich paradoxe Haltung auf Seiten der Patienten zu erkennen. Sie steht im Zusammenhang mit der Konfrontation, kein Vertrauen fassen und erleben zu können. Wobei sich dies auf alle möglichen Bereiche des Lebens beziehen kann – sei es das Vertrauen in einen Menschen im familiären bzw. beruflichen und sonstigen Umfeld oder das Vertrauen in bestimmte Abläufe und Prozesse, sowie letztlich auch das Vertrauen in die Schöpfung insgesamt. In all diesen Zusammenhängen ist häufig die Aussage zu hören: „Wenn ich das ja wüsste bzw. die Gewissheit hätte, ich glaube, dann könnte ich auch Vertrauen haben.“ Diese Aussage ist vielmehr ein Beleg dafür, dass der Betroffene sich mit der Grundsätzlichkeit der Frage des Vertrauens noch nicht eingehend befasst hat. Ganz offensichtlich ist im Verständnis des Selbst noch kein Bewusstsein vorhanden, was Vertrauen wirklich ist und voraussetzt.
16:53
September 1, 2021
Psychologie für den Alltag - Und täglich grüßt das Murmeltier
Im Verlauf meiner psychotherapeutischen Arbeit lässt sich bei sehr vielen Menschen der Wunsch erkennen, nicht immer wiederkehrende Stimmungsschwankungen zu erleiden bzw. mit verschiedenen in größeren Abständen wiederkehrenden, unterschiedlichen Beschwerden, welcher Art auch immer, konfrontiert zu sein. Das Bedürfnis nach konstant gleichbleibend guter Stimmungslage ist erkennbar und wird zeitweise auch konkret ausgesprochen. Sowohl die körperliche und seelische als auch geistige Verfassung sollten auf einem annehmbaren, angenehmen Niveau des Wohlgefühls bleiben bzw. sich idealerweise sogar nach und nach immer besser anfühlen. Einbrüche, Schwankungen und schlechte Zustände sollte es gar nicht geben. Treten sie auf, stellt sich sofort die Frage, warum das jetzt sein muss. Es kommt zu Selbstzweifeln, Selbstvorwürfen und Enttäuschungen. Dass solche mit unangenehmen Gefühlen verbundene Lebenssituationen immer wiederkehren, lässt sich für die Betroffenen nur schwer nachvollziehen. Auch scheint es nicht zu gelingen sich darauf einzustellen oder gar einen Frieden damit zu finden.
14:59
August 28, 2021
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Naivität bzw. zum Hier und Jetzt
Führen wir uns Erkenntnisse aus bestimmten Untersuchungen vor Augen, verstehen wir umso mehr, warum es Kindern so häufig gelingt, glücklich zu sein. Sie sind noch zu einem großen Anteil in der Lage im Hier und Jetzt zu sein, den Augenblick zu leben. Eine Qualität des Seins, welche dies in besonderer Weise begünstigt, ist die ihnen noch eigene und kennzeichnende Naivität. Dieser Begriff kommt aus dem Französischen und bedeutet „kindlich“, „ursprünglich“, „einfältig“ und auch „töricht“. In unserem Sprachverständnis kennen wir vor allem die damit verbundene negative Konnotation des leichtgläubigen, arglosen, unerfahrenen und unwissenden Vorgehens. Im positiven Verständnis können wir mit Naivität eine Reinheit, Unvoreingenommenheit und Unschuld verbinden. Wir können davon ausgehen, dass große Entdecker auf der Grundlage ihres Wissens in einer naiven Weise frei waren von Beschränkungen, um so einer Frage oder einem Inhalt neutral gegenübertreten zu können. In Verbindung mit ihrer kindlichen Neugier und von intellektuellen Festlegungen unabhängig, konnten sie Grenzen testen bzw. verschieben und damit den Weg für bahnbrechende Entdeckungen und Erfindungen frei machen. Auch in der Kunst hat diese „naive“ Haltung ihren Platz gefunden und war in allen Bereichen künstlerischen Schaffens Antrieb für neue Kreationen.
18:50
August 24, 2021
Psychologie für den Alltag - Gibt es sie tatsächlich, die 'Sich-selbst-erfüllende-Prophezeiung'?
Betrachten wir den Alltag an vielen Stellen und in vielen Bereichen der Realität, werden wir erkennen können, dass wir durchgehend von Erwartungen und Überzeugungen bezüglich einer bestimmten Entwicklung oder eines bestimmten Ergebnisses im Zusammenhang mit menschlichen Beziehungen geprägt und gekennzeichnet sind. Nicht nur in den Grundschulen ist dies der Fall, ebenso in den weiterführenden Schulen, im Studium, den Weiterbildungen und Ausbildungen, alle Berufe betreffend. Auch in allen anderen Lebensbereichen, wo es um die Beziehung zwischen Menschen geht, können wir feststellen, wie sehr unsere Erwartungen und Überzeugungen den anderen betreffend, ein sich einstellendes Ergebnis bestimmen. Von besonderer Schwere und Tragweite ist dieser sog. 'Rosenthal-Effekt' verständlicherweise in der Grundschule, da hier die Weichen für das spätere Leben gestellt werden und die Kinder die an sie herangetragenen Überzeugungen in einem noch viel größeren Ausmaß in ihr eigenes Selbstbild übernehmen. Bekommt ein Kind vermittelt „Du kannst das ohnehin nicht schaffen“, wird es diese Überzeugung mit der Zeit ebenso im Sinne einer Selbstzuschreibung übernehmen, wie ein anderes Kind, welches die Botschaft erfährt „Du bist in besonderer Weise begabt“. Jedoch auch später neigen wir im Erwachsenenalter dazu, solche Zuschreibungen zu übernehmen und unser Denken, Fühlen und Verhalten danach auszurichten. Ob dies im privaten Zusammenleben sein mag, wo die Zuschreibungen der Familie oder eines Partners die Selbstüberzeugung mitbestimmen, im Freizeitbereich, im Sport, in der Musik, andere Hobbys betreffend oder auch im beruflichen Alltag. Stets sind wir mit Erwartungshaltungen und den damit verbundenen Zuschreibungen und Bewertungen konfrontiert.
17:46
August 19, 2021
Psychologie für den Alltag - Worin liegt der Sinn ein totes Pferd zu reiten?
Der Mensch stößt in vielen Dingen des Lebens an seine Grenzen und kann erkennen, dass er eine Realität annehmen soll bzw. muss, obwohl sie von seinen Vorstellungen abweicht? Eine häufig anzutreffende Reaktion, welche sich auch im Verlauf psychotherapeutischer Prozesse vermittelt, besteht in einer offensichtlichen Resignation. Diese ist begleitet von Traurigkeit, möglicherweise gar Niedergeschlagenheit. Geben wir uns die Mühe diesen Empfindungen nachzugehen, sie in die Tiefe zu verfolgen um zu prüfen, welche Gedanken und Vorstellungen mit ihnen verbunden sind, können wir letztlich ein tiefes inneres Aufbegehren entdecken. Dieses lässt sich als ein ‚lautes Nein‘ begreifen, welches der Wirklichkeit entgegengeschleudert wird. Nicht bewusst und damit unausge-sprochen, bewirkt es die empfundene Traurigkeit und Resignation. Mit dieser Haltung leben wir im inneren Unfrieden und in einer fortdauernden inneren Anspannung aufgrund der Diskrepanz zwischen Ist– und Soll–Zustand. Insofern ist es wesentlich empfehlenswerter sich aktiv und bewusst für einen inneren Frieden mit der natürlichen Begrenztheit (dem ‚toten Pferd‘) zu entscheiden. Die Voraussetzung hierfür, ist jedoch die bewusste und tiefe Einsicht und Anerkenntnis, dass es so sein darf. Sind wir dazu in der Lage, können wir das tiefliegende ‚Nein‘ gegen ein ebenso tief zu verankerndes ‚Ja‘austauschen. Somit steht das Nein für den Unfrieden, das Ja für den Frieden.
16:34
August 16, 2021
Der Mensch ist eine Ganzheit - Gilt das auch bei der Transplantation eines Herzens?
Das uns umgebende Energiefeld ist voller Information, die hier gespeichert ist und weitergegeben werden kann bzw. sich in einem fortlaufenden Zustand des Austauschs befindet. Insofern können wir diesem energetischen Feld auch die Funktion eines Informationsspeichers bzw. eines Gedächtnisses zusprechen. Wir können uns vor Augen führen, dass bei einer Transplantation eines Herzens ein Organ übertragen wird, das aus Gewebe besteht, welches aus Zellen zusammengesetzt ist, auf der Grundlage von chemischen Verbindungen, die wiederum aus Molekülen bestehen, welche sich aus dem Zusammenschluss von Atomen gebildet haben. So wird im Fall einer Transplantation nicht nur ein sichtbares Organ entnommen und eingepflanzt, sondern auch die mit all den Bestandteilen verbundenen Informationen sowie das jeweils damit verbundene Energiefeld. Wie wir gesehen haben, handelt es sich dabei um sehr konkrete, spezifische und einzigartige Informations– und Energiefelder.
21:44
August 12, 2021
Psychologie für den Alltag - Ist es ein Zeichen von Schwäche oder gar ein Makel in Psychotherapie zu sein?
Trotz der inzwischen erfolgten Aufklärung über Zeitschriften, Bücher, Film und Fernsehen sowie die sozialen Netzwerke belegen wiederholt gemachte Untersuchungen im Rahmen der Stigmaforschung in den letzten Jahren eine nach wie vor bestehende, ablehnende Haltung Menschen gegenüber, welche eine psychotherapeutische Behandlung in Anspruch nehmen. Wird ein Einzelner nach seinen eigenen Gefühlen befragt, so zeigt sich, dass dieser sogar mehr Distanz zu psychisch Kranken haben möchte als noch 1990. Weder als Nachbarn noch als Kollegen sind sie erwünscht. Ebenso würde ein psychisch Kranker niemandem als Mitarbeiter empfohlen. Auch sollte er nicht zum Freundeskreis gehören. Aufgrund dieses gesamten gesellschaftlichen Hintergrundes kann es im Rahmen des psychotherapeutischen Prozesses notwendig sein, die subjektiven Befürchtungen und Ängste in Verbindung mit der psychischen Erkrankung wiederholt zu thematisieren. Es lässt sich nicht in Einklang bringen einerseits alles Notwendige an Arbeit zu investieren, um das Selbstbewusstsein, Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl eines betroffenen Patienten zu stärken und ihm andererseits zu empfehlen, das Beanspruchen der Psychotherapie zu verbergen und zu verleugnen. Insofern ist es auch an dieser Stelle empfohlen, zu lernen offensiv damit umzugehen. Dies sollte in dem Bewusstsein geschehen, dass nicht der Betroffene damit eine Schwäche offenbart, sondern die Gesellschaft in ihrer weiterhin bestehenden Bereitschaft zur Stigmatisierung eine Schwäche erkennen lässt.
17:10
August 8, 2021
Psychologie für den Alltag - Was ist für Wohlbefinden und Glück verantwortlich?
Um der Frage nachzugehen, welche Ziele, Umstände, Ereignisse und Entwicklungen nachweislich tatsächlich entscheidend für einen bestimmten Lebensweg waren, wurde eine Vielzahl von Menschen über den Verlauf ihres gesamten Lebens beobachtet. In diesem Zusammenhang wurde eine Vielfalt von verschiedenen Dimensionen ihres Lebens erfasst und dokumentiert. Die sog. 'Harvard–Studie über die Entwicklung Erwachsener' ist wohl die zeitlich längste Untersuchung über die Entwicklung im Erwachsenen–Leben, die je durchgeführt wurde. Die Aufschlüsse und Erkenntnisse, die den Tausenden der zwischenzeitlich gesammelten und vorliegenden Daten entnommen werden können, liefern keine Bezüge zu Reichtum und Ruhm, so wie es aufgrund der oben erwähnten Befragung zu erwarten gewesen wäre. Die unzweifelhaft jedoch wichtigste Erkenntnis aus der Studie ist, dass es gute zwischenmenschliche Beziehungen sind, die für das Glück, Wohlbefinden und die Gesundheit der untersuchten Männer verantwortlich waren.
16:14
August 4, 2021
Psychologie für den Alltag - Warum befinden wir uns so oft in den Köpfen der anderen?
Bewegen wir uns im Kopf des Anderen, nicht um erkennen und spüren zu wollen, was in ihm vor sich gehen mag, sondern um in seinem Kopf unsere eigenen Gedanken, Überlegungen und Vorstellungen wiederzufinden, dann befinden wir uns in einem Zustand der Projektion. Dieser Begriff hat seinen Ursprung im Lateinischen und kommt von dem Wort proicio, was so viel wie „hinwerfen“ bzw. „vorwerfen“ bedeutet. Im Verständnis der Psychoanalyse projizieren wir eigene innerpsychische Inhalte (Bilder, Gedanken, Überlegungen, Vorstellungen, Ängste, Wünsche, Bedürfnisse usw.) auf den Anderen. Wir übertragen bzw. verlagern somit Anteile von uns selbst in den Anderen und tun dann so, als sei das alles tatsächlich identisch im Kopf des Anderen vorhanden. In der Analogie lässt es sich am leichtesten nachvollziehen, wenn wir es mit dem Vorgang der Projektion von Bildern oder eines Films aus einem Abspielgerät vergleichen, in dem sich diese Bilder bzw. der Film befinden. Die Projektion erfolgt dann auf eine weiße Fläche (Leinwand), auf der sich alles abbildet und wahrnehmen lässt. Sitzen wir z. B. im Kino und schauen einen Film an, so wissen wir mit aller Sicherheit und Selbstverständlichkeit, dass der Film von einem Projektor, dem Vorführ- bzw. Abspielgerät auf die Kinoleinwand übertragen wird. Wir gehen somit nicht davon aus, dass das, was wir sehen auf der Leinwand entsteht und dort seinen Ursprung haben könnte.
16:34
July 30, 2021
Psychologie für den Alltag - Brauchen wir einen gedanklichen Notfallkoffer?
Viele Situationen unseres Alltags zeichnen sich dadurch aus, dass bestimmte Muster des Denkens, Fühlens und Verhaltens in der jeweils konkreten Situation hervorgerufen werden. Zum einen besteht in der Folge die Neigung sich danach auszurichten, zum anderen wird der Wunsch benannt davon abweichen zu können, es einmal anders zu machen, doch gibt es scheinbar kein erkennbares und abrufbares Vorgehen, welches die Alternative zum Gewohnten darstellen könnte. Es kann die Auseinandersetzung in privaten Beziehungen betreffen, zum Partner, innerhalb der Familie, im Freundeskreis oder aber Beziehungen im beruflichen Kontext, zum Vorgesetzten oder zu Kollegen, ebenso wie Beziehungen aus dem Freizeitbereich. Es ist verständlich, dass eine Reaktion im Hier und Jetzt das Denken Fühlen oder Verhalten betreffend nur dem folgen kann, was im Sinne der Gewohnheit bzw. der Erfahrung angelegt ist. Wie sollte es aus dem Stegreif möglich sein, ganz neue Ansätze des Vorgehens zu finden und zum Einsatz zu bringen?
17:09
July 26, 2021
Psychologie für den Alltag - Kommunikation - Wann ist ein Ebenenwechsel angebracht?
Viele Situationen des Alltags haben etwas, das sie alle vereint. Es ist der offensichtliche Widerspruch zwischen einem inhaltlichen Aspekt, um den es gehen sollte und dem mit diesem Aspekt einhergehenden formalen Verhalten, welches die Situation, jenseits des konkreten Inhaltes bestimmt. Insofern haben wir es jeweils mit zwei Ebenen der Interaktion zu tun. Auf der einen Ebene geht es um das Objekt bzw. den Gegenstand der Betrachtung. Auf der anderen Ebene geht es um einen Aspekt, der die jeweilige Beziehung zwischen den beteiligten Personen betrifft. Ein wesentlich besseres Verständnis der zwischenmenschlichen Kommunikation, auf das wir heute zurückgreifen können, verdanken wir den Erkenntnissen, die uns der österreichisch–amerikanische Kommunikationswissenschaftler, Psychologe und Philosoph Paul Watzlawick (1921–2007) vermittelt hat. Grundlage seiner Kommunikationstheorie sind fünf Axiome, die er allen Situationen mit kommunikativem Charakter zuschreibt. Eines dieser Axiome bezieht sich auf die zwei oben angesprochenen Ebenen. Watzlawick sagt hierzu: „Jede Kommunikation hat einen Inhalts– und einen Beziehungsaspekt, wobei Letzterer den Ersteren bestimmt und daher eine Metakommunikation ist.“
19:20
July 22, 2021
Psychologie für den Alltag - Geben und Nehmen
Leiden Menschen unter Selbstwertproblemen, fehlt es ihnen an einem angemessenen und wünschenswerten Selbstbewusstsein, ist es aus psychotherapeutischer Sicht sinnvoll alles dazu beizutragen, dass sich das damit einhergehende Selbstverständnis verändert. Verinnerlichte Glaubenssätze, die unmerklich, jedoch sehr wirkungsvoll und nachhaltig das eigene Denken, Fühlen und Verhalten bestimmen, müssen hinterfragt und ausgetauscht werden. Solche Sätze lauten z. B.: „Das steht mir nicht zu.“; „Das darf ich nicht erwarten.“; „Das ist zu viel verlangt, von mir.“; „Das verdiene ich gar nicht.“; „Ich muss mich zufriedengeben.“; „Ich sollte nicht so undankbar sein.“. Sätze dieser Art gibt es unendlich viele. Sie alle dienen bezogen auf Beziehungen letztlich dazu, Ungleichgewichte bzw. Asymmetrien bestehen zu lassen, sie nicht in Frage zu stellen und sich nicht dagegen zur Wehr zu setzen. Wie soll jemand ein positives Selbstwertgefühl und ein damit verbundenes Selbstbewusstsein entwickeln, wenn er sich stets bzw. überwiegend in der Rolle des Gebenden erlebt, der keine Ansprüche stellt und nichts erwarten darf und sollte? So sehr die tugendhaften Anforderungen aus den unterschiedlichsten Glaubensrichtungen und weltanschaulichen Haltungen, die zu Beginn dargelegt wurden, betonen mögen, wir sollten stets selbstlos agieren, bestrebt sein Positives wegzugeben und Gutes zu tun, so wenig real lässt sich das bisweilen mit einem gesunden Leben eines konkreten Menschen in Einklang bringen. Das zeigt die langjährige psychotherapeutische Erfahrung.
24:45
July 18, 2021
Psychologie für den Alltag - Kann man auch großherzig sein, wenn man wenig besitzt?
Offenbar können wir in allen Situationen, die das Leben mit sich bringen kann, einen Weg finden, jemandem etwas Gutes zukommen zu lassen, auch wenn es noch so ausweglos und unmöglich zu sein scheint. Wir müssen nicht viel besitzen, vielleicht müssen wir auch gar nichts besitzen, um jemandem Gutes zu tun und ihm von Herzen etwas Tröstliches, Liebevolles und Schönes zukommen zu lassen. Leider lassen wir uns häufig zu sehr von der Überzeugung bestimmen, dass das, was wir geben einen ganz besonderen Wert haben sollte. „Ich kann doch nicht einfach nur …“, lautet häufig die Begründung, um dann etwas nicht zu tun bzw. nicht zu geben, so als sei das „Nichts“ besser als ein „kleines Etwas“. Eine solche Haltung ist bedauerlich, da sie weniger mit dem, den es als möglichen Empfänger betrifft, zu tun hat, als mit dem, der geben könnte – es aus besagten Überlegungen jedoch nicht tut. Welchen Stellenwert hat dann eine im Nachhinein bekundete Begründung, warum etwas nicht getan wurde; sich jemand nicht gemeldet hat; keinen Gruß mitgeteilt hat oder keine Geste der Anerkennung, Zuwendung oder auch des Dankes gezeigt hat. Großherzigkeit hat weniger zu tun mit materiellem Wohlstand als mit einer inneren Haltung, welche Ausdruck zugrunde liegender humaner Werte ist. Diese bestehen aus Wertschätzung, Achtsamkeit, Respekt, Großzügigkeit und Nächstenliebe, die alle letztlich Ausdruck eines edlen Charakters sind. Ist ein Mensch von diesen Eigenschaften erfüllt und lässt dies in seinem Verhalten anderen gegenüber erkennen, können wir von einer Seelengröße sprechen, die ihn auszeichnet. Genügsamkeit, Demut und Dankbarkeit bestimmen sein Denken, Fühlen und Handeln. Das, was einen solchen Menschen ausfüllt, ist positive Energie. Da er diese edle Gesinnung seiner Seele nach außen trägt, leistet er auf diese Weise einen wertvollen und positiven Beitrag zum Guten in der Welt.
18:16
July 14, 2021
Psychologie für den Alltag - Gibt es eine weibliche und eine männliche Wahrheit?
Geht es im Sinne von Platon um die Erkenntnis der Wahrheit, so können wir sicher davon ausgehen, dass für ihn diese Erkenntnis nicht davon abhängig ist, ob sie von einer Frau oder einem Mann gewonnen wird. In der Analogie wäre es ohne Bedeutung für den Wert und die Qualität eines in der Erde verborgenen Edelsteines, ob er von einer Frau oder einem Mann entdeckt und ausgegraben würde. Der Stein als solcher (die Wahrheit als solche) bliebe davon unberührt. In diesem Verständnis kann es somit keine weibliche bzw. männliche Wahrheit geben. Geht es – wie zum Beispiel in den von mir verfassten Büchern ‚Psychologie für den Alltag‘ – darum, Aussagen, Einsichten und Erkenntnisse von grundlegender und allgemeingültiger Bedeutung zu vermitteln, sollte es ebenfalls keinen Unterschied machen, ob sie von einer Leserin oder einem Leser aufgenommen werden. Die Aussagen, Überlegungen und Erkenntnisse sollten ebenfalls für beide Geschlechter in gleicher Weise gültig sein und insofern keine weibliche oder männliche Perspektive vermitteln. Auch wenn zu Zeiten der griechischen Philosophen eine unterschied-liche Rollen- und Aufgabenaufteilung je nach Geschlecht zum Alltag gehörte, stellten die großen Philosophen Pythagoras (570–510 v. Chr.), Sokrates (469–399 v. Chr.) und Epikur (341–271/270 v. Chr.) diese Unterscheidung bereits in Frage. Sie waren der Überzeugung, dass den Frauen die gleiche Ausbildung zukommen müsse wie den Männern, so dass sie diese in gleicher Weise in ihre Akademien aufnahmen. Sokrates wandte sich scharf gegen die Behauptung Frauen seien von intellektueller Unterlegenheit. Die Wahrheit zu entdecken, sollte kein Privileg der Männer sein.
17:54
July 8, 2021
Psychologie für den Alltag - Ja, aber.../ Eigentlich...
Eine Zustimmung ist ein Ja. Ein Ja, aber … ist – bezogen auf eine vorangegangene Aussage oder eine Frage – nur die vorgetäuschte Zustimmung, die sich bei genauer Betrachtung, in der Folge in ein Nein und damit eine Zurückweisung des Gesagten verwandelt. Ja, ich stimme zu, aber ... und nun wird dargelegt, warum die Zustimmung so doch nicht erfolgt oder erfolgen wird. Es kommt letztlich zu einer Zurückweisung des Gesagten, ohne dass dies in aller Deutlichkeit zum Ausdruck gebracht wird. Tatsächlich soll der Eindruck einer grundsätzlichen Zustimmung erzeugt werden, welche jedoch nicht gegeben ist. In gleicher Weise verhält es sich mit dem Wort eigentlich. Es wird eine Aussage getroffen (Eigentlich bin ich …), die sich durch diese Formulierung auf einen Zustand beruft, der im Hier und Jetzt nicht gegeben ist, sondern unter Umständen nur eine Fiktion, ein Wunsch oder eine Hoffnung ist. Bestenfalls trifft dies zu irgendeinem anderen Zeitpunkt zu, aber eben nicht im Hier und Jetzt des Erlebten.
11:21
July 4, 2021
Psychologie für den Alltag - Offen bleiben
Offenheit uns selbst, anderen und der Umwelt gegenüber, kann uns viel eher in die Lage versetzen, angemessen zu agieren und Wege zu einer gemeinsamen zufriedenstellenden bzw. beglückenden Lebensgestaltung zu finden. Eine Offenheit nach außen ist es, die es uns möglich macht, die jeweilige situative Notwendigkeit zu erkennen und uns danach auszurichten. Sie beinhaltet auch die grundsätzliche Akzeptanz der real gegebenen Vielfalt. In gleicher Weise verhält es sich mit dem, was in unserer eigenen Gefühlswelt gegeben ist. Auch hier ist es sinnvoll, hilfreich und notwendig im Sinne einer gesunden und effektiven Lebensgestaltung, die Vielfalt unserer Gefühle anzuerkennen. Es hilft nicht, bestimmte Gefühle – nur weil sie möglicherweise in Widerspruch zu unserem Selbstbild stehen - nicht wahrhaben zu wollen, sie zu verdrängen, verleugnen oder gar abzuspalten. Viel hilfreicher ist es, wenn wir uns unsere Gefühle – seien es auch negative wie Ärger, Wut, Angst oder Schmerz – eingestehen und uns mit ihnen bewusst auseinandersetzen. Je mehr wir uns auf das in uns befindliche Empfinden einlassen können, umso fähiger werden wir angemessene und sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Erst durch die Offenheit bzw. Kenntnis all dessen, was uns bestimmt und in uns vorliegt, werden wir bereit und fähig dafür, uns in die jeweilige für uns passende Richtung zu bewegen.
18:06
June 30, 2021
Psychologie für den Alltag - Alles ist eine Frage der Perspektive
Wohl entscheidend und prägend für meine Einstellung zum Leben, den Menschen und zu allem uns Bewegende, war der Facetten-reichtum, der mit dieser früh schon erlebten und verinnerlichten Vielfalt verbunden war. Das sich darin verbergende, universell gültige Prinzip der Relativierung von allem war zunächst mehr eine Ahnung. Später konnte ich es deutlich als einer der wertvollsten Bausteine meines Lebens (bzw. unser aller Leben) erkennen. Diesem Prinzip folgend, sollten wir uns bewusst sein, dass alles stets eine Frage der jeweiligen Betrachtung und Perspektive ist. Hieraus leitet sich ab, dass die Ergebnisse immer auch die Folge der zugrunde gelegten Prämissen sind, also der Ausgangsbedingungen, die definiert werden. Dass diese sehr unterschiedlich sein können, liegt an der jeweiligen Besonderheit des Betrachters bzw. Untersuchers. Wie leicht lässt sich aufgrund dessen die Unterschiedlichkeit nachvollziehen, die sich aus den Beschrei-bungen und Erklärungen eines Italieners aus der Toskana im Vergleich zu den Darlegungen eines Franzosen aus der Provence oder denen eines Deutschen aus dem Rheinland bezüglich dessen ergeben, was unter einem geordneten Zustand zu verstehen ist. So ist das, was für einen Italiener aus dem Süden Italiens durchaus als Ausdruck von guter Ordnung definiert wird, für einen Franzosen gerade noch hinnehmbar, während dessen es für einen Deutschen aus dem Rheinland schon ein Beispiel für ein relatives Chaos gelten mag.
14:29
June 26, 2021
Psychologie für den Alltag - Gedanken zu unserer täglichen Kommunikation
Paul Watzlawick (1921–2007), ein österreichisch–amerikanischer Kommunikationswissenschaftler, Psychotherapeut und Philosoph, hat durch seine wissenschaftlichen Arbeiten zur Kommunikation vieles verständlicher gemacht. Aus seinen Darlegungen dürfen wir vor allem drei Erkenntnisse hervorheben. So stellt er fest, dass es für Menschen, die sich in einer Beziehung des Austauschs befinden, nicht möglich ist, nicht zu kommunizieren. In welcher Beziehung sich auch immer zwei oder mehrere Menschen befinden, sie interagieren miteinander, selbst wenn sie schweigen bekundet sich darin eine bestimmte Art des Austauschs. Das Schweigen kann unterschied-lichste Bedeutung haben, sagt jedoch immer auch etwas über die jeweilige Beziehung und die Beteiligten aus. Des Weiteren enthält Kommunikation stets zwei Ebenen des Austauschs. Zum einen eine sogenannte Objekt–Ebene, auf der es tatsächlich um einen bestimmten Sachverhalt geht über den ein Austausch stattfindet. Zum anderen eine sogenannte Beziehungsebene auf der zeitgleich neben der Objektebene ein Austausch über die Beziehung stattfindet. Auf dieser Beziehungsebene ist erkennbar, in welchem Verhältnis bzw. in welcher Art der Beziehung die Kommunizierenden zueinander-stehen. Es betrifft die Art und Weise bzw. das Wie des Austauschs. Mit dieser Beziehungsebene ist ein dritter, kennzeichnender Aspekt von Kommunikation verbunden. Dieser besagt, dass zwischenmenschliche Kommunikationsabläufe immer auch vor dem Hintergrund einer symmetrischen (gleichen) oder komplementären (ungleichen) Beziehung zu verstehen sind.
18:41
June 22, 2021
Psychologie für den Alltag - Zur Bedeutung der Worte
Es zeigt sich, dass den Worten nicht nur ein Bedeutungsinhalt zukommt, der in unserem Gehirn und den dort abgelegten Erfahrungsbereichen bestimmte Wirkungen auslöst. Tatsächlich kommt den Worten damit auch ein energetischer Gehalt zu, der sowohl negativ als auch positiv wirksam werden kann. Sind wir uns dessen bewusst, ist es umso wichtiger, unsere Sprache und die darin verwendeten Worte auf deren heilsam wirkenden Einfluss zu prüfen. Auf diese Weise ist das bewusste Verwenden und Pflegen eines bestimmten Sprachstils dazu angetan, eine positive energetische Wirkung im Sinne eines heilsamen Vorgehens zu bewirken. Wie Untersuchungen belegen, sind solche heilbringenden Worte z. B. Güte, Aufrichtigkeit, Geduld, Zuversicht, Hoffnung, Demut, Wohlwollen, Achtsamkeit, Respekt und Weisheit. In diesem Sinne können verwendete Worte aufgrund ihres Bedeutungsinhalts und der mit ihnen verbundenen energetischen Wirkung zu einer heilsamen Medizin werden. Mit einer erhöhten Bewusstheit für die eigene Sprache und die in ihr benutzten Worte kann die Konformität zwischen der verwendeten Sprache und der mit ihr verbundenen Intention gesteigert werden. In der Folge ist es dann kaum noch notwendig, dem Gegenüber erklären zu müssen, dass das Gesagte bzw. Formulierte so nicht gemeint war. Die Alternative, die sich dann erschließt, ist ein sinnkonformer Wortschatz, der zugleich Ausdruck von erhöhter Achtsamkeit ist. Sollten wir noch Zweifel an der Bedeutung der Worte haben, können wir uns erinnern, dass es bereits in unserer westlichen Schöpfungsgeschichte den biblischen Hinweis gibt: „Am Anfang war das Wort.“
16:25
June 18, 2021
Psychologie für den Alltag - Wie tief kann ein 'Wille' vorhanden sein?
Vergleichen wir den Willen mit der motivationalen Grundlage für ein bestimmtes Handeln, gleichbedeutend mit dessen Fundament, so müssen wir sehr wohl eingestehen, dass die Beschaffenheit dieses Fundamentes notwendigerweise einen Einfluss darauf haben muss, was sich darauf aufbauen lässt. Vergleichbar mit einem Haus, welches man erbauen möchte, ist es von großer Bedeutung, ob das Fundament stark ausgeprägt ist und in die Tiefe reicht oder nur relativ dünn beschaffen ist und nur oberflächlich auf der Erde aufgetragen ist. Haben wir es mit einem recht bescheidenen, nur oberflächlich aufgelegten Fundament zu tun, fällt es schwer, die von Gandhi und Machiavelli verwendeten Qualifikationen zu bemühen (unbeugsam und groß). Muss es uns dann nicht verwundern, dass das so beschaffene Fundament nicht trägt und nicht das Ausmaß an Motivation bereitstellt, welches für das Überwinden von vielleicht Jahre oder Jahrzehnte zurückreichende Muster des Denkens, Empfindens und Verhaltens notwendig wäre?
17:08
June 14, 2021
Psychologie für den Alltag - Brauchen wir das Gefühl der totalen Kontrolle?
Bei der Beschäftigung mit der Kontrolle und den Möglichkeiten ihrer Verwirklichung und Umsetzung sind wir stets auch zugleich mit der Frage des Vertrauens konfrontiert. Beides steht sich entgegen und schließt sich aus, wie Tag und Nacht. So wie es bei Tag und Nacht ein Miteinander gibt, welches die fließenden Übergänge mit einbezieht, sollte es bei der Frage der Kontrolle und des Vertrauens sein. Insofern sind Bestrebungen, die darauf ausgerichtet sind eine vollständige Kontrolle zu gewährleisten – womit verbunden wäre, das zur Natur gehörige Vertrauen vollkommen auszuschalten – realitätsfern. Tatsäch-lich sollten wir stattdessen täglich erneut lernen, uns der verschiedenen, gegensätzlichen Aspekte des Lebens bewusst zu sein. Obwohl wir uns nachweislich zur Zeit aufgrund unserer technischen Möglichkeiten und der damit verbundenen weltweiten Vernetzung in der bestgesichertsten Lebenssituation befinden, die es menschheits-geschichtlich je gegeben hat, können wir in vielen fortgeschrittenen Staaten dieser Welt das Bedürfnis erkennen, die Kontrollmöglichkeiten immer weiter auszubauen. Dies betrifft nicht nur die Bestrebungen der staatlichen Organe, sondern auch viele öffentliche und private Bereiche unseres sozialen Zusammenlebens. So trifft es in gleicher Weise auch auf unsere Bemühungen in der Medizin zu, wo es um den Versuch geht, alle möglichen physiologischen Prozesse wie auch alle Krankheiten in den Griff zu bekommen und damit vollständig zu kontrollieren.
15:25
June 10, 2021
Psychologie für den Alltag - Entscheidungen treffen
Bei der Bearbeitung von Entscheidungskonflikten versuche ich Patienten im Verlauf der psychotherapeutischen Arbeit zunächst ein Bewusstsein dafür zu vermitteln, dass sie selbst ‚der Schmied ihres eigenen Glückes sind‘. Ein Bewusstsein zu schaffen, dass jeder für sich selbst das natürliche Recht hat, über sein eigenes Leben zu bestimmen, ist häufig eine große Herausforderung und ist nicht selten mit viel Zeit und viel Geduld verbunden. Das Sich-Abwenden von Fragen wie, „Was muss ich?“, „Was soll ich?“, „Was kann ich?“, hin zu der Frage „Was will ich?“, ist ein großer und entscheidender Schritt in der Ausein-andersetzung mit sich selbst und dem eigenen Leben. Für den Therapeuten gilt hier der Grundsatz: „Steter Tropfen höhlt den Stein.“ Es bedeutet, dass diese Auseinandersetzungen und das damit verbundene Durcharbeiten immer wieder von neuem zu führen sind. Eine weitere Einsicht, die es zu erarbeiten gilt, ist die Bereitschaft in Kauf zu nehmen, dass es keine Gewissheit bezüglich eines Ausgangs oder eines Ergebnisses geben kann. Hierauf zu warten ist insofern unsinnig. Es beutet auch, sich dazu zu bekennen, ein mögliches Risiko in Kauf zu nehmen. Die Erkenntnis, dass es besser ist eine weniger ‚optimale‘ bzw. ‚perfekte‘ Entscheidung hier und heute zu treffen, als eine vielleicht bessere in unendlich weiter Ferne kann ebenfalls helfen. Johann Wolfgang von Goethe (1749–1832), deutscher Dichter, sagte hierzu: „Was heute nicht geschieht, ist morgen nicht getan – und keinen Tag soll man verpassen. Das Mögliche soll der Entschluss, beherzt am Schopfe fassen.“
17:43
June 6, 2021
Psychologie für den Alltag - Warum handhaben wir so vieles zwischen Tür und Angel?
Worin liegt das Problem, welches sich mit dem Führen solcher Gespräche zwischen Tür und Angel einstellt? Wie mir die vielen Jahre der psychotherapeutischen Arbeit gezeigt haben, kommt es bei vielen Menschen leider geradezu zu einem Missbrauch dieser Situation. Der Alltag zeigt es an unendlich vielen Stellen, dass genau die Situation zwischen Tür und Angel dazu benutzt wird, um eine Botschaft als Ausdruck eines grundsätzlich bestehenden Problems oder eines ernsten Konfliktes zu vermitteln. Dies kann sich dann in einem kurz mitgeteilten Ärger, Vorwurf, einer Enttäuschung oder auch Anklage äußern. Im Allgemeinen kommt es in der Folge zu einem kurzen „Schlagabtausch“, welcher sich zwar auf ein zugrunde liegendes Problem bezieht, jedoch aufgrund der konkreten Situation zwischen Tür und Angel keine Möglichkeit bietet, die notwendige Zuwendung an Aufmerksamkeit und Hinwendung zu erfahren, welche sinnvoll und notwendig wären. In Anbetracht der in solchen Situationen von außen häufig erkennbaren Bedeutung, Ernsthaftigkeit und Wichtigkeit des Themas ist es kaum verständlich, warum die beteiligten bzw. davon betroffenen Menschen sich nicht die notwendige Zeit zum Austausch nehmen. Stellen wir uns vor, ein Chirurg würde eben mal so im Vorbeigehen einen kurzen Eingriff am Herz vornehmen wollen, zwischen Tür und Angel. Das ist natürlich vollkommen unsinnig und auf keinen Fall zu empfehlen. Verständlicherweise würden wir uns diesem Vorgehen verweigern. Im Alltag unserer Beziehungen und der mit ihnen verbundenen Schwierigkeiten, Probleme und Konflikte, welche nicht selten ebenfalls das Herz und seine Beschaffenheit betreffen, handhaben wir das tatsächlich ganz anders. Wir haben ganz offensichtlich keinerlei Problem damit, genau das zu tun, von dem wir aus unseren ganzen Erfahrungen bereits wissen könnten, dass es nicht wirklich hilft und insofern auch keinen Sinn macht.
17:34
June 1, 2021
Psychologie für den Alltag - "Aber es ist doch so, es ist doch wirklich so!"
Das offensichtliche Problem, welches sich mit dieser und vergleichbaren Formulierungen vermittelt, ist der Anspruch, dass es sich bei den getroffenen Aussagen und Feststellungen um den Ausdruck grundsätzlicher, allgemeingültiger bzw. objektiver Feststellungen handelt, welche von jedem anderen in gleicher Weise nachvollzogen werden sollten. Es hat den Anschein als handele es sich um eine Wahrheit, die anzuerkennen ist und der man sich bei nüchterner Betrachtung auch nicht entziehen sollte. Insofern ist dies in dem Verständnis des jeweiligen Erzählers, ob im Rahmen einer Psychotherapie oder einer alltäglichen sozialen Situation, stets mit dem unausgesprochenen Anspruch einer Evidenz verbunden. Vergleichbar mit dem physikalischen Gesetz der Schwerkraft, der wir alle ausgeliefert sind und die es auch nicht anzuzweifeln gilt. Wir sollten uns daran erinnern bzw. uns bewusst machen, dass alles Gesagte, Dargestellte und Erklärte, nichts anderes ist als die subjektive, individuelle und damit persönliche Sicht eines konkreten Menschen, der mit seinem einzigartigen Verständnis, lebens-geschichtlichen Hintergrund, mit seinem persönlichen Wissen und Erfahrungswert das alles von sich gibt. Insofern erscheint der Anspruch auf Allgemeingültigkeit bzw. Objektivität des Gesagten reichlich unangemessen. Bedauerlicherweise fehlt an diesen Stellen die wünschenswerte Einsicht, dass das eigene Verstehen, Denken und Bewerten niemals den Charakter einer neutralen, unabhängigen oder auch nur annähernd objektiven Betrachtung haben kann. Es scheint im Verständnis des Erzählers so, als würde das Eingeständnis der Subjektivität das in den Botschaften Vermittelte vollständig entwerten und infrage stellen. Bedeutung und Gewicht erhält das Gesagte scheinbar nur, wenn es den Anspruch auf Objektivität in sich trägt – insofern die auch zeitweise anzutreffende Formulierung: „Also, wenn ich das jetzt einmal objektiv betrachte, dann …“
18:11
May 27, 2021
Psychologie für den Alltag - Unmögliches wird möglich - Belege zum Thema Geist über Materie
Die Befunde aus der Quantenphysik machen sehr deutlich, dass unser Verständnis der Wirklichkeit, weit über die Grenzen einer klassischen naturwissenschaftlichen Sicht hinausgeht. In dieser verstanden wir uns als nicht einflussnehmende Beobachter von objektiv sich vollziehenden Ereignissen, losgelöst von uns selbst.  Bisher glaubten wir, diese Ereignisse seien messbar und mit den uns vertrauten Erklärungsmodellen auch erklärbar. Tatsächlich sind wir, in Anbetracht der Ergebnisse aus der Quantenphysik, vielmehr aufgerufen zu einer Haltung der Bescheidenheit und der Anerkenntnis unserer Beschränktheit. Max Planck sagte hierzu: „Als Physiker, also als Mann, der sein ganzes Leben der nüchternen Wissenschaft, nämlich der Erforschung der Materie diente, bin ich sicher frei davon, für einen Schwarmgeist gehalten zu werden. Und so sage ich Ihnen nach meiner Erforschung des Atoms dieses: Es gibt keine Materie an sich! Alle Materie entsteht und besteht nur durch eine Kraft, welche die Atomteilchen in Schwingung bringt und sie zum winzigsten Sonnensystem des Atoms zusammenhält. Da es aber im ganzen Weltall weder eine intelligente noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie! Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre!“ Einstein (1879–1955), der wohl bedeutendste Physiker der Wissenschaftsgeschichte, meinte: „Jeder, der sich ernsthaft mit der Wissenschaft beschäftigt, gelangt zu der Überzeugung, dass sich in den Gesetzen des Universums ein Geist manifestiert. Ein Geist, der dem des Menschen weit überlegen ist.“
24:28
May 24, 2021
Psychologie für den Alltag - Bestimmt die Materie unseren Geist oder unser Geist die Materie?
Aus Sicht der Quantenphysik entfaltet sich die Welt aus einer Leere. Alles tritt aus dem Zustand der Leere, dem Vakuum, in eine wirkliche Erscheinung. Erwin Schrödinger (1887–1961), Physiker und Nobelpreisträger, sagte 1956 hierzu: „Unsere jetzige Denkweise hätte eine kleine Bluttransfusion aus östlichem Gedankengut notwendig.“ Max Planck (1858–1947), Physiker und Nobel-preisträger, meinte: „Es gibt keine Materie, sondern nur ein Gewebe von Energien, dem durch intelligenten Geist Form gegeben wurde […]“ Diesen intelligenten Geist können wir als unser Bewusstsein verstehen. Es ermöglicht die in dem Feld bzw. dem Meer aller Möglichkeiten liegenden Information durch Erkennen und Verarbeiten über die Vernunft zu öffnen. In gleicher Weise ermöglicht unser Unterbewusstsein diese Information zu erkennen und zu verarbeiten, hier jedoch über unsere Gefühle bzw. unsere Intuition. Ohne das Bewusstsein kann es somit keine Welt geben. Alle Erfahrung, alles Wissen, das wir haben, entstand über unser Bewusstsein. Alle Materie kann nur über ein Bewusstsein erkannt werden; existiert erst durch unser Bewusstsein. Ohne Geist gibt es keine Materie. Somit ist das Wesen der Natur geistig und nicht materiell. Viele Untersuchungen belegen, dass unser Gehirn bereits Aktivitäten für Handlungen zeigt, bevor unser Bewusstsein von einer bevorstehenden Handlung weiß.
22:18
May 20, 2021
Psychologie für den Alltag - Spontanität und Beziehungen
Der Spontanität kommt ein sehr großer Stellenwert zu, denn in gewisser Weise öffnet sie das Tor zu dem, was wir dem Reichtum unseres Unbewussten und der sich von dort ableitenden Gefühlen entnehmen können. Immer wenn wir uns spontan mitteilen – über Worte, Gesten oder auch Handlungen - können wir davon ausgehen, dass dies authentisch dem entspricht, was in uns vorhanden ist. In der Spontanität liegt insofern viel Wahrheit. Sie kann zurecht beanspruchter Ausdruck von Aufrichtigkeit sein, denn das, was der Spontanität entspringt, ist nicht das Ergebnis einer zuvor vorgenommenen Prüfung bzw. Zensur. Insofern ist es auch nicht das Ergebnis einer Filterung: es ist das Unmittelbare, deckungsgleich mit dem in uns tatsächlich vorhandenen tiefen Empfinden. In Anbetracht dieser Feststellungen können wir einen Bereich unseres Lebens benennen, in welchem diese Art der Spontanität – als Ausdruck des Wahren in uns Vorhandenen – ihren berechtigten Platz haben darf und auch haben sollte. Es sind die nahen Beziehungen zu den Menschen, die uns umgeben und zu denen wir eine sehr enge, innige, von Liebe, liebevoller Zuwendung, Wertschätzung, Respekt und Anerkennung gekennzeichnete Bindung haben. In diesen Beziehungen sollte es möglich sein, Spontanität zu leben, unsere Gefühle, Bedürfnisse, Wünsche, Sehnsüchte und ebenso unsere Ängste, Befürchtungen und Zweifel zuzulassen und mitzuteilen. Dies sollte immer auch dann möglich sein, wenn uns danach ist. Dies bedeutet, es nicht nach einem vorgegebenen Zeitplan zu tun, welcher Ausdruck einer Planung oder Organisation wäre.
16:08
May 16, 2021
Psychologie für den Alltag - Was soll ich denn machen?
Der Ausdruck von vollkommener Überforderung und Hilflosigkeit ist durchaus nicht an ein bestimmtes Alter, einen Bildungsgrad, sozialen Status oder auch eine bestimmte Lebenserfahrung gebunden. Insofern sind Fragen in Verbindung mit der Formulierung: „Was soll ich denn machen?“, überdurchschnittlich oft bei allen möglichen Menschen anzutreffen und für die Konfrontation mit den eigenen Schwierigkeiten und Konflikten geradezu charakteristisch. Das ist deshalb verständlich, weil wir in ganz besonderer Weise dazu neigen, in ein entwicklungsgeschichtlich frühes Erleben und Verhalten zurückzufallen – zu regredieren – wenn wir uns in Situationen mit einem subjektiv hohen Anforderungscharakter wiederfinden. Entscheidend ist hierbei nicht, ob es sich nach irgendwelchen „objektivierten“ Maßstäben um eine sehr anspruchsvolle Situation handelt, es reicht das eigene subjektive Erleben. Die mit der Regression verbundenen Erlebens– und Verhaltensmuster sind in uns niedergelegt, gut abgespeichert und können durch eine entsprechende Situation jederzeit aktiviert werden. Entwicklungsgeschichtlich haben wir alle diese Phase der Hilflosigkeit und Bedürftigkeit erlebt und durchlaufen. Wir brauchten in frühen Jahren die Anlehnung, die Hilfe und den Beistand – zunächst von unseren Eltern, sofern vorhanden, oder aber von vergleichbaren elterlichen Personen im Umfeld der Familie, des Kindergartens, der Schule oder des Freundes– und Bekanntenkreises. Somit kennen wir diese Situation aus eigenem Erleben sehr gut. Mit der dann vollzogenen Sozialisation und dem Heranwachsen in der Familie, der Schule und dem privaten Umfeld wurden wir einerseits dazu angehalten eigenverantwortlich und selbstständig zu entscheiden und vorzugehen, andererseits wurde uns paradoxerweise zeitgleich stets der Hinweis auf Vorbilder, Vorgaben, Festlegungen, Vorschriften und Regeln vermittelt, welche als Maßstab bzw. Orientierung zu verstehen sind.
23:22
May 12, 2021
Psychologie für den Alltag - Humor
Es ist ein Teil unserer überlieferten Lebensweisheiten, dass das Lachen gesund ist. Erst Ende der 1960er Jahre begann eine wissenschaftliche Beschäftigung mit den therapeutischen Wirkungen des Lachens. So brachte man Testpersonen zum Lachen und untersuchte Blutwerte vor, während und nach dem Lachen. Auf diese Weise ließen sich überraschende Reaktionen des Immunsystems feststellen. Das Lachen beeinflusste die Menschen so nachhaltig, dass sie mit einer vermehrten Produktion ihrer Abwehrkräfte reagierten. Die Wirkungen des Lachens auf das Immunsystem konnten hierdurch erfasst werden. Die sich damit befassende Wissenschaft nennen wir heute Gelotologie (griechisch: gelos – „lachen“). Diese vielfältigen Auswirkungen auf unsere körperliche, seelische und geistige Verfassung gleichen in vielen Anteilen exakt dem, was wir inzwischen ebenfalls anhand zahlreicher Untersuchungen aus der Wirkung sowohl der Meditation als auch des Yoga kennen. Somit könnten wir schlussfolgern, dass wiederholtes, regelmäßiges herzhaftes Lachen am Tag den gleichen Stellenwert haben kann wie eine Einheit der Meditation oder des Yoga. Sinnvollerweise besteht die beste Art für sich selbst zu sorgen darin, diese verschiedenen Facetten unseres Lebens miteinander in Verbindung zu bringen.
19:45
May 8, 2021
Psychologie für den Alltag - Es lohnt sich, gut für sich zu sorgen
Je höher oder tiefer unsere Bewusstheit für das ist, was in uns vorgeht und uns bestimmt, umso mehr sind wir in der Lage in einem wünschenswerten und gesunden Maß dafür zu sorgen, uns selbst und den Mitmenschen Gutes zukommen zu lassen. Das Leben in unserer westlichen, modernen und an allen möglichen Stellen technisierten Welt ist zu vielen Gelegenheiten in so hohem Maße komplex und vielschichtig geworden, dass die Möglichkeit, uns auf automatisiert ablaufende Muster des Denkens, Fühlens und Verhaltens zu verlassen, immer mehr mit einem Risiko bzw. einer Gefahr behaftet ist. Insofern sollten wir über ein höheres Ausmaß an Bewusstheit sicherstellen, dass wir uns im Denken, Fühlen und Verhalten gemäß dem ausrichten, womit wir uns weitgehend oder vollständig identifizieren können. Hierbei können uns die Gelegenheiten der Selbstbesinnung helfen, ob in einem meditativen Zustand, einem Austausch mit einem vertrauten und nahestehenden Menschen oder in einer Selbsterfahrung in Verbindung mit einem professionellen Helfer, Ratgeber oder Therapeuten. Natürlich erfordern diese Formen der Konfrontation mit dem eigenen Selbst die Bereitschaft, sich sich selbst gegenüber und auch einem Anderen gegenüber zu öffnen. Wobei auch hier – wie an vielen anderen Stellen sozialen Miteinanders – die Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit eine notwendige Voraussetzung ist.
16:10
May 4, 2021
Psychologie für den Alltag - Vorsicht vor der Wenn-Dann-Falle
So hilfreich sie uns in unserem alltäglichen Leben eine Wenn-Dann-Kausalität sein kann, so sehr kann sie uns behindern, einschränken und uns lebensuntauglich machen. In der Verknüpfung als solcher liegt ein Zusammenhang, der mit einer Bedingung verbunden ist. Dies bedeutet sinngemäß immer, dass ein Tun oder Nicht-Tun immer nur im Zusammenhang mit einer Folge zu sehen ist und damit auch in einer Abhängigkeit dazu steht. In einer Umkehrung kann das bedeuten, dass wir nur bereit sind etwas zu tun bzw. nicht zu tun, wenn bestimmte Voraussetzungen gegeben sind. Im Alltag kann sich das darin bekunden, dass wir sagen: Wenn du mitkommst, dann gehe ich auch; Wenn ich dafür dieses oder jenes bekomme, dann bin ich bereit …; Wenn die äußeren Bedingungen es erlauben, dann werde ich …; Wenn die Zeit reif ist, dann kann ich …; Wenn ich mich gut fühle, dann werde ich … etc. Diese Beispiele kennen wir alle aus unserem täglichen Leben, sie lassen sich in einer unendlichen Reihe weiterführen und an allen möglichen Stellen des Lebens erkennen. Wir sind es gewohnt, uns in einem geradezu automatisierten Muster von bestimmten Bedingungen, die in uns selbst, in anderen oder auch den Umständen liegen mögen, abhängig zu machen. Erst wenn bestimmte dieser Bedingungen erfüllt sind, finden wir uns häufig bereit etwas zu tun oder zu unterlassen. In dieser Weise machen wir uns unmerklich abhängig. Was wir entscheiden und tatsächlich dann auch bereit sind in Handlungen umzusetzen und Verhalten zu verwirklichen, ist nicht losgelöst und ausschließlich von unseren Wünschen, Bedürfnissen und Motiven bestimmt, sondern es ist letztlich von den zur Bedingung gemachten Faktoren bestimmt. Erst wenn diese erfüllt sind, dann werden wir agieren, sofern wir es denn auch tatsächlich tun. Genau darin besteht die Falle: Uns in dieser Weise von bestimmten Konditionen in uns abhängig zu machen, ob nun bei anderen oder den Umständen, lässt uns nicht wirklich selbstbestimmt, unabhängig und frei entscheiden und handeln.
25:00
April 29, 2021
Psychologie für den Alltag - Es war doch nur gut gemeint
Wer von uns hat nicht schon die Erfahrung gemacht, mit einer solchen Aussage: „Es war doch nur gut gemeint“, konfrontiert gewesen zu sein. Es handelt sich um eine klassische Aussage, die immer dann getroffen wird bzw. zu hören ist, wenn offensichtlich geworden ist, dass etwas Beabsichtigtes, Gewolltes oder Angestrebtes nicht eingetreten ist. Wobei sich die Aussage auf das Agieren eines Menschen bezieht, der im Vorfeld seines Tuns einen oder mehrere anderen Mitmenschen nicht einbezogen hat.  Im Nachhinein lässt sich aufgrund dessen nicht selten eine damit verbundene Grenzüberschreitung feststellen. Dies bedeutet, dass eine bestehende natürliche oder absichtlich gesetzte Grenze zu einem anderen nicht beachtet wurde und eigenmächtig von dem Handelnden überschritten wurde. Die damit verbundenen bewussten Intentionen scheinen ausschließlich positiver Natur gewesen zu sein. Dennoch offenbart sich die Bereitschaft des Handelnden, die Befindlichkeiten auf der anderen Seite zunächst zu übergehen und außer acht zu lassen bzw. ganz bewusst zu ignorieren. Dies lässt einen Mangel an Achtsamkeit und Respekt in Verbindung mit einer Ausrichtung ausschließlich auf die eigenen Überzeugungen, Bedürfnisse und Wünsche erkennen.
15:22
April 25, 2021
Psychologie für den Alltag - Das Gute und das Schlechte in uns
Die Widersprüchlichkeit in unserem Empfinden und Erleben ist nichts Ungewöhnliches. Wir sind einerseits bestimmt von Persönlichkeitsanteilen, zu denen wir uns gern und offen, ohne offensichtlichen Konflikt bekennen wollen, andererseits tragen wir jedoch solche Anteile in uns, die wir uns selbst nicht eingestehen möchten und erst recht nicht anderen zu erkennen geben wollen. Sigmund Freud (1856–1939), österreichischer Neurologe und Begründer der Psychoanalyse, hat uns den Stellenwert des dynamischen Unbewussten in vielen seiner Schriften deutlich gemacht und uns auf den Widerstreit der in uns vorhandenen Triebimpulse – sexueller und aggressiver Ausrichtung – mit der uns ebenfalls kennzeichnenden und bestimmenden Gewissensinstanz hingewiesen. In dieser Gewissensinstanz tragen wir unser Wunsch– bzw. Idealbild von uns selbst. Um diesem gerecht zu werden, müssen wir die nicht damit in Einklang stehenden negativen, sexuellen oder aggressiven Anteile unterdrücken, verdrängen, verleugnen oder von unserem bewussten Erleben abspalten. Dieser Vorgang kann so erfolgreich gelingen, dass wir selbst nicht mehr davon ausgehen, negative und unvereinbare Anteile in uns zu tragen. Wir glauben aufgrund unserer Verdrängungsleistung selbst daran, dass wir nur positive und edle Motive in uns tragen. Auf diese Weise betrügen wir uns selbst, glauben selbst, dass unser Schein das wahre Sein widerspiegelt.
19:12
April 22, 2021
Psychologie für den Alltag - Intensität
Eine gelebte Intensität setzt eine bewusste Zu- bzw. Hinwendung auf etwas Bestimmtes voraus. Dieses kann sowohl etwas sehr Konkretes und Spezifisches sein als auch die Ganzheit dessen, was uns zu einem bestimmten Zeitpunkt umgibt, wie z. B. eine soziale Situation, die Mitmenschen oder die Natur, in der wir uns gerade befinden. Die Intensität des Erlebens setzt stets das bewusste Öffnen unserer Sinne voraus, mit denen wir sehen, hören, riechen, schmecken oder fühlen können. Ebenso gilt das für das Zulassen von Zeitspannen, die notwendig sind, damit unsere Sinne die jeweiligen Informationen, die sich bieten, aufnehmen können. Erst dann können wir uns der Intensität bewusst werden, sie erkennen, deuten und tief in uns wirken lassen. Ganz offensichtlich ist ein solches Vorgehen vergleichbar der Bewusstheit wie wir sie im Fall der Achtsamkeit erleben können. Achtsamkeit ist in diesem Sinn als Ausdruck eines Gewahrwerdens oder Gewahrseins (mindfullness) zu verstehen. Wobei sich diese Form der Achtsamkeit nicht nur auf einen anderen Menschen beziehen muss, im Sinne einer interaktiven Zuwendung, sondern sie kann sich auf alles uns Umgebende richten, vom Kleinsten bis zum Ganzen, alles Umfassenden. Die damit verbundene Bewusstheit bzw. das Gewahrsein öffnet die Tür zur Intensität des Erlebens, erst dann können wir eine entsprechende Tiefe unserer Empfindungen erreichen, aus welcher sich neue Impulse, Regungen und auch weitergehende Möglichkeiten des Fühlens und Empfindens ergeben. Es kann auf diese Weise zu einer Initialzündung kommen, aufgrund derer weitere Prozesse des Erlebens eingeleitet werden, die sich gegenseitig in positiver Weise verstärken. Wir können eine solche sich positiv verstärkende Dynamik auch im Zusammensein mit einem oder mehreren anderen Menschen erleben, wenn in einer bestimmten sich dazu eignenden sozialen Situation – z. B. gemeinsames Singen, Tanzen, Meditieren oder auch Gestalten – der Funke von dem einen zum anderen überspringt und es zu einer Potenzierung des Erlebten kommt. In gleicher Weise kann sich das in uns selbst vollziehen, wenn wir uns ganz öffnen und uns einem Inhalt, in unserem Inneren oder auch im Außen, zuwenden.
20:22
April 18, 2021
Psychologie für den Alltag - Authentisch sein
Haben wir es im sozialen Alltag mit einem Menschen zu tun, mit dem wir aufgrund seiner Haltung Authentizität verbinden, erleben wir es als angenehm, sind positiv berührt und genießen den aufrichtigen und überzeugenden Kontakt. Tatsächlich sind wir in einer solchen Situation vollkommen frei von dem Bemühen, welches mit Gedanken, Überlegungen und vielleicht auch Zweifeln verbunden ist, klären zu wollen, ob die Mitteilungen und Botschaften des Anderen glaubhaft und zutreffend sind. Sowohl im privaten Lebensbereich als auch in unserem beruflichen Alltag schätzen wir es, wenn wir es mit authentischen Menschen zu tun haben. Bezüglich unseres privaten Umfeldes sind wir in besonderem Maße darauf angewiesen, Vertrauen haben zu können, denn nur dann können wir uns selbst öffnen um vielleicht auch sehr persönliche Gedanken oder Gefühle mitzuteilen. Jedoch auch im beruflichen Alltag, der an vielen Stellen mit Verantwortungen und Verpflichtungen verbunden ist, sind wir darauf angewiesen, dass uns Kollegen, Mitarbeiter oder auch Vorgesetzte mit Aufrichtigkeit und Echtheit begegnen. Auch hier kann es nur von Vorteil sein, wenn wir das sichere Gefühl haben, dass unser Gegenüber uns mit Authentizität begegnet. Ein ehrliches und offenes Miteinander kann sich positiv auf die Zusammenarbeit, die gemein-samen Vorhaben und angestrebten Ziele auswirken.
16:28
April 14, 2021
Psychologie für den Alltag - "Weiß ich nicht." - Was bedeutet diese Antwort?
„Weiß ich nicht“ - als Antwort auf eine Frage kann Ausdruck einer uns bestimmenden Abwehr sein, welche es uns zunächst untersagt anhand von Assoziationen, Einfällen und Erinnerungen weiter in die Tiefe unseres Selbst  vorzudringen. In unserem Unbewussten befinden sich alle Erfahrungen, Erlebnisse, Vorstellungen, Gedanken, Wünsche, Phantasien und Regungen, welche wir im Verlaufe unserer Entwicklung aus dem Bewusstsein verdrängt haben. Es beinhaltet sowohl Vergangenes als auch Gegenwärtiges, das mit dem aktuellen, bewussten Erleben, Denken, Fühlen nicht in Übereinstimmung zu bringen ist. Ist uns insofern in unserem alltäglichen Erleben etwas unverständlich und nicht erklärbar – wie z. B. der Inhalt eines Traumes – sollten wir sinnvollerweise auf die umfangreichen Möglichkeiten, die sich aus dem Meer der in unserem Unbewussten abgelegten „Daten“ zurückgreifen. Wenn es um die Beantwortung von Fragen oder die Suche nach Lösungen für Rätselhaftes und Unklares, jedoch uns Bestimmendes geht, ist es somit in hohem Maße sinnvoll, sich bewusst dieser Quelle zu bedienen.
20:37
April 10, 2021
Psychologie für den Alltag - Träume
Die biologische Funktion des Traumes können wir darin sehen, dass er regulierend Spannungen abbaut und im Abgleich der uns bestimmenden instinkthaften Regungen mit der Realität hilft, Lernprozesse zu fördern. Im psychodynamischen Verständnis sorgt der Traum durch seine Funktion dafür Spannungen, welche aus den Wider-sprüchen des Bewusstseins und des Unbewussten resultieren, über die Traumarbeit bzw. Traumgestaltung abzubauen. Bezüglich der Deutung der Träume lassen sich sehr viele verschiedene Ebenen berücksichtigen, welche Aufschluss geben und Informationen liefern. Welche Deutung auch immer vorgenommen wird, sie sollte stets nur in Verbindung mit den Phantasien, Einfällen und Assoziationen des Patienten erfolgen und niemals nur von außen als Zuschreibung erfolgen. Aufgrund meiner eigenen Erfahrung in der Arbeit mit Träumen im Rahmen meiner psychotherapeutischen Tätigkeit mit Patienten zeigt sich immer wieder von Neuem, dass die Träume durchaus als ganz wesentliche Informationsquelle bzgl. dessen dienen können, was uns auf einer unbewussten Ebene bewegt, berührt und beschäftigt. Dies betrifft sowohl Inhalte aus unserer aktuellen Lebenssituation, als auch solche, die weiter zurückliegen, uns aus den unterschiedlichsten Gründen jedoch immer noch bewegen. Nehmen wir uns die Zeit, lassen uns auf die Träume ein, versuchen sie in allen Details zu erinnern und schauen, welche Einfälle und Assoziationen mit dem Traum als Ganzes oder mit bestimmten, scheinbar auch unwesentlichen Details, verbunden sind, können wir viel tiefer in unser Innenleben eindringen und Aufschlüsse über unser Gefühlsleben erhalten. Diese können uns helfen, bessere Wege für unsere Entscheidungen und unser Handeln zu finden.
21:03
April 5, 2021
Psychologie für den Alltag - Warum sollten wir in unserem Alltag einen Kontrapunkt haben?
Sind wir in einer Situation, die über eine kurze oder auch längere Zeitspanne ein hohes Maß an Konzentration und Anspannung erfordert, wird es für uns notwendig und sinnvoll sein, auf körperlicher, seelischer und geistiger Ebene eine Entspannung herbeizuführen. Je mehr das, was wir tun, mit Anspannung verbunden ist und je länger diese Phasen der Anspannung andauern, umso wichtiger werden die Phasen der Entspannung und Regeneration sein, die wir brauchen. Nicht umsonst heißt das Sprichwort: „In der Ruhe liegt die Kraft.“ Sofern wir über eine Form der Entspannung eine Entlastung und Befreiung erleben können und damit die Möglichkeit finden, uns auf allen Ebenen unseres Erlebens von den zuvor übernommenen Aufgaben, Verpflichtungen und Verantwortungen zu distanzieren, umso motivierter und effektiver werden wir allen weiteren und neuen Anforderungen gerecht werden können. Wir setzen damit einen Kontrapunkt im Sinne eines Gegenpols zu dem, was uns unter Anspannung hält. Schauen wir auf Sportler während ihrer Wettkampfveranstaltungen, können wir fortlaufend beobachten, wie sie sich entlang eines Wechselspiels von Anspannung und Entspannung bewegen.
16:59
March 31, 2021
Psychologie für den Alltag - Es tut mir leid, ich hatte keine Zeit
Wir sind nicht Opfer der Zeit, wir gestalten die Zeit. Dies sollte uns stets bewusst sein. Es liegt an uns selbst, zu entscheiden und zu bestimmen, wie wir mit der Zeit umgehen – trotz aller Verpflichtungen, Verantwortungen und Aufgaben. Wir sind diesbezüglich so wenig Opfer, wie an vielen anderen Stellen unseres Lebens auch. Die Frage ist nur, ob wir uns dessen bewusst sind. Auch bezüglich der Zeit gilt das Lebensmotiv von Nelson Mandela, welches er dem Gedicht Invictus von William Ernest Henley (1849–1903) entnommen hat, welches sinngemäß besagt: „Ich bin der Meister meines Schicksals, ich bin der Kapitän auf meinem Boot.“ Insofern gilt in gleicher Weise bzgl. der Zeit: Ich bestimme, was mir wichtig ist, wann und wofür ich mir die Zeit nehme. An dieser Stelle, wie auch an vielen anderen Stellen unseres Lebens, haben wir somit die Möglichkeit uns aus einer Opferhaltung herauszulösen, um alternativ das Selbstverständnis eines aktiven, kreativen, schöpferischen und selbstbestimmten Gestalters unserer eigenen Wirklichkeit, unserer eigenen Zeit, zu entfalten. Die Folge ist ein Gewinn an Lebensqualität für uns selbst und auch unsere Beziehung zu allem uns Umgebenden, einschließlich unserer Beziehungen zu anderen Menschen.
13:17
March 28, 2021
Psychologie für den Alltag - Das Gute im Schlechten
Lassen wir uns von einer positiven Haltung leiten, hat dies verständlicherweise vollkommen andere Auswirkungen, als wenn wir uns von einer negativen Haltung bestimmen lassen. Insofern scheint es in allen Situationen des Lebens sinnvoll stets auch das Positive zu berücksichtigen und es unter Umständen zum Maßstab des Vorgehens zu machen. Natürlich ist dies kaum möglich, wenn es darum geht, den schmerzvollen Verlust eines geliebten Menschen zu beklagen oder das Leid von Menschen hinnehmen zu müssen, die schrecklichen Qualen ausgesetzt sind. Möglicherweise reicht es das Ende einer als wunder-voll erlebten Zeit akzeptieren zu müssen. Alles das kann uns fast unmöglich erscheinen und ist vielleicht mit großem Kummer, mit Leid und Schmerz verbunden. Doch auch in solchen Situationen des Lebens erscheint es hilfreich und sinnvoll zu fragen, welche Kraft sich aus dem Erlebten entfalten könnte, sodass sich aus dem offensichtlich Schlechten etwas Gutes ableiten ließe. Die Lebenserfahrung im Verlauf der Menschheitsgeschichte legt uns nahe, zu erkennen, dass aus allem Negativen und Schlechten – wenn auch erst nach langer Zeit – etwas Positives bzw. Gutes entstehen kann. Diese Haltung sollte uns im täglichen Denken, Fühlen, Entscheiden und Handeln leiten.
19:38
March 24, 2021
Psychologie für den Alltag - Die Brücke - der kürzeste Weg zum anderen
Ohne eine solche Brücke kann es keine Einfühlung, kein Mitgefühl bzw. Empathie geben. Sie ist die Voraussetzung dafür. Tatsächlich kann es unter Umständen hilfreich sein, diese Brücke im Bewusstsein konkret, nahezu im Sinne einer Visualisierung und somit einem Bild miteinzubeziehen, denn es kann das Nachvollziehen dessen, was im anderen (hier im Fall des Patienten) vor sich geht, möglich machen. Umso bedeutsamer ist dies, je fremder die berichteten und geschilderten Erlebnisinhalte dem eigenen Erleben sind. Dort, wo es aufgrund eines gegebenen Gleichklanges ohnehin zu einer sogenannten Resonanz (einem Mitschwingen) kommt, ist das bewusste Arbeiten mit dem Bild einer Brücke nicht unbedingt erforderlich. Im Rahmen der Arbeit mit hilfebedürftigen Menschen gilt es einen Grundsatz zu berücksichtigen, welcher lautet: Man soll den Menschen dort abholen, wo er steht. Dies bedeutet, auf den Anderen zuzugehen, sich dort hinbewegen, wo er sich befindet, um ihn dort abzuholen. Es ist zeitweise auch für einen erfahrenen Helfer erschreckend, feststellen zu müssen, wie wenig ausgebildet diese Bereitschaft in Menschen vorhanden ist, den Weg über die Brücke zur anderen Seite auf sich zu nehmen. Nicht zufällig können wir die Beschäftigung mit der Brücke als Symbol der Verbindung auch in vielen Darstellungen der Kultur und der Kunst, ob in Bild, Schrift oder auch Ton, wiederfinden.
14:39
March 20, 2021
Psychologie für den Alltag - Zur Bedeutung positiver Energie
Wenn wir uns bewusst machen, von welch großer Bedeutung positive Energien für unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden sind, können wir uns fragen, welches die wohl entscheidenden Faktoren im Leben sind, die zu einer Steigerung dieser positiven Energie beitragen. Ist es wirtschaftlicher Erfolg, die Anhäufung von Geld und materiellem Wohlstand, ein ständiger Zuwachs an Anerkennung und narzisstischer Gratifikation? Inzwischen vorliegende, sehr überzeugende Untersuchungen belegen, dass es nicht diese Merkmale sind, die für in uns wirksame und heilsame positive Energien verantwortlich sind. Vielmehr ist es die Qualität von Beziehungen, die wir leben. Es zeigt sich, dass es nicht viele sein müssen, jedoch die, welche wir haben – zum Partner, den Kindern, den Eltern, Freunden – von großer Bedeutung sind für eine tiefe Zufriedenheit und ein tiefes Glücksempfinden. Diese Beziehungen scheinen die Quelle positiver Energie zu sein, die uns nähren kann und uns in die Lage versetzt sie weiter zu geben, mit allem was wir tun. Sind wir von dieser positiven Energie erfüllt, verändert sich die Beziehung zur gesamten Schöpfung in spürbarer und grundlegender Weise. Um diese positive Energie zu bewahren und uns vor dem Einfluss negativer zu schützen, sollten wir uns unter Umständen ganz bewusst mit einem imaginären, vorstellungs-mäßigen bzw. visualisierten Schutzschild umgeben.
15:51
March 17, 2021
Psychologie für den Alltag - Selbstbestimmung auf unterschiedlichen Ebenen
Im sozialen Alltag gehen wir in der Regel davon aus, dass wir im Falle einer Verletzung oder Erkrankung durch die Maßnahmen, die von ärztlicher Seite eingeleitet werden – im Sinne von operativen Eingriffen, konservativen therapeutischen Maßnahmen oder auch durch die Einnahme von Medikamenten – geheilt werden. Wohl in den allermeisten Fällen erleben und empfinden wir uns abhängig von solchen Hilfen. Ohne diese fühlen wir uns unter Umständen ohnmächtig und unserem Schicksal ausgeliefert. Durch das Agieren von vielen helfenden Seiten werden wir nicht selten in dieser Haltung und Überzeugung bestärkt. Tatsächlich jedoch erfolgt Heilung als solche nie von außen. Von außen kommen all die stützenden und helfenden Maßnahmen und Bedingungen, sogar im Falle der Transplantation eines Herzens. Die Heilung als solche erfolgt jedoch stets von innen und wird durch die entsprechenden Einwirkungen von außen erst in Gang gesetzt und damit möglich. Die Bewusstheit darüber, dass Heilung von innen erfolgt, lässt uns aus der Passivität, der Hilflosigkeit und dem Ausgeliefertsein heraustreten. Wir können initiativ werden, selbst Einfluss nehmen, mitbestimmen und entscheiden. Wir können auch bewusst Möglichkeiten und Hilfsmittel wählen, um innere Vorstellungen, Bilder, Bedürfnisse und Wünsche real werden zu lassen. Diese tiefe Einsicht unserer Möglichkeiten, selbstbestimmt mitzuwirken, wird der Erkenntnis gerecht, wonach das Glück in den eigenen Händen liegt. Sofern wir diese Erkenntnis auf die körperliche, geistige und seelische Gesundheit übertragen, erlangen wir ein grundlegend verändertes Verständnis im Sinne einer Selbstbestimmung hinsichtlich der Einflussmöglichkeiten auf das Leben.
21:22
March 14, 2021
Psychologie für den Alltag - Warum tun wir uns mit positiven Rückmeldungen so schwer?
In unserem sozialen Alltag sind wir an sehr vielen Stellen auch mit positiven Erlebnissen konfrontiert. Dies betrifft die kleinsten sozialen Inter-aktionen beim Einkaufen im Supermarkt, Begegnungen mit dem Müllmann, Briefträger, Telefonaten zwecks Terminvereinbarungen oder Spaziergängen im Freien ebenso wie die sozialen Kontakte, denen wir eine entsprechende Wichtigkeit und Bedeutung zusprechen, wie das Gespräch mit einem Familienmitglied, Freund, Bekannten, Vorge-setzten oder den förmlichen Begegnungen in Institutionen und Behörden. Positive Rückmeldungen aufgrund einer punktuellen positiven Erfahrung stehen uns jederzeit zu, hierfür gibt es kein ‚No–Go‘. Es ist nichts, was verboten, unangemessen oder schädlich sein könnte. Insofern stellt eine solche positive Rückmeldung durchaus keinen Fauxpas dar, was im Französischen bedeutet, einen falschen, weil unangemessenen und grenzüberschreitenden Schritt (Fehltritt) zu tun. In diesem Sinne wäre es ein unbeabsichtigter Verstoß gegen unge-schriebene Umgangsformen. Handelt es sich um eine aufrichtige und der Situation angemessene positive Rückmeldung, welche einfühlsam und authentisch vermittelt wird, besteht keine Veranlassung sie als taktlos oder gar als Affront (Brüskierung) zu interpretieren. So wie es uns frei steht in einer konkreten Situation eine solche positive Rückmeldung zu geben, können wir uns jederzeit dazu entscheiden es auch in einer grundsätzlichen Weise zu tun, in dem wir uns damit auf ein situationsüberdauerndes, weiter zurückreichendes und damit mög-licherweise jemanden kennzeichnendes Merkmal beziehen. Wahr-scheinlich kennen wir es alle, in Bezug zu bestimmten Menschen, aufgrund zurückliegender Begegnungen und Erfahrungen mit diesen, konkrete positive Empfindungen mit ihnen zu verbinden. Wie oft bzw. wie selten nehmen wir jedoch die Gelegenheit wahr sie dies auch wissen zu lassen, ohne Anlass, einfach nur weil uns danach ist?
17:26
March 12, 2021
Psychologie für den Alltag - Wie kann ich das denn ändern?
Veränderung bedeutet insofern immer auch Arbeit am eigenen Selbst. Genau hier jedoch liegt das Problem. Wir sind es – nicht zuletzt durch unsere Sozialisation – gewöhnt, bevorzugt die Verantwortung für wiederkehrende Erlebnisse und Abläufe im Draußen zu suchen. Bezeichnenderweise besagt eine aus dem Amerikanischen kommende Empfehlung im Umgang mit einer schwierigen, problematischen, frustrierenden und ärgerlichen Situation: Take it, change it, or leave it! was bedeutet, solche Situationen anzunehmen, sie zu verändern oder aber zu verlassen. Nicht explizit angesprochen ist in dieser Empfehlung die Möglichkeit an sich selbst zu arbeiten, sich selbst zu verändern, um möglicher-weise neue Wege im Umgang mit der Situation zu finden. Diese neuen Wege könnten die Voraussetzung sein, damit sich auch die Situation wandelt. Grundsätzlich haben wir immer die Möglichkeit im Draußen anzusetzen oder in uns selbst.
16:27
March 8, 2021
Psychologie für den Alltag - Dankbarkeit als Medizin
Die heute an vielen universitären Stellen vertretene wissenschaftliche Erforschung der Dankbarkeit (sogenannte Dankbarkeitsforschung) geht auf den Beginn der 2000er–Jahre zurück und ist insofern ein noch sehr junges Forschungsgebiet. Dies ist wohl auch dadurch bedingt, dass die Psychologie und Medizin es traditionell viel mehr gewohnt sind, negative Qualitäten unseres Seins zu untersuchen als sich mit positiven zu befassen. Anders verhält es sich mit den Fragen zur Dankbarkeit im Rahmen der Religionen oder auch der philosophischen Diskussionen. Hier gibt es weit zurückreichende Abhandlungen darüber. In diesem Kontext der Betrachtung war es z. B. wichtig zwischen dem Gefühl der Dankbarkeit, welches ausschließlich positiv ist und dem Gefühl einer Dankesschuld, welches negativ empfunden wird, zu unterscheiden. Letztere ist mit dem Gefühl verbunden sich einer Verpflichtung stellen zu müssen, da es darum geht, eine zuvor erhaltene Hilfe auf irgendeine Art zu vergüten. Insofern entspringt dieses Gefühl der Dankbarkeit dem Gewissen – im Gegensatz zum ersten, welches dem Herzen entspringt. In allen Weltreligionen, wie der jüdischen, christlichen und islamischen, spielt die Dankbarkeit eine große Rolle und wird in vielfältiger Weise und an unterschiedlichsten Stellen thematisiert. So ist beispielsweise Dankbarkeit für Martin Luther „die wesentliche christliche Haltung“. Ebenso hat die Dankbarkeit im Hinduismus und auch im Buddhismus einen zentralen Stellenwert. Im Buddhismus ist der Gläubige z. B.  dazu angehalten, stets dankbar gegenüber dem Leben, seinen Geschenken und abverlangten Opfern zu sein. Zugleich sieht der Buddhismus in der Dankbarkeit einen wesent-lichen Weg aus dem Kreislauf der Schuld. Wobei es auch hier darum geht, sich von Herzen dieser Dankbarkeit verbunden zu fühlen und nicht aus Gewissensgründen.
21:18
March 4, 2021
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Kreativität
Unbefangenheit, Naivität und Spontanität sind ohne Zweifel kennzeich-nende Merkmale des kindlichen Erlebens. Nicht zufälligerweise können wir bei Künstlern, gleichgültig aus welchen Bereichen, vergleichbare Verhaltensweisen beobachten, da diese sich offensichtlich noch einen Zugang zu dieser Qualität des Erlebens bewahrt haben. Kennzeich-nendes Merkmal des Unbewussten ist es, grenzenlos ohne Ordnung, Widersprüche, Logik und Vorgaben zu sein. Es ist in dieser Eigenart vergleichbar den Träumen, die ein direktes Abbild des Unbewussten darstellen können. Auch in unseren Träumen ist alles möglich, es gibt nichts, was es nicht geben kann, auch wenn ein Teil unseres Verstandes, selbst im Traum noch mit leiser Stimme anwesend, verwirrt und irritiert kommentieren mag: „Das geht doch gar nicht“. Im Traum jedoch, als Ausdruck des Unbewussten, ist nichts unmöglich. Genau diese Freiheit des kreativen Denkens ohne Einengungen und Vorgaben ist es, was sowohl das kindliche Spielen als auch das künstlerische Agieren kennzeichnen kann. Die Motivation dazu kommt überwiegend von innen, dem eigenen Selbst, ist verbunden mit einer Faszination, Begeisterung und leidenschaftlichen Hingabe. Die Freude und Lust am Experimentieren, verbunden mit einer ausgeprägten Neugier, sind starke Antriebsmomente. Sie bilden eine sichere Grundlage für das Zulassen neuer Erfahrungen. Das Fließen der Ideen und Einfälle erfordert ein hohes Maß an Flexibilität, Anpassungs-fähigkeit und Originalität.
19:17
February 28, 2021
Psychologie für den Alltag - Einmal mehr aufstehen als hinfallen
Ohne Zweifel ist es eine besondere Art der Anpassungsfähigkeit, die einen Schlüssel zum Überleben darstellt. Flexibilität, verstanden als Anpassungsfähigkeit und Beweglichkeit auf allen Ebenen unseres Seins kann hier das erfolgreiche Überleben sichern. Betroffen davon ist unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Verhalten. Es war Charles Darwin (1809–1882), britischer Naturforscher, der uns vermittelt hat, dass in der Geschichte der Evolution nicht die Arten überlebten, die sich durch besondere Stärke auszeichneten, sondern die mit der größten Anpassungsfähigkeit. Dies gilt in gleicher und besonderer Weise für die Benachteiligten in unserer modernen Welt. In allem Schlechten ist auch etwas enthalten, was uns auf unserem weiteren Lebensweg nützlich und hilfreich sein kann, es ist somit das Gute im Schlechten. Untersuchungen belegen, dass die Widerstandsfähigkeit bei Kindern aus gut gestellten Mittelschichtsfamilien weniger ausgeprägt ist. Trotz privilegierter Lebensumstände leiden diese häufig an vielfältigen Ängsten, Unsicherheiten und Antriebshemmungen und paradoxerweise, subjektiv empfundenem Unglück. Insofern kann eine Überbehütung in Verbindung mit einem Mangel an Wertevermittlung die Widerstandsfähigkeit im Leben merklich schwächen.
20:09
February 24, 2021
Psychologie für den Alltag - Warum machen wir stets die gleichen Fehler? Lernen wir nichts dazu?
Die tägliche Arbeit im Rahmen meiner psychotherapeutischen Praxis ist gekennzeichnet von den unterschiedlichsten Formen suchthafter Wiederholungszwänge. Menschen durchleben stets von Neuem leidvolle und schmerzhafte Erfahrungen in Ihren Beziehungen und scheinen trotz der teilweise auch traumatisierenden Auswirkungen keinen Ausweg zu kennen, der mit einer Befreiung verbunden wäre. Ganz im Gegenteil scheinen sie sich immer wieder aufs Neue von den gleichen Menschen mit den gleichen charakteristischen Merkmalen angezogen zu fühlen, um die für Außenstehende früh schon erkennbaren, erneuten und wiederholten, leidvollen Erfahrungen zu machen. So kann sich z. B. ein Mann immer wieder eine Partnerin suchen, die ihm über kurz oder lang das Gefühl vermitteln wird, ein Versager zu sein, ihren Ansprüchen nicht gerecht werden zu können, es nicht Wert zu sein, sich mit ihr in einer Beziehung zu befinden. Aufgrund dessen wird sie ihn über kurz oder lang letztlich betrügen. Er seinerseits wird in der Folge beteuern, doch alles für sie getan zu haben, sich bemüht zu haben, ihr jeden Wunsch zu erfüllen und nicht verstehen können, warum sie in dieser Weise mit ihm umgegangen ist. In gleicher Weise kann sich eine Frau stets von Neuem an einen Mann binden und sich mit ihm auf eine Beziehung einlassen, der ebenfalls bereits nach kurzer Kennenlernphase beginnen wird, Verschiedenes, sie Kennzeichnendes, mehr oder weniger direkt in Frage zu stellen. Dies ist dann meist verbunden mit zunehmenden Kränkungen, Entwertungen, Verletzungen, Demütigungen und auch weitergehenden, aggressiven Grenzüberschreitungen. Auch hier wird diese Frau, die Zweifel auf sich selbst richten, den Fehler oder die Versäumnisse bei sich selbst suchen, verbunden mit der Frage, was sie tun könne, um diesem Mann gerecht werden zu können.
25:18
February 20, 2021
Psychologie für den Alltag - Zur Bedeutung des ersten Eindrucks
Da wir alle mit einem Unbewussten ausgestattet sind und alle den Einflüssen dieses, im Positiven wie auch im Negativen, unterliegen, können wir in der Begegnung mit Menschen einen konkreten Moment benennen, zu dem dieses intuitive unbewusste Erfassen eine besonders große Bedeutung hat. Dieser Moment ist der Augenblick des ersten Eindrucks. Bezeichnenderweise können wir vom ersten Augenblick sprechen, da es für uns alle zunächst überwiegend um unsere Augen bzw. unsere visuelle Wahrnehmung geht. Mit dieser erfassen wir ca. 80 % unserer Sinneseindrücke. Auch die Bezeichnung Eindruck bekommt in Hinblick auf das, was in der Folge geschieht eine besondere Bedeutung. Es drückt sich etwas ein, was einen zunächst bleibenden Charakter hat. Es ist nichts Oberflächliches, das gleich wieder vergeht. Mit diesem ersten Eindruck verbunden ist das Herausformen einer ersten bildlichen Vorstellung von einem Menschen verbunden. In diesen ersten Eindruck werden Merkmale, Alter, ethnische Herkunft, Kultur, Sprache, Geschlecht, Aussehen, Akzent, Körperhaltung, Stimme einbezogen.  Die daraus folgende Beziehung wird in starkem Maße von dem zugewiesenen ersten Eindruck abhängig sein.
18:16
February 16, 2021
Psychologie für den Alltag - Auf den letzten Drücker
Laut einer Untersuchung, welche in den USA, Großbritannien, Spanien, Venezuela, Peru und Australien durchgeführt wurde, kann der Anteil der Menschen, die unter einem zwanghaften Prokrastinieren leiden auf etwa zwanzig Prozent der gesamten Bevölkerung geschätzt werden. Nach einer Hochrechnung Amerikas größter Steuerberaterfirma, zahlten die US-Bürger für das Jahr 2002 insgesamt 473 Millionen Dollar zu viel an Steuern, da 40 Prozent ihre Steuererklärungen auf den letzten Drücker und somit oft fehlerhaft erstellt hatten. Der Schaden des Aufschiebens ist jedoch in vielen Fällen nicht nur einer, welcher mit materiellen Einbußen verbunden ist. Wie meine klinische Erfahrung seit vielen Jahren bestätigt, finden wir bei diesen Menschen eine hohe Unzu-friedenheit mit sich selbst, verbunden mit einem Gefühl der Beschämung, sowie auch wiederkehrenden depressiven Einbrüchen. Was liegt dem zugrunde? Die psychodynamischen Ursachen für dieses Verhalten können sehr vielschichtig sein. Das Verhalten als solches, welches sich in Aufschieben, aus dem Weg gehen, Verdrängen und auch Verleugnen bekundet, verbunden mit den oben erwähnten, Rechtfertigungen und Erklärungen, lässt sich als Widerstand gegen die Erfüllung einer Vorgabe, Aufgabe oder Pflicht interpretieren. Möchten wir diesen Widerstand in ein Wort fassen, kann dieses Wort nur in einem „Nein“ bestehen. „Nein ich will das nicht tun!“. Wohl kaum ein Betroffener würde dies sich selbst oder anderen in dieser Klarheit und Deutlichkeit eingestehen und doch bekundet das wiederkehrende Verhalten des Vor-Sich-Her-Schiebens nichts anderes als diese offenkundige Verweigerung.
18:44
February 12, 2021
Psychologie für den Alltag - Was ist die beste Grundlage jeder Beziehung?
Wir können unter Aufrichtigkeit ein Kennzeichen der persönlichen Integrität verstehen. Sind wir aufrichtig, dann sind wir ehrlich uns selbst und auch anderen gegenüber. Wir bekennen uns zu unseren inneren Überzeugungen bzw. Werten und leben diese in dem, was wir sagen und dem, was wir tun. Dies schließt das Bewusstsein ein, dass unser Unbewusstes stets versucht Einfluss zu nehmen und wir somit immer zu prüfen haben, was unser Denken, Fühlen und Verhalten letztlich motiviert. In Pierer’s Universal-Lexikon wurde Aufrichtigkeit im Jahre 1857 definiert als: „Die Übereinstimmung der Rede u. der Handlungen mit der Gesinnung; Gegensatz: Lüge (in Worten) u. Falschheit (im Handeln). Doch erlaubt die A. zu verschweigen, was keine bes. Pflicht zu entdecken gebietet, u. unterscheidet sich dadurch von Offenherzigkeit.“ Im Rahmen des japanischen Verhaltenscodex (Bushido) ist die Aufrichtigkeit eine der genannten sieben Tugenden. Für André Comte-Sponville (geboren 1952), französischer Philosoph, ist Aufrichtigkeit die beste Bezeichnung, um das Verhältnis des Menschen zur Wahrheit zu beschreiben. Unter den Begriffen Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit und Authentizität schien ihm Aufrichtigkeit am geeignetsten.
14:51
February 8, 2021
Psychologie für den Alltag - Wie viele Misserfolge gehen dem Erfolg voraus?
Wenn wir die Erfolge sehen, in welchen Bereichen des Lebens auch immer sie sichtbar werden, so erkennen wir nicht, wie viele Fehlversuche bzw. Misserfolge diesen vorausgegangen sind. Wir haben vielleicht gar keine Kenntnis davon. Je größer die Anzahl solcher vorausgegangenen Misserfolge ist, umso wichtiger ist die Fähigkeit, die erlittenen frustrierenden Erlebnisse zu ertragen und in einer konstruktiven Art und Weise mit ihnen umzugehen, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Die mit den Rückschlägen, Benachteiligungen, Misserfolgen oder sonstigen Enttäuschungen verbundenen seelischen Spannungen gilt es auszuhalten. Wir können in diesem Zusammenhang von der Notwendigkeit zur sogenannten Frustrationstoleranz sprechen. Dieser Begriff wurde von Saul Rosenzweig (1907–2004), einem US–amerikanischen Psychologen und Psychotherapeuten, in die Psychologie eingeführt. Er begreift unter dieser Bezeichnung die Eigenschaft eines Menschen mit solchen frustrierenden Erlebnissen umzugehen. So sind Menschen mit einer geringen Frustrationstoleranz dadurch gekennzeichnet, dass sie in der Folge von Enttäuschung dazu neigen, Aufgaben aufzugeben bzw. abzubrechen und zu resignieren. Zugleich ist dies ein Hinweis auf eine selbstunsichere, schwache Persönlichkeit mit einem eher geringen Selbstbewusstsein und Selbstwertgefühl.
20:44
February 4, 2021
Psychologie für den Alltag - Was haben Stabilität und Flexibilität miteinander zu tun?
Es ist für mich immer wieder aufs Neue faszinierend zu erkennen, wie sich die Einsichten und Erfahrungen aus den unterschiedlichsten Gebieten gleichen, ergänzen und gegenseitig befruchten. In gleicher Weise kann ich aus meiner langjährigen psychothera-peutischen Erfahrung bestätigen, dass die Voraussetzung für eine gefestigte, selbstsichere, selbstbewusste, selbstbestimmte und im inneren Frieden befindliche Persönlichkeit die notwendige Flexibilität im Denken, Fühlen, Entscheiden und Verhalten ist. Nur aus einer ausreichend vorhandenen Flexibilität lässt sich eine souveräne Haltung ableiten. Sie bildet die Grundlage, auf der das eigene Haus der Persönlichkeit stehen kann. In diesem Kontext ist es die scheinbare Paradoxie zwischen zwei Qualitäten, die uns den Weg zu einer tiefergehenden Erkenntnis ebnet. Das, was uns zunächst als gegensätzlich und sich ausschließend erscheint, ist in einer Verbindung die Voraussetzung für etwas Wertvolles. Wir kennen solche Hinweise, die paradox klingen und doch auf eine tiefergehende Einsicht und Erkenntnis hinweisen aus verschiedenen Bereichen unseres Lebens, so z. B. erkennbar in der Lebensweisheit weniger ist mehr.
22:27
January 29, 2021
Psychologie für den Alltag - Eine wesentliche Ursache für tägliches Unglück - das Vergleichen
Aufgrund verschiedener inzwischen vorliegender Untersuchungen wissen wir: Je häufiger sich Menschen in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Instagram, Twitter oder auch unterschiedlichen Dating–Webseiten aufhalten, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie sich mit sich selbst, dem eigenen Leben und der eigenen Entwicklung schlecht fühlen. Es besteht in der Folge durch die bewusst bzw. unbewusst angestellten Vergleiche die Neigung, das eigene Leben als monoton, langweilig und uninteressant zu definieren. Hiermit geht eine zunehmende Unzufriedenheit, innere Anspannung, Enttäuschung, Trauer und depressive Stimmung einher, verbunden mit dem Stellen von Sinnfragen, bezogen auf das eigene Leben. Tatsächlich können wir, nicht zuletzt wegen der zunehmenden Bedeutung der sozialen Netzwerke in unserem Alltag, erkennen, dass das Anstellen von Vergleichen eine immer wichtiger werdende Ursache von persönlichem Unglück ist. War es früher der Vergleich mit dem nahen Umfeld, der ebenfalls schon für viele deutlich negative Auswirkungen haben konnte, so ist es heute der weltweite Vergleich, der keine Grenzen kennt und die sichere Grundlage für Unzufriedenheit und Unglück bietet.
15:10
January 23, 2021
Psychologie für den Alltag - Anleitung zur Tiefenentspannung (mit Humor)! ;)
Über die Induktion von bestimmten Formeln bzw. Sätzen sind wir in der Lage tief in unser bewusstes sowie unbewusstes Erleben einzudringen und im Sinne eines autosuggestiven Vorgehens Haltungen, Überzeugungen und Einstellungen zu verändern, so dass wir uns um ein Vielfaches gestärkt und geschützt fühlen können. Die Zeit in der wir aktuell leben, macht es in hohem Maße sinnvoll und notwendig uns auch auf diesem Weg Gutes zukommen zu lassen.
09:02
January 22, 2021
Psychologie für den Alltag - Zur Bedeutung des ersten Schrittes zur Selbsterkenntnis
Bei der Selbsterkenntnis geht es um mehr als nur einem intellektuellen Verstehen bzw. Begreifen. Mit der Redewendung 'Selbsterkenntnis ist der erste Schritt zur Besserung' ist zunächst das Erkennen eines bestimmten Zustandes des eigenen Seins verbunden (So bin ich), an welches sich die Frage anschließen kann, ob es Sinn macht so zu bleiben (Will ich so sein, wie ich bin?). In einem weiteren Schritt dieser Erkenntnis kann sich die Frage anschließen, was verändert werden könnte (Wie will ich sein?). Diese jeweiligen Schritte sind mit einem sehr tiefreichenden erlebnismäßigen, authentischen Verstehen verbunden, welches weit über das intellektuelle Begreifen hinausgeht. Ein derartiges Verstehen beinhaltet eine erlebnismäßige Dimension. In der Analogie könnten wir sagen, dass mit einer solchen Einsicht nicht nur unser Gehirn sondern auch unser Herz angesprochen ist, welches einen größeren und direkteren Bezug zum unbewussten und intuitiven Erfassen mit einbezieht als es auf der intellektuellen bzw. verstandesmäßigen Ebene der Fall ist.
17:58
January 18, 2021
Psychologie für den Alltag - Warum es sich mit Visionen besser leben lässt
Eine Vision kann die Grundlage dafür sein scheinbar Unmögliches möglich werden zu lassen. Der Begriff Vision leitet sich aus dem lateinischen visio ab und bedeutet „Erscheinung“ bzw. „Anblick“. Er bezieht sich auf ein subjektives, bildhaftes Erleben, das sich in der Vorstellung offenbart, jedoch nicht mit einer realen sinnlichen Wahrnehmung verbunden ist. Für denjenigen, der eine Vision hat, kann diese bildliche Vorstellung durchaus Züge einer realen Erscheinung annehmen. Da sich solche Visionen bezüglich ihrer zeitlichen Dimension fast ausnahmslos auf die Zukunft beziehen, sind sie meist verbunden mit Vorstellungen, Plänen, Entwürfen, Vorhaben und Konzepten, deren Verwirklichung in der Zukunft liegt. Oft sind große Vorhaben betroffen, denen ein herausragender menschlicher, gesellschaft-licher bzw. geschichtlicher Stellenwert zukommt. Visionen stehen häufig in Verbindung mit Leidenschaft, Begeisterung und Hingabe, da deren Verwirklichung zunächst kaum möglich erscheint und häufig nur mit dem Überwinden von sehr vielen und auch großen Widerständen verbunden ist. Menschen, die sich von solchen Visionen bestimmen lassen, wird aufgrund der mit den Visionen verbundenen Kühnheit häufig das Etikett des ‚Träumers‘zugeschrieben, da die Realisierung so abwegig erscheint. Mit einer durchaus negativen Konnotation ist der Begriff ‚visionnaire‘in der französischen Sprache in seiner Wortbedeutung mit einem Träumer oder Phantasten verbunden. Im positiven Sinne der Wortbedeutung ist es ein Mensch, der weit in die Zukunft schaut und Herausragendes zu verwirklichen plant.
21:31
January 13, 2021
Psychologie für den Alltag - Befinden wir uns an einem 'Point of no Return'?
Das Jahr 2020 kann als eines bezeichnet werden, in welchem wir möglicherweise eine solche sprunghafte Veränderung im Sinne eins tipping points bzw. eines Point of no Return erleben konnten. Ob dem so ist, wird die Zukunft zeigen.  Ein Point of no Return kann dadurch erreicht werden, dass wir uns fehlerhafte Entscheidungen und deren negative Folgen nicht eingestehen, stattdessen diese weiter tragen bzw. fortführen. Dies in der Hoffnung, dass sich die Realität den eigenen Überzeugungen beugen wird. Es ist der verzweifelte Versuch eine bestimmte Realität zu schaffen. Wir richten unser Verhalten und unsere Entscheidungen so aus, dass wir die Wirklichkeit an unsere inneren Haltungen anpassen. Dies können wir, indem wir bewusst bzw. unbewusst den Versuch unternehmen einen entsprechenden Einfluss auf den Verlauf der Dinge zu nehmen. In diesem Sinne sind wir geleitet von dem Wunsch, dass sich unsere begründbaren und ableitbaren Überzeugungen in der Wirklichkeit widerspiegeln. 
21:18
January 9, 2021
Psychologie für den Alltag - Warum lassen wir uns immer wieder täuschen?
Nahezu jeder hat es im eigenen Leben an sich selbst oder auch im persönlichen Umfeld erlebt, wie groß die Bereitschaft ist, sich einem mit Autorität ausgestatteten Menschen anzuvertrauen bzw. dessen Aussagen, Empfehlungen und Anweisungen zu folgen. Das Muster welches dem zu Grunde liegt hat eine lebensgeschichtliche Grundlage und dient in gewissem Sinn als Matrix für die Bereitschaft zur Unterwerfung. Wir alle haben die Phase eines Kleinkindes durchlaufen, in der wir uns weitgehend oder auch vollständig an unseren Eltern orientiert haben. Wir waren zu diesem Zeitpunkt unseres Lebens vollkommen abhängig und ausgeliefert, somit darauf angewiesen uns auf unsere Eltern zu verlassen. Erst im weiteren Verlauf unserer Entwicklung kam es ­– mehr oder weniger erfolgreich – zu einer Separation sowie einer damit verbundenen Individuation. Ist diese Entwicklung erfolgreich verlaufen, sind wir in der Lage eigenständig, unabhängig und frei zu entscheiden und zu agieren. Ist diese Entwicklung nicht in gewünschter Weise verlaufen, bleiben wir anfällig und zu einem größeren Ausmaß bereit in diese in uns genetisch und lebensgeschichtlich angelegte Abhängigkeit zurück zu fallen. Je mehr einzelne Aspekte als Anreiz vorhanden sind, die wir aus der Lebensgeschichte kennen, umso eher sind wir bereit zur ‚Regression‘ (Rückschritt) in unser frühkindliches Erleben.
26:06
January 5, 2021
Psychologie für den Alltag - Welchen Wert hat Wissen und Lebenserfahrung?
Jean Gabin (1904–1976), einer der bedeutendsten französischen Schauspieler und Charakterdarsteller (unter seinen französischen Kollegen damals der Pate genannt), war in seinen jungen Jahren auch Chansonier. Im Jahr 1974 erzählt er in einem Sprechgesang mit dem Original-Titel Maintenant Je Sais über das Leben und das Wissen über das Leben. In diesem Chanson bringt Jean Gabin unser fortlaufendes, uns kennzeichnendes Bestreben, Bemühen und auch unsere zeitweise vorhandene Überzeugung zum Ausdruck, zu wissen wie es ist: das Leben, die Menschen, die Dinge, die Ereignisse, was auch immer. Für dieses Bestreben und die damit verbundene Überzeugung scheint es kein Alter zu geben. In welcher Phase unseres Lebens wir uns auch befinden mögen: Pubertät, frühes Erwachsenenstadium, in der Mitte des Lebens, zu Beginn des Alterns, bis in das Alter und höhere Alter - stets meinen wir zu wissen. Im Vergleich mit anderen scheinen wir nicht selten davon überzeugt zu sein es sogar besser zu wissen. Die Ausrufezeichen sind es, die uns überwiegend begleiten, in Form von Überzeugungen und affirmativen Aussagen (… so ist es und nicht anders!) und festen Glaubenssätzen.
23:24
December 31, 2020
Psychologie für den Alltag - Rückblicke sollten das Schöne einbeziehen
Wir befinden uns alle auf einem Weg, den wir gehen. Es liegt an uns selbst darüber zu entscheiden mit welcher Haltung wir ihn gehen. Fokussieren wir das Negative, das uns an verschiedenen Stellen des Weges begegnet oder begleitet hat oder richten wir unsere Aufmerksamkeit auch auf das Positive, welches ebenfalls Teil des Weges war bzw. noch ist. Wir tun uns keinen Gefallen damit, wenn wir erlebte Enttäuschungen, Kränkungen und Verletzungen verleugnen oder verdrängen. Wir sollten sie in uns tragen und uns mit ihnen, ihrer Bedeutung und Wirkung, immer wieder auseinandersetzen. Nur auf diese Weise können wir hoffen zu einem bestimmten Zeitpunkt einen „relativen“ inneren Frieden zu finden. Wir sollten es uns gönnen, den positiven Erlebnissen und Erfahrungen einen besonderen Stellenwert in unseren Erinnerungen zu geben, um unverändert und weiterhin Lebensmut, Kraft, Energie und Hoffnung aus ihnen zu schöpfen. Es gibt sie wahrscheinlich fast in jedem Leben, diese glücklichen Momente. Uns von ihnen inspirieren und leiten zu lassen kann das Leben um vieles bereichern. Ist es uns sogar vergönnt auf einige „magische“ Momente zurückgreifen zu können, sind wir in gewisser Weise auch gesegnet. Bringen wir sie uns in Erinnerung, können wir uns damit jederzeit ein Lächeln auf das Gesicht zaubern.
15:31
December 27, 2020
Psychologie für den Alltag - 'Handbuch des Kriegers des Lichts' - Prolog (Paulo Coelho)
Ein Krieger des Lichts glaubt. Weil er an Wunder glaubt, geschehen auch Wunder. Weil er sich sicher ist, daß seine Gedanken sein Leben verändern können, verändert sich sein Leben. Weil er sicher ist, daß er der Liebe begegnen wird, begegnet ihm diese Liebe auch. Manchmal wird er enttäuscht, manchmal verletzt. Aber der Krieger weiß, daß es sich lohnt. Für jede Niederlage gibt es zwei Siege. Alle, die glauben, wissen das. Das Handbuch des Kriegers des Lichts erzählt von elementaren Erfahrungen, von Grenzgängern und Suchenden. In gleichnishaften Geschichten und Maximen aus drei Jahrtausenden zeigt Paulo Coelho den mutigen Umgang mit sich selbst, mit Konflikten und schwierigen Lebenssituationen. Das ‚Handbuch des Kriegers des Lichts‘ ist ein wundervolles Buch. Die darin enthaltenen Texte sind tiefgründig und können uns helfen in schwierigen Zeiten an das Gute zu glauben. Ebenso lässt es uns unsere persönliche Vergangenheit und auch unsere Gegenwart besser verstehen. Auf diese Weise können wir so dann einen heilsamen Weg in eine bessere persönliche Zukunft finden.
13:20
December 22, 2020
Psychologie für den Alltag - Das Besondere erkennen
Im Rahmen meiner Arbeit mit Menschen, welche den Weg in meine psychotherapeutische Praxis finden, kommt es immer wieder vor, dass ich mit Lebensgeschichten und Ereignissen konfrontiert bin, welche sich durch ihre besonderen bzw. ganz außergewöhnlichen Merkmale und Umstände kennzeichnen. Diese durchlebten Situationen haben auch dafür gesorgt, tief in dem jeweiligen Menschen ein Gefühl zu verankern, sich von dem Umfeld, welches sie umgeben hat in einer grundsätzlichen Weise zu unterscheiden. Dieses Gefühl mit dem Inhalt Ich bin anders als die Anderen ist in der Folge jedoch nicht mit positiven Empfindungen verbunden, sondern führt vielmehr zu einer Verunsicherung, zu Zweifeln an sich selbst und einer Neigung zum inneren oder auch äußeren sozialen Rückzug. Sofern dies von dem sozialen Umfeld wahrgenommen wird, kann daraus ein sich gegenseitig negativ verstärkender Kreislauf entstehen. Die offenkundige Andersartigkeit wird zu einem den Betreffenden und die anderen bestimmenden Merkmal, mit den entsprechenden Folgen des Rückzugs auf der einen und der zunehmenden Ausgrenzung auf der anderen Seite. Diese Menschen finden sich in einem Muster der sich wieder-holenden Beziehungserfahrungen wieder, welches sie über viele Jahre, möglicherweise auch Jahrzehnte begleitet. Das, was aus einer distanzierten Betrachtung und Bewertung an diesen Menschen etwas Besonderes und auch Wertvolles darstellt, wird lange Zeit mit einer negativen Empfindung verbunden, nahezu wie eine belastende Eigenschaft und vielleicht auch als fehlerhafte, individuelle Abweichung interpretiert.
16:55
December 17, 2020
Psychologie für den Alltag - Alle denken nur an sich, ich bin der Einzige, der an mich denkt.
Wir Menschen denken, empfinden und handeln so, als sei unsere subjektive Sicht Ausdruck dessen, was allgemeingültig ist. So auch wenn wir Menschen sagen hören: Niemand versteht mich. Ich allein habe das so empfunden. Alle anderen sehen das ganz anders. Wie es mir geht, kann sich niemand vorstellen. Das sind Aussagen, die den Anspruch zum Ausdruck bringen, zu wissen, was in anderen Menschen vor sich geht, welche Sicht diese haben bzw. welches Verständnis und welche Empfindungen. Fallen solche Sätze im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit, frage ich stets: „Woher wissen Sie das, was in den Anderen vor sich geht?“ Hierbei geht es nicht darum diese Frage in einem anklagenden oder gar vorwurfsvollen Ton zu stellen, sondern als berechtigte Frage nach einer Erklärung. Zugleich bietet diese Frage die Möglichkeit, diejenige oder denjenigen, der diese Aussagen trifft, mit der Möglichkeit bzw. der Wahrscheinlichkeit zu konfrontieren, dass dieses sichere Wissen über die Anderen so gar nicht vorhanden ist. Dennoch neigen wir Menschen immer wieder dazu, aus der Ich–Perspektive Aussagen von einem allgemein gültigen Charakter – andere betreffend – von uns zu geben. Worin liegt der Sinn solcher Feststellungen?
14:19
December 13, 2020
Psychologie für den Alltag - Warum tun wir häufig so 'als ob'?
Wir leben in einer modernen Welt, die auf vielfältige Weise mit Hilfe der uns zur Verfügung stehenden Medien (Internet, Fernsehen, Kino, Radio, Zeitungen und Zeitschriften) eine fortlaufende Kontrolle und Bewertung anbietet, ob wir dem Bild dessen, was auf unterschied-lichen Ebenen angesagt ist, entsprechen. Die damit verbundenen Vergleiche beziehen sich auf alle Facetten unseres Daseins. Welchen sozialen Status haben wir, welche private Lebenssituation, wie steht es mit unserem Freundes– und Bekanntenkreis, unserem Aussehen, unserem Gesundheitszustand, unseren Freizeitaktivitäten, unseren Hobbies und Leidenschaften usw.? Alle Facetten unseres Lebens stehen ausgesprochen oder unausgesprochen auf dem Prüfstand. Die Maßstäbe, an denen wir uns orientieren sollten, werden uns über unterschiedlichste Informationskanäle präsentiert. Gemeinsam ist all diesen Botschaften, dass sie offensichtlich wenig Interesse zeigen, in die Tiefe zu gehen – es geht nicht um die Beschäftigung mit existenziellen Fragen, nicht um die Fragen, woher wir als Mensch kommen, wohin wir gehen könnten, wie wir in einer friedvollen Weise miteinander leben können und was der Sinn des Lebens ist. Stattdessen geht es um die Frage wie wir uns kleiden, welche Freizeitbeschäftigung wir haben, wo wir Urlaub machen, mit welchem Auto wir unterwegs sind, was wir tun könnten, um uns beruflich bzw. karrieretechnisch weiterzuentwickeln, die soziale Leiter aufzusteigen, welche Partner wir haben usw. Wir bleiben mit den Vergleichen, die wir selbst vornehmen oder welche uns nahegelegt werden, stets an der Oberfläche. Es geht nicht um die Tiefe, hierfür scheint kein Interesse zu bestehen. Das heißt es geht nicht um das Sein,sondern um den Schein.
17:55
December 9, 2020
Psychologie für den Alltag - Das Wörtchen 'man'
Wir alle kennen dieses Wörtchen ‚man‘. Viele haben es häufig genug im Rahmen ihrer lebensgeschichtlichen Entwicklung im Verlauf ihrer Kindheit und Jugend zu hören bekommen. Innerhalb der eigenen Familie, von den Eltern, Großeltern, sonstigen Verwandten oder im weiteren Umfeld, wie z. B. der Schule. Insofern war es zunächst wohl ursprünglich im Zusammenhang mit Geboten, Verboten, Normen, Ratschlägen, Regeln und Vorgaben, welcher Art auch immer verbunden. Dieses ‚man‘ verwies damit auf einen Bezugsrahmen, den es zu beachten und zu respektieren galt. Er sollte Orientierung sein und bezog sich auf eine für uns alle verbindliche, mehr oder weniger deutlich festgelegte Ausrichtung für unser Denken, Fühlen, Entscheiden und Verhalten. Kennzeichnend für dieses ‚man‘ war und ist es, dass es unbestimmt und undefiniert ist. Wer genau damit gemeint ist bzw. wer genau damit in Verbindung zu bringen ist, entzieht sich mit aller Selbstverständlichkeit der Betrachtung. „Das muss man doch nicht hinterfragen, das versteht sich doch von selbst, was mit man gemeint ist.“ Ist das wirklich so? Im Verlauf meiner psychotherapeutischen Arbeit ist es durchaus nicht ungewöhnlich, dass ich als eine der ersten Spiegelungen den Patienten gegenüber, einen Hinweis auf die häufige Verwendung dieses Wörtchen gebe – wenn es denn tatsächlich in dieser Weise Anwendung findet und damit den Sprachstil des Patienten kennzeichnet. Meist fällt die Benutzung dieses Wörtchen ‚man‘ im Zusammenhang von Beschreibungen des Patienten über sich selbst. So kann er von seinen Gewohnheiten („man geht ja nicht gern auf jemanden zu, wenn man weiß, es gibt Ärger.“), seinen Empfindungen („Wenn man so etwas zu hören bekommt, fühlt man sich natürlich verletzt.“), seinem Denken („Bei solch einem Vorwurf, ist man natürlich gedanklich zunächst völlig blockiert.“) oder auch seinen Reaktionen sprechen („Wie soll man darauf reagieren, darauf kann man doch nur so reagieren.“).
20:37
December 4, 2020
Psychologie für den Alltag - Können Verletzungen heilsam sein?
Kintsugi ist ein Begriff aus dem Japanischen und beschreibt eine traditionelle japanische Reparaturmethode für Keramik. Die Einfachheit und die Wertschätzung der Fehlerhaftigkeit stehen im Zentrum der Anschauung eines ästhetischen Prinzips der Teezeremonie aus dem Japan des 16. Jahrhunderts. Vor diesem Hintergrund entwickelte sich Kintsugi, die Kunst bei der es darum geht, zerbrochene Keramik anhand von Goldverbindungen zu reparieren. Auf diese Weise werden die durch den Bruch entstandenen Makel hervorgehoben, wodurch eine neue Schönheit entsteht. Diese neu entstandene Schönheit übertrifft die ursprüngliche Schönheit der betreffenden Keramik, so dass das, was sich zunächst als Nachteil, Schaden oder Bruch darstellte, die Voraussetzung für die neu entstandene Schönheit wurde. Wie verhält es sich mit uns, wenn wir Verletzungen, Kränkungen und Schäden erleiden? Zunächst haben wir das Gefühl, dass uns etwas verloren geht oder verloren gegangen ist. Etwas, das wir als heil empfunden haben mögen, ist nicht mehr vorhanden, vielleicht sind sogar Narben und Wunden zurückgeblieben, die uns von da an kennzeichnen. Macht uns das weniger wertvoll als wir es zuvor waren, bevor wir die Verletzung, Kränkung oder den Schaden erlitten haben? Oder ist es uns, wie im Kintsugi möglich, das was uns widerfahren ist, zu vergolden, es zu einem wertvolleren, besseren und gar schöneren Teil von uns selbst werden zu lassen?
14:30
November 29, 2020
Psychologie für den Alltag - Die Lust am Leiden
Theodor Reik (1888–1969), österreichisch-amerikanischer Psychoana-lytiker, hat sich mit der Lust am Leiden befasst und hierzu ganz entscheidende Gedanken und Überlegungen publiziert. Er unterschied die masochistische Lust am Leiden sexueller Natur, von einer welche einen sozialen oder auch kulturellen Bezug hat. In seinem Verständnis praktiziert der soziale Masochist Unterwürfigkeit, Selbstschädigung, Erniedrigung und Leiden, um sich von Schuldgefühlen zu befreien und/oder eine spezielle Befriedigung zu erlangen. Mit der Aufmerksamkeit von anderen, die der soziale Masochist weckt, zwingt er sich seiner Umwelt förmlich als zutiefst Leidenden, der vom Schicksal verfolgt ist, auf. Das Leiden wird dramatisch in Szene gesetzt. Erst die erzielte Aufmerksamkeit seiner Mitmenschen gibt seinem Leiden den Sinn und lässt es „lustvoll“ sein. In gleicher Weise können wir eine Nähe des dramatisch Leidenden zu der hypochondrischen Grundhaltung herstellen.
17:40
November 26, 2020
Psychologie für den Alltag - Das ist aber nicht leicht
Das ist aber nicht leicht, ist einer der Sätze, der im Verlauf einer Psychotherapie wohl am häufigsten von Patienten ausgesprochen wird. Er fällt meist dann, wenn offensichtlich wird, dass es sinnvoll und notwendig ist, alternative Denk–, Gefühls– und Verhaltensmuster anzustreben. Dem vorausgegangen sind analytische Betrachtungen und Besprechungen, aus denen sich zwanghaft wiederkehrende Erlebens– und Verhaltensmuster identifizieren ließen. Inhalte solcher, das eigene Leben und den Alltag bestimmende Muster können Ängste, Zwänge, Depressionen, paranoid anmutende Befürchtungen, Selbstwertprobleme, Suchterkran–kungen und vieles mehr sein. Wir können in der Aussage "Das ist aber nicht leicht" die verborgene, latent vorhandene Erwartung erkennen, wonach die anzustrebenden Veränderungen mit einer Leichtigkeit und Einfachheit einzuleiten und umzusetzen sein sollten.
16:49
November 20, 2020
Psychologie für den Alltag - Zum Stellenwert der Plateaus in unserem Leben
Wir können erkennen, wo auch immer Entwicklungen stattfinden, sind diese auch mit Rückschlägen bzw. noch viel häufiger mit Phasen des scheinbaren Stillstandes verbunden. Dieser vermeintliche Stillstand erstreckt sich nicht selten über einen längeren oder auch sehr langen Zeitraum, bevor ein erneuter Fortschritt bzw. Zuwachs erkennbar sind. In diesen Phasen befinden wir uns auf einem sogenannten Plateau, auf dem eine Weiterentwicklung und ein Lernfortschritt nicht offensichtlich erkennbar ist. Bedeutet dies aber, dass in dieser Zeit tatsächlich nichts geschieht? Ganz im Gegenteil haben solche Plateaus eine ganz entscheidende Funktion im Rahmen der Weiterentwicklung. In der Zeit, in der wir uns auf einem solchen Plateau befinden, finden wichtige Reifungs– und Umbauprozesse statt – kann das, was an Wissen, Kenntnissen, Erfahrungen und Kompetenzen neu erworben wurde, umgestaltet, eingepasst und tiefer verinnerlicht werden. Insofern sind solche Plateau–Phasen ein natürlicher Bestandteil des Lernens während derer durchaus ein unsichtbarer Fortschritt stattfindet.
18:46
November 14, 2020
Psychologie für den Alltag - Warum ist das Glück immer dort, wo ich nicht bin?
Der Alltag einer psychotherapeutischen Praxis belegt es immer wieder, dass Menschen die davon überzeugt sind, das Glück befinde sich stets dort, wo sie nicht sind, ebenso sehr die Überzeugung in sich tragen, am eigenen Schicksal nur wenig verändern zu können. Sie fühlen sich meist als Opfer einer Entwicklung sowie Opfer vergangener, gegenwärtiger und zukünftiger Umstände. Sie sind der Überzeugung es nicht selbst in der Hand zu haben über ihr Leben zu bestimmen. Da diese Überzeugungen den Stellenwert von sich–selbst–erfüllenden Prophe-zeiungen haben, wird sich die erlebte Realität in gleicher Weise abbilden und ihrerseits zu einer fortlaufenden Verstärkung dieser Überzeugungen beitragen. Die Aussage als solche, wonach das Glück sich an einem anderen Ort befindet, offenbart ein damit verbundenes Verständnis wonach das Glück außerhalb des eigenen Selbst zu suchen ist. Somit ist es gebunden an bestimmte äußere Gegebenheiten, Umstände und Bedingungen. Dies steht im Widerspruch zum spirituellen fernöstlichen Verständnis, wonach wir das Glück nur in uns selbst finden können, losgelöst von dem, was uns umgibt.
16:49
November 9, 2020
Psychologie für den Alltag - Warum kann man nicht einfach einen Schalter umlegen?
Die Frage Warum kann man nicht einfach einen Schalter umlegen? ist eine, die im Verlauf eines psychotherapeutischen Prozesses an der ein oder anderen Stelle zu hören ist. Sie ist durchaus nicht nur als eine rhetorische Frage zu verstehen, das heißt als Frage, auf die nicht wirklich eine Antwort erwartet wird. Sie bekundet einen Wunsch, der aus der Tiefe des eigenen Erlebens kommt und Ausdruck der Sehnsucht nach einfachen und schnellen Lösungen ist, gleichgültig wie schwierig und komplex sich ein Problem darstellen mag. Menschheitsgeschichtlich haben wir entsprechende Vorerfah-rungen, die in uns bewahrt sind und die Grundlage für solche Wünsche darstellen. In frühester Kindheit haben wir es häufig erlebt, dass Situationen, denen wir uns ausgeliefert fühlten, welche mit für uns scheinbar nicht lösbaren Schwierigkeiten und Problemen verbunden waren, von einer uns wichtigen Bezugsperson (Mutter, Vater, ältere Geschwister, andere Familienmitglieder, Freunde oder sonstige Erwachsene) mit einer sehr sicheren und schnellen Vorgehensweise gelöst wurden. Somit hatte es zu diesem frühen Zeitpunkt unseres Lebens tatsächlich den Anschein als sei ein Schalter umgelegt worden. Diese Matrix für Problemlösungen ist in uns abgelegt bzw. gespeichert, so dass wir im auch Erwachsenen-leben intuitiv als Wunsch und Sehnsucht darauf zurückgreifen. Dem entgegen steht die bis dahin erworbene Lebenserfahrung, die uns spätestens nach Erreichen der Pubertät hat erkennen lassen, dass sich die früh in der Kindheit erlebten Wunderlösungen in dieser Weise kaum wiederholen lassen. Dennoch regredieren wir im Falle der Konfrontation mit schwierigen Situationen auch später noch und wünschen uns auf die frühen Muster zurückgreifen zu können.
22:03
November 3, 2020
Psychologie für den Alltag - Geld oder Liebe?
Liebe heißt schenken. Und heißt geben. Und sei es auch das eigene Leben. Liebe heißt, ohne viel zu fragen für einander jedes Kreuz zu tragen. Liebe heißt verstehen und verzeihen. Und täglich neu sein Herz verleihen. Dieses eine Wort auf dieser Welt, zählt mehr als Reichtum und als Geld. (Autor unbekannt)
21:38
October 29, 2020
Psychologie für den Alltag - Wir erschaffen unsere Realität
Wir sollten davon ausgehen, dass wir selbstverständlich auf energetische Weise stets Einfluss nehmen auch auf die uns umgebende Natur. Sind wir überwiegend von Angst, Sorge, Zweifel und Misstrauen bestimmt, lassen uns von negativen Vorstellungen, Phantasien und Regungen in unseren Entscheidungen und unserem Verhalten leiten, wird sich dies unweigerlich auf unsere gesamte Schöpfung auswirken. Es ist einer Schwere vergleichbar, die sich auf alles übertragen und niederlegen wird, was uns umgibt. Dr. Joe Dispenza (geb. 1962), Neurowissenschaftler, sagt hierzu: „Wir sind Maschinen, die Realität produzieren. Wir erschaffen die Auswirkungen der Realität immerzu.“ Diese Bewusstheit steht derjenigen entgegen, welche sich selbst stets als Opfer definiert, ausgeliefert und abhängig, nur fähig zu reagieren, jedoch nicht zu agieren. Der englische Dramatiker George Bernard Shaw (1856 – 1950), sagte: „Die Menschen geben immer den Umständen die Schuld für das, was sie sind...Ich glaube nicht an Umstände. Die Menschen, die auf dieser Welt vorankommen, sind diejenigen, die aufstehen und sich nach den Umständen umsehen, die sie gerne hätten; und wenn sie sie nicht finden, dann erschaffen sie sie.“
25:08
October 18, 2020
Psychologie für den Alltag - Taten sprechen lauter als Worte
Im Rahmen meiner psychotherapeutischen Arbeit bin ich sehr häufig mit zum Teil erheblichen Diskrepanzen konfrontiert. Diskrepanzen zwischen dem was Patienten über sich selbst beschreiben bzw. mitteilen und dem, was sie nachweislich in ihren Entscheidungen sowie ihren Handlungen tun. Diese Diskrepanz lässt sich zum Teil durch die Ausrichtung des Denkens und Sprechens an dem eigenen inneren Bild von sich (Ideal-Selbst) erklären, währenddessen das Verhalten viel mehr mit dem tatsächlich erlebbaren Bild des eigenen Selbst verbunden ist (Real–Selbst). Im Ideal-Bild finden sich die Wünsche, Bedürfnisse, Sehnsüchte und Ansprüche an das eigene Selbst. Natürlicherweise weichen diese meist deutlich von den tatsächlichen, real erlebbaren Anteilen des Selbst ab. Was sagen wir bzw. was vermitteln wir und in welchem Verhältnis steht dazu das, was wir tun? Können wir eine Stimmigkeit erkennen, steht es im Einklang oder müssen wir uns einen Widerspruch eingestehen? Es erfordert durchaus ein höheres Maß an selbstkritischer Betrachtung und an Selbstdisziplin immer wieder von neuem zu prüfen, wie sehr unser Sprechen mit unserem Tun in Einklang steht. In ganz besonderer Weise stellt sich diese Frage für die Menschen, die sich aufgrund ihrer Aufgaben und Verpflichtungen dem Wohlergehen anderer verschrieben haben, seien es Politiker, Ärzte, Richter, Geistliche, Lehrer oder Menschen aus allen möglichen weiteren sozialen Bereichen unseres gesellschaftlichen Zusammenlebens. Allein die auf ihnen liegende Verantwortung für andere Menschen verpflichtet sie in noch größerem Ausmaß dazu, stets zu prüfen, ob ihre Handlungen und Taten sich mit den von ihnen vermittelten sprachlichen Botschaften und Bekundungen in Einklang bringen lassen. Auch diese Menschen müssen sich umso mehr in Zeiten der Krise daran messen lassen, wie sehr ihr Tun den an sie zu stellenden Anforderungen entspricht.
21:11
October 13, 2020
Psychologie für den Alltag - Zum Placebo Effekt und zur Selbstheilung
Die Vielzahl der inzwischen vorliegenden Untersuchungsergebnisse im Rahmen der Placebo-Forschung zeigen wiederkehrend die gleichen Ergebnisse. Sie belegen, dass Placebos vergleichbar gut oder noch besser wirksam sein können als es reale Medikamente bzw. tatsächliche ärztliche, therapeutische Maßnahmen sind. Die lange Zeit der negativen Konnotation (Bedeutungsverleihung) des Begriffs Placebo innerhalb der wissenschaftlichen Medizin, mag sich letztlich aus der ursprünglichen Tradition dieses Wortes ableiten. So war mit diesem Begriff aufgrund seiner Historie etwas Scheinheiliges, im Sinne einer schmeichlerischen bzw. unechten Ersatzleistung verbunden. Der Grund ist darin zu sehen, dass der Begriff in der mittelalterlichen Totenliturgie verwandt wurde. In dieser Zeit zogen Placebo-Kantore durchs Land und boten ihre Trauergesänge bei Beerdigungen gegen Bezahlung an. Somit waren sie in ihrer Funktion und Rolle Scheintrauernde, welche anstelle von echten Trauernden ihre Gesänge von sich gaben. Die negative Bedeutung des Wortes Placebo blieb auch zu Beginn des 18. Jahrhunderts erhalten, wenn von Arzneien gesprochen wurde, die mehr aus Gründen der Gefälligkeit als aus therapeutischen Erwägungen gegeben wurden. Die wörtliche Übersetzung des lateinischen Wortes Placebo bedeutet: ‚ich werde gefallen‘. Beziehen wir es auf die uns inzwischen vertraute Wirkung solcher Mittel, können wir den Sinngehalt durchaus bestätigt sehen. Zur Freude der Betroffenen können sie dazu führen, Schmerz und Leid zu lindern, erträglicher zu machen oder gar gänzlich aufzulösen. In den letzten Jahrzehnten kam es zu einer sehr intensiven Forschung bzgl. der Placebo–Effekte.
18:13
October 8, 2020
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Spiritualität
Den Begriff Spiritualität selbst können wir auf das lateinische Wort spiritus zurückführen, welches für „Geist“ steht. Insofern verstehen wir unter Spiritualität eine geistige Haltung. Fragen, welche damit verbunden sind, haben mit unserer Existenz zu tun, betreffen alles das, was über das konkret Erlebbare hinausgeht, über das Physische (Körperliche) in das sogenannte Metaphysische. Seit Jahrtausenden befassen wir Menschen uns mit diesen existenziellen Fragen: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Worin liegt der Sinn unserer Existenz?usw. Es sind diese grundsätzlichen Fragen, welche die Menschen von Beginn an beschäftigen, dies verbunden mit dem Anliegen und Bedürfnis oder der stellenweise empfundenen Not hierauf eine Antwort zu finden. Sofern wir uns mit Fragen der Spiritualität befassen, sind wir unweigerlich auch mit Fragen der Religiosität und des Glaubens konfrontiert. Denn auch bei diesen geht es, wie bei der Spiritualität, um das Bemühen, Antworten auf die gleichen grundlegenden Fragen zu finden. Worin besteht der Unterschied? Können wir überhaupt einen benennen?
17:52
October 3, 2020
Psychologie für den Alltag - Was unterscheidet den Schamanen vom Arzt?
Als Schamanen bezeichnen wir im allgemeinen Sprachverständnis spirituell wirkende Helfer, Heiler und Lehrer, denen aufgrund sehr unterschiedlicher spiritueller, religiöser, hellseherischer und ritueller Praktiken magische Fähigkeiten zugesprochen werden. Aufgrund dessen können sie Leid, Schmerz und Krankheit lindern bzw. beseitigen. Sie verkörpern die Verbindung mit dem Jenseits, das heißt mit dem Bereich des Transzendenten, so dass sie nicht nur den Kontakt zu Menschen im Hier und Jetzt haben, sondern auch mit Menschen bzw. deren Geist aus der Vergangenheit und Zukunft sowie mit den Mächten des Jenseits. Unsere Anbindung an solche magisch-spirituellen Menschen, die Hilfe, Beistand, Trost, Medizin und Heilung bieten, geht weit in die Geschichte der Menschheit zurück. Der indianische Schamane Bear Heart sagt: „Wir müssen das uns anvertraute heilige Vermächtnis hüten und verantwortungsvoll damit umgehen. Wir sind Sachverwalter eines geheiligten Wissens – mehr nicht.“ In dieser Haltung lässt sich sehr viel Demut und Bescheidenheit erkennen, die wir in der Begegnung und im Kontakt mit den hochqualifizierten und fachkundigen Ärzten in unserer modernen Gesellschaft leider stellenweise vermissen. Im Verständnis eines Schamanen im Sinne von Bear Heart geht es vielmehr darum die eigenen Fähigkeiten im Bewusstsein der Anbindung an eine höhere Macht zum Wohle der Menschen einzusetzen.
18:56
September 20, 2020
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Liebe
Liebe ist das stärkste positive Gefühl zu dem wir Menschen fähig sind. Sie ist die sicherste und stärkste Grundlage unseres Lebens. Erleben wir sie, können wir sie geben und empfangen, sind wir erfüllt und unser Leben bekommt einen Sinn. Aus ihr können wir Lebensfreude, Glück, Zuversicht, Hoffnung, Kraft und Energie schöpfen, sie verleiht uns Flügel, mit Hilfe derer wir scheinbar Unerreichbares erreichen und Unmögliches leisten können. Nichts kann in positiver Weise mächtiger sein, uns mehr inneren Halt und Vertrauen geben. Sie lässt uns im Inneren und Äußeren strahlen. Sie veredelt alles, was von ihr bestimmt ist. Liebe entspringt dem Herzen und eint in sich all das wofür das Herz steht. Antoine de Saint-Exupéry (1900–1944), französischer Schriftsteller und Autor der Erzählung ‚Der kleine Prinz‘, mit über 140 Millionen verkaufte Exemplare weltweit, sagte: „Man sieht nur mit dem Herzen gut – für die Augen bleibt das Wesentliche unsichtbar“.
15:43
September 16, 2020
Psychologie für den Alltag - Passt Freundlichkeit noch in unsere heutige Zeit?
Wie steht es jedoch mit der Freundlichkeit in unserer heutigen modernen Gesellschaft? Handelt es sich noch um eine Tugend bzw. Eigenschaft, der ein entsprechender Stellenwert zukommt? Finden wir sie in den Botschaften, die uns über alle sozialen Netzwerke, Internet, Fernsehen, Zeitschriften, Bücher und anderes vermittelt werden? Wir müssen erkennen, dass der überragende Anteil der Botschaften sich darauf bezieht das eigene Selbst zu entdecken, zu fördern und in allen möglichen Erscheinungsformen zum Ausdruck zu bringen. Kurse, Workshops, Schulungen und Weiterbildungen, die dem Ausbau der selbstbezogenen Wünsche, Bedürfnisse und Anliegen gerecht werden wollen, gibt es unzählige. Suchen wir angebotene Möglichkeiten unsere sozialen Kompetenzen im Sinne der Achtsamkeit und Freundlichkeit anderen gegenüber zu fördern, ist die Auswahl deutlich begrenzter. Schneller, besser, höher und weiter gilt für die Entwicklung des eigenen Selbst in allen Bereichen unseres Zusammenlebens. Leider ist unsere Sozialisation von Beginn an auf das Erbringen von Leistung und nicht wirklich auf den gleichwertigen Ausbau unserer sozialen Kompetenzen des Füreinander und Miteinander ausgerichtet, in Verbindung mit einer freundlichen und zugewandten Grundhaltung. Der Vergleich mit anderen und der Wettbewerb sind die Prinzipien, die wir verinnerlichen dürfen und an denen wir unsere Entscheidungen und unser Vorgehen ausrichten sollen.
16:52
September 11, 2020
Psychologie für den Alltag - Es soll sich alles ändern, unter der Voraussetzung, dass alles so bleibt wie es ist
Der Wunsch es möge sich vieles oder alles verändern, ist ein sehr kennzeichnendes Anliegen für viele Menschen, die zu mir in psycho-therapeutische Behandlung kommen. Jedoch stellt dieser – wie sich meist schon sehr schnell im Verlauf des therapeutischen Prozesses herausstellt – nur eine Seite der Medaille dar. Auf der anderen Seite verbirgt sich die meist unausgesprochene Bedingung, welche mit einem Wunsch verbunden ist. Diese lautet: „nur unter der Voraussetzung, dass alles so bleibt, wie es ist.“ Es klingt nicht nur paradox, es ist es auch. Wie sollten wir ein Omelett zubereiten können, ohne die Eier zu zerschlagen? Das geht nicht. Und dennoch ist im Verlauf der Behandlung stets von neuem zu spüren bzw. zu erkennen, dass das Bedürfnis, vertraute Muster und Gewohnheiten des eigenen Denkens, Fühlens und Verhaltens aufrechtzuerhalten bestimmend ist. Wie wir aus der Gehirnforschung wissen sind bis zu ca. 90 % der Gedanken, die wir täglich denken, die gleichen, die wir bereits einen Tag zuvor gedacht haben. Da diese Gedanken unsere Gefühle, Entscheidungen und Handlungen bestimmen, durchleben wir verständ-licherweise stets die gleichen Erlebnisse und Erfahrungen. Die Realität, die wir dadurch täglich von neuem schaffen, unterscheidet sich kaum oder garnicht von der uns bisher vertrauten und uns kennzeichnenden. Auf diese Weise eine neue subjektive Realität zu schaffen ist kaum möglich.
18:00
September 5, 2020
Psychologie für den Alltag - Genug ist genug
„Genug ist genug“ ist offensichtlich eine erlebnismäßige Erfahrung, die wir in vielen Situationen unseres Lebens und Alltags berücksichtigen sollten. Was es uns häufig so schwer macht ist eine in uns ohnehin von klein auf angelegte Neigung, uns von unserer Befriedigung und empfundenen Lust verführen zu lassen noch mehr zu wollen. Wir unterliegen somit der Versuchung weiterzumachen, obwohl wir schon zufrieden sein müssten. Wie bereits in anderen Beiträgen in einem anderen Zusammenhang angedeutet, wird es uns zusätzlich erschwert uns zu begnügen, da die alltäglichen, uns von allen Seiten zukommenden Botschaften uns stets vermitteln, dass wir uns nicht zufriedengeben sollen. Über alle sozialen Netzwerke, Fernsehen, Radio, Zeitungen und Coaching-Bücher erfahren wir, dass noch mehr geht und genug nicht genug sein sollte. Nicht „gut“ ist ausreichend, auch nicht „sehr gut“, es sollte mindestens „besser“ sein, im idealen Fall sollte es „das Beste“ überhaupt sein. Es geht um das Maximum, den Superlativ, das nicht zu Übertreffende. Die auf diese Weise uns vermittelten Botschaften sind mehr oder weniger ein Plädoyer für eine Haltung der Maßlosigkeit, zumindest bezüglich der Ansprüche, die wir an uns stellen sollten. Insofern entspricht es einer Einstellung der Enthemmung mit nichts zufrieden zu sein.
18:30
September 2, 2020
Psychologie für den Alltag - It Takes two to tango
Der Tango steht hier sinnbildlich für einen Tanz, bei dem zwei Beteiligte sich in einer Beziehung zueinander befinden, die mit einem Bewegungsablauf verbunden ist, welcher zeitweise gleichförmig ist, dann jedoch auch wieder gegensätzlich. In gleicher Weise kann das im übertragenen Sinn auf allen Ebenen des Zusammenwirkens von zwei Menschen der Fall sein. Stets befinden sie sich im Kontext ihrer Beziehung in einer gegenseitigen Wechselwirkung, abhängig voneinander und ebenso verbunden miteinander. You can sail in a ship by yourself, Take a nap or a nip by yourself. You can get into debt on your own. There are lots of things that you can do alone. (But it) Takes two to tango […] Diese Metapher bring zum Ausdruck, dass Menschen, die sich in einer Beziehung befinden, in gleicher Weise verantwortlich dafür sind, was aus dieser Beziehung sowohl im Positiven als auch im Negativen entsteht. Seien es Probleme und Konflikte oder auch bereichernde und positiv erfüllende Auswir-kungen: immer sind beide Beteiligte betroffen und verantwortlich für den Verlauf und das Ergebnis.
20:08
August 29, 2020
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Geduld
Es stellt ganz offensichtlich eine hohe Anforderung an das eigene Selbst dar, im Hier und Jetzt zu sein und nicht schon beim nächsten Schritt, dessen was wir tun wollen. In besonderer Weise sind wir es in unserer westlichen Kultur gewohnt schnell voran zu schreiten, uns nicht die notwendige Zeit zu lassen, um anhand unserer Sinne etwas aufzunehmen, es wirken und sinken zu lassen, um damit eine tiefergehende Qualität des Erlebens und Empfindens zu erschließen. Wir tun dies, obwohl wir bereits aus der Physiologie wissen, dass das Erfassen von Signalen und Reizen, ob von innen oder außen kommend, stets mit einem Moment des Verweilens verbunden ist. Ohne diesen Augenblick des Verweilens können wir bewusst nichts aufnehmen. Bestenfalls sind wir dann den sich unbewusst in uns einstellenden Reaktionen ausgeliefert, da unser Unbewusstes ein unvergleichlich höheres und schnelleres Aufnahme-vermögen besitzt. Dies jedoch entgeht unserem Bewusstsein.
16:49
August 26, 2020
Psychologie für den Alltag - Kann Musik heilen?
Mit Musik ist es möglich sowohl Erinnerungen als auch Gefühle zu wecken, die ansonsten vollkommen unerreichbar sind. Es ist faszinierend zu beobachten, wie diese Patienten erneut durch die Musik mit Leben erfüllt werden, sie zu lächeln beginnen, den Takt schlagen bzw. auch mitsummen oder singen. Es scheint so als würden sie dadurch ihre verlorengegangene Identität wiederfinden. Diese sich so einstellende Bewusstheit und Wachheit kann dann in der Folge noch Stunden lang anhalten und die Kommunikation mit diesen Menschen möglich machen. Wir können erkennen, dass viele persönliche Erinnerungen in gewisser Weise in Musik eingebettet sind und somit über diese auch wachgerufen werden können. Ganze Teile der eigenen Biographie können damit verbunden sein. Das Besondere an diesem Phänomen besteht darin, dass der Betroffene keinerlei besondere Musikalität dafür besitzen muss. Jeder Mensch, ob ursprünglich musikalisch oder nicht, reagiert in gleicher Weise darauf. Areale des Gehirns, die mit Musik verbunden sind, sind eng verbunden mit den Arealen, welche für die Erinnerung, Gefühle und Stimmungen zuständig sind. Insofern werden über die Musik alle damit verknüpften Assoziationen aktiviert, wodurch sich bestimmte Erinnerungen, Bilder und Szenen, einschließlich der damit verbundenen Gefühle wiedereinstellen. Durch eine Amnesie (Verlust der Erinnerung) – wodurch auch immer sie bedingt sein mag – verlieren wir Teile unseres Lebens und damit auch wesentliche Teile unserer Identität.
18:52
August 22, 2020
Psychologie für den Alltag - Das Kind in uns selbst an die Hand nehmen
Wir alle tragen Wunden in uns, die sich nicht nur auf unseren Körper beziehen, sondern auch auf die inneren, seelischen Ver-letzungen. Auch wenn mit dem Vergehen der Zeit, vieles weniger schmerzt und es in dem ein oder anderen Fall gar zu einer Heilung kommen mag, gibt es Wunden, von denen wir wissen und sagen können, dass sie bereits unser ganzes Leben bestehen – ganz entgegen dem Sprichwort, welches besagt: Die Zeit heilt alle Wunden. Im Verlauf psychotherapeutischer Behandlungen lassen sich diese Wunden häufig recht schnell erkennen. Ebenso vermittelt sich dann auch die Hilflosigkeit im Umgang mit dem inneren Kind, welches nach wie vor tief im Erleben des eigenen Selbst noch vorhanden ist und bis zum heutigen Tag den real erlittenen oder nur vermeintlich zugefügten Kränkungen, Verletzungen und Demütigungen ausgeliefert ist. Aus der heutigen Sicht vermittelt sich sehr eindrucksvoll, wie sehr dieses Kind selbst eine entsprechende Zuwendung und Fürsorge gebraucht hätte. Es war niemand vorhanden, der es an die Hand nehmen konnte und ihm diesen Schutz und Trost hätte zukommen lassen. Sofern in uns ein solcher kindlicher Selbstanteil noch vorhanden ist, können wir unter Umständen feststellen, dass sich ihm bis zum heutigen Tage niemand zugewandt hat. Nach wie vor ist dieses Kind dann alleine, auf sich selbst angewiesen, befindet sich in der gleichen Not, wie zu dem lebensgeschichtlich inzwischen weit zurückliegenden Zeitpunkt. Es erfordert einen tiefgehenden Bewusstheitsprozess sich in dieser intensiven Weise dem eigenen kindlichen Selbst zuzuwenden.
20:40
August 19, 2020
Psychologie für den Alltag - Was macht es so schwer das 'kleine Einmaleins' zu beherrschen?
Sind wir konfrontiert mit einer scheinbaren Komplexität, kann als Folge die tatsächlich zugrundeliegende Einfachheit eines Ganzen übersehen werden. Es sind die Situationen, in denen wir fälschlicherweise davon überzeugt sind, es mit einer Art höherer Mathematik zu tun zu haben. In Wirklichkeit jedoch geht es um das sogenannte kleine Einmaleins. Im mathematischen Sinn gehört es zum arithmetischen Grundwissen der Mathematik. Es bezieht sich auf die natürlichen Zahlen von eins bis zwanzig, die wir bereits im Grundschulalter lernen können. Es ist vor allem unser gesunder Menschenverstand, welcher sich nach den Regeln des kleinen Einmaleins ausrichtet, wonach eins und eins zwei ergeben, zwei und zwei vier usw. Übertragen auf unseren Alltag bzw. unser Leben zeigt die Erfahrung, dass  möglicherweise sowohl das Verständnis einer schwierigen Situation als auch eine damit verbundene Lösung sich wesentlich leichter und schneller erschließen lässt, wenn wir den gesunden Menschenverstand befragen bzw. nach den Regeln des kleinen Einmaleins vorgehen, als wenn wir uns in umständlichen und komplizierten Überlegungen verlieren bezüglich all dessen, was sein könnte oder möglich wäre.
17:57
August 16, 2020
Psychologie für den Alltag - Dummheit
Quelle: Dietrich Bonhoeffer. Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, hrsg. von E. Bethge. TB Siebenstern. Gütersloh 1985. S. 14 f. Dietrich Bonhoeffer (1906-1945) war ein lutherischer Theologe, Vertreter der Bekennenden Kirche und am deutschen Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligt. Er wurde am 5. April 1943 verhaftet und am 9. April 1945 auf ausdrücklichen Befehl von Adolf Hiltler als einer der letzten NS-Gegner hingerichtet. Sein Text zur Dummheit entstammt seinen Briefen und Aufzeichnungen aus der Haft. "Dummheit ist ein gefährlicherer Feind des Guten als Bosheit. Gegen das Böse lässt sich protestieren, es lässt sich bloßstellen, es lässt sich notfalls mit Gewalt verhindern, das Böse trägt immer den Keim der Selbstzersetzung in sich, indem es mindestens ein Unbehagen im Menschen zurücklässt. Gegen die Dummheit sind wir wehrlos."
11:15
August 15, 2020
Psychologie für den Alltag - Was gibt uns die Meditation und das Yoga?
Wenn wir erkennen können, dass wir über Meditation und Yoga in der Lage sind grundlegende physiologische, biologische, chemische und physikalische Prozesse zu beeinflussen bzw. zu initiieren, dürfen wir feststellen, dass wir mittels unseres Geistes über Materie bestimmen können. Hier deutet sich die von Mark Whitwell angesprochene Kraft des Universums an. Im Einklang dazu steht die Feststellung von Max Planck (1858–1947), Physiker und Nobel-preisträger: „[...] Da es aber im ganzen Weltall weder eine intelligente noch eine ewige Kraft gibt, so müssen wir hinter dieser Kraft einen bewussten, intelligenten Geist annehmen. Dieser Geist ist der Urgrund aller Materie! Nicht die sichtbare, aber vergängliche Materie ist das Reale, Wahre, Wirkliche, sondern der unsichtbare, unsterbliche Geist ist das Wahre!“ Sowohl die Meditation als auch das Yoga bieten uns eine unschätzbare Gelegenheit neben all den Möglichkeiten auf körperlicher und seelischer Ebene, den spirituellen Zugang zu dem Bereich des elektromagnetischen Feldes bzw. des Meeres der unbegrenzten Möglichkeiten zu bekommen.
21:26
August 12, 2020
Psychologie für den Alltag - Zur Bedeutung der Körpersprache
Diese nonverbalen Botschaften lösen sehr vieles in uns aus, was verbunden ist mit Gedanken, Gefühlen, Wünschen, Sehnsüchten, Bedürfnissen, Zweifeln, Befürchtungen, Ängsten, etc. Wir erhalten Informationen über Status, Fähigkeiten, Kompetenzen, Gesundheit, Krankheit, Persönlichkeitsmerkmale, Pathologisches etc. Bestimmte Fragen, die sich uns im Kontakt mit jemandem stellen, den wir gerade erst kennen lernen, würden wir niemals offen aussprechen oder gar beantwortet haben wollen, indem wir ganz offen nachfragen. Wir versuchen dennoch Antworten zu finden, indem wir das als Information einbeziehen, was sich uns über das non–verbale Verhalten bzw. die Körpersprache mitteilt. „Sind Sie einfühlsam, aufrichtig und verlässlich?“ ist keine Frage, die wir in dieser Weise an jemanden richten würden, doch suchen wir im körpersprachlichen Ausdruck nach Hinweisen, die uns eine Antwort darauf geben könnte. Aufgrund dessen ist es sinnvoll und wichtig im eigenen non–verbalen Verhalten das zu zeigen, was wir uns von Seiten unserer Mitmenschen wünschen. Je mehr wir Freundlichkeit und Zuwendung in unserer Körpersprache vermitteln, umso wahrscheinlicher wird sie uns im nonverbalen Verhalten der Anderen gespiegelt.
23:03
August 10, 2020
Psychologie für den Alltag - Menschen, die alles besser wissen
Wer kennt nicht im eigenen sozialen Umfeld einen oder auch mehrere Menschen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie einem im Verlauf der Kommunikation mehr oder weniger schnell das Gefühl vermitteln, es mit jemandem zu tun zu haben, der von sich selbst sehr überzeugt ist und den Anspruch vermittelt, zu allem etwas sagen zu können und meint, es auch noch besser zu wissen als die anderen Anwesenden und Nicht–Anwesenden. Natürlich handelt es sich dabei um jemanden, der davon überzeugt ist, überall gebraucht zu werden. Wir haben es insofern mit Menschen zu tun, die vor allem mit Ausrufezeichen unterwegs sind, da das meiste von dem, was sie von sich geben, den Charakter eines Statements bzw. einer affirmativen Aussage hat und insofern durchaus mit einem Ausrufezeichen zu versehen wäre. Diese Menschen beanspruchen Platz – im konkreten und auch im übertragenen Sinn. Sie hören sich gern reden und gehen davon aus, dass die Menschen, mit denen sie in Kontakt kommen, viel von ihnen profitieren können. Das primäre Anliegen ist die Selbstdarstellung, nachrangig ist das jeweilige Thema oder der Inhalt, um den es scheinbar geht. Die Selbstbezogenheit steht im Mittelpunkt der ganzen Bemühung. Die Not, welche sich tatsächlich hinter dem zwanghaften Besserwissen verbirgt, offenbart eine Aussage des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche (1844–1900): „Wer keinen eigenen Willen hat, will wenigstens alles besser wissen.“
19:20
August 7, 2020
Psychologie für den Alltag - Wir treffen täglich Entscheidungen, aber sind es auch die richtigen?
Wir treffen täglich unzählige Entscheidungen ohne, dass uns dies bewusst ist. Es ist vergleichbar mit dem Beschreiten eines Weges auf dem sich unzählige Abzweigungen befinden, sowohl neue, unbekannte als auch solche, die wir aus der Vergangenheit schon kennen. Wir könnten solche Abzweigungen nehmen, tun es jedoch selten, da wir es gewohnt sind, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Sofern wir diesen Weg gehen, treffen wir unwillkürlich, wenn auch nicht bewusst, an jeder möglichen Gabelung eine Entscheidung. Immer wenn wir eine oder mehrere weitere Optionen haben und mit aller Selbstverständlichkeit geradezu reflexartig oder im Sinne eines Automatismus einen Weg gehen, ist es mit einer Entscheidung für und gegen etwas verbunden. In diesem Verständnis ist unser Alltag übersäht mit unzähligen Makro- und Mikro-Entscheidungen. So sehr die Automatismen dazu beitragen unseren Alltag, ob im Privaten oder Beruflichen, leichter und effektiver zu gestalten, haben sie den Nachteil, dass wir über vieles gar nicht mehr nachdenken. Zusätzlich verlieren wir das Bewusstsein darüber, dass wir es selbst sind, die bestimmen können, wie etwas geschieht, wie es zustande kommt, sich entwickelt und enden soll.
20:09
August 5, 2020
Psychologie für den Alltag - Welche Ansprüche sollten wir an Menschen stellen, die uns führen wollen?
Betrachten wir uns heute herausragende Politiker, welche maßgeblich das Weltgeschehen bestimmen, können wir vergleichbare Merkmale erkennen, die sich aufdrängen und deutliche Züge narzisstischer Persönlichkeiten erkennen lassen. Sie kreisen um sich selbst, zeigen einen Mangel an Empathie, überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und zeigen ein unbändiges Verlangen nach Anerkennung. Sie lassen authentische emotionale Tiefe vermissen. Die Inszenierung und Darstellung der eigenen Person überragt alles. Anerkennung und ständiger Zuspruch werden gesucht. Kritik wird kaum zugelassen, Fehler und Schwächen nicht eingestanden. Deutlich erkennbar ist die Neigung zu spalten und sich in einem Schwarz-Weiß-Denken und Entweder-oder zu bewegen. Viele der uns aus der Philosophie vermittelten Tugenden lassen sich weitgehend oder vollkommen vermissen. Als ich mich mit der Lektüre der „Selbstbetrachtungen“ von Marc Aurel (121–180 n. Chr.), von 161–180 römischer Kaiser und Philosoph, befasste, konnte ich stellenweise kaum glauben, dass ein verantwortlicher Politiker – denn als solchen können wir ihn begreifen – vor nahezu zweitausend Jahren ein weitaus höheres Maß an Tugendhaftigkeit erkennen ließ, als es heute bei unseren politisch verantwortlichen Führern der Fall ist.
17:48
August 2, 2020
Psychologie für den Alltag - Hypothesen bestimmen unser Leben
Wir alle sind im Alltag von morgens bis abends, bewusst und noch wesentlich mehr unbewusst damit befasst, nach den in uns vorhandenen allgemeinen und auch sehr spezifischen, individuellen Hypothesen zu agieren. Sie bestimmen unser Denken, Empfinden, unsere Entscheidungen und unser Verhalten. Davon sind alle Bereiche unseres Lebens betroffen – im Privaten, Beruflichen oder in der Freizeit. Stets arbeiten wir mit einer kaum wahrnehmbaren Selbstverständ-lichkeit mit Hypothesen. Was immer wir tun oder nicht tun: Es ist mit Überlegungen, Vermutungen und Annahmen darüber verbunden, welche Auswirkungen es haben mag, was ein Anderer dazu denken, empfinden oder auch sagen wird. Diese Hypothesen bekommen somit den Stellenwert von Annahmen und Erwartungen bezüglich dessen, was eintreten wird und wovon wir somit ausgehen dürfen oder sollten. Damit wir uns selbst, unseren Mitmenschen und der Welt, in der wir leben, nicht undifferenziert und in festgelegten Mustern als Ausdruck uns bestimmender Hypothesen gegenübertreten, sollten wir stets bemüht sein zu prüfen, was unserem Denken, Fühlen und Handeln als motivierende Kraft zugrunde liegt.
19:05
August 1, 2020
Psychologie für den Alltag - Wie eng liegen Normalität und Wahnsinn zusammen?
Im Allgemeinen gehen wir davon aus, dass es eine deutliche Unterscheidung gibt bezüglich des psychischen Zustands eines gesunden bzw. normalen und dem eines kranken bzw. wahnsinnigen Menschen. Die Alltagserfahrung zeigt uns jedoch in vielen Situationen, dass es zuweilen gar nicht leicht fällt eine Unterscheidung vorzunehmen. Als gesund und normal geltende Menschen, mit unterschiedlichstem Bildungsniveau, können unter Umständen deutlich ‚verrückt‘ wirken, währenddessen es situativ möglich sein kann mit einem als paranoid, schizophren bzw. psychotisch diagnostizierten Menschen, ein vollkommen geordnetes und tiefgründiges Gespräch zu führen. Milos Forman (1932–2018), tschecho-slowakisch-US-amerikanischer Filmregisseur ('Einer flog über das Kuckucksnest') stellt die Frage, wer das Recht hat, über andere Menschen zu bestimmen und sie in Gruppen einzuteilen. Forman sagt: „Wir schaffen Institutionen, Regierungen und Schulen, um uns im Leben zu helfen, doch jede Institution entwickelt nach einer Weile die Tendenz, sich nicht mehr so zu verhalten, als sollte sie uns dienen, sondern als sollten wir ihr dienen. Das ist der Moment, wenn das Individuum mit ihnen in Konflikt gerät.“
15:32
July 31, 2020
Psychologie für den Alltag - Pflanzen brauchen Pflege - Beziehungen zu unseren Mitmenschen auch
Beziehungen zwischen Menschen sind nichts Statisches, sie sind etwas sehr Lebendiges. Sie unterliegen einer Dynamik, die gepflegt und gehegt werden muss. Wie in der Überschrift zu diesem Beitrag deutlich gemacht, können wir Beziehungen mit Pflanzen vergleichen. So wie Pflanzen bzw. Blumen in ihrem Wachsen und Gedeihen von bestimmten zu erfüllenden Voraussetzungen abhängig sind, sind es auch soziale Beziehungen. Der Boden ist das Fundament auf dem eine Pflanze sowie auch eine Beziehung wachsen und gedeihen kann. Im Rahmen unserer Bezie-hungen sollte dieser Boden von einem gegenseitigen Vertrauen, von Wertschätzung, Respekt, Anerkennung und Aufrichtigkeit gekenn-zeichnet sein. Sind diese basalen Voraussetzungen nicht erfüllt, wird die Beziehung nicht tragfähig sein. Denn solche Beziehungen sollten nicht nur „Schönwetter-Beziehungen“ sein, sondern auch tragfähig und standhaft sein, wenn es stürmt, regnet oder schneit. Auch in solch widrigen Umständen und Situationen sollte das Vertrauen die Beziehung kennzeichnen und tragfähig sein lassen.
17:33
July 30, 2020
Psychologie für den Alltag - Zur Gefahr fehlender Information - am Beispiel antigrippaler Medikamente
"Wissen ist Macht" - Ursprünglich geht diese Aussage auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561-1626) zurück. Er war mittels seiner Botschaften bestrebt, den Menschen „in einen höheren Stand seines Daseins“ zu bringen. Bezeichnender Weise findet sich auch bei dem englischen Schriftsteller und Essayisten George Orwell (1903–1950) in seinem Werk ‚1984‘ eine sinngemäß vergleichbare Aussage: „Wer die Macht über die Geschichte hat, hat auch die Macht über Gegenwart und Zukunft.“ Prüfen wir wie es sich in der Zeitspanne der Krise 2020 mit dem Wissen verhalten hat, so können wir erkennen, dass die Informationen, welche uns über den Mainstream von Politikern, Wissenschaftlern, Journalisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vermittelt werden, gleichlautend und eindimensional ausgerichtet sind. Alternative Betrachtungen werden nicht einbezogen und kritische Fragen kaum zugelassen. Mangelnde Information führt zu Unwissen und Ohnmacht.
18:43
July 29, 2020
Psychologie für den Alltag - Wo gehobelt wird, fallen Späne
Mit dem Sprichwort wird bekundet, dass bei allen Vorteilen, die etwas haben mag, unter Umständen auch Nachteile in Kauf zu nehmen sind. In der Fernsehshow '60 Minuten' am 12. Mai 1996 wurde die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright (geb. 1937) von der US–Journalistin Lesley Stahl (geb. 1941) nach den Folgen des US–amerikanischen Embargos gegen den Irak gefragt: „Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und - sagen Sie, ist es den Preis wert?" Albright: "Ich glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis - wir glauben, es ist den Preis wert." Im Umgang mit einer solchen Redewendung – wo gehobelt wird fallen Späne – offenbart sich eine kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung unserer Völkergemeinschaft, die wir nicht als Beleg einer Höher– und Weiterentwicklung unserer Spezies Mensch interpretieren sollten.
15:03
July 29, 2020
Psychologie für den Alltag - Die Gerechtigkeitsillusion - Warum glauben wir, Menschen bekommen das, was sie verdienen?
„Irgendwann bekommt jeder das, was er verdient. Die einen früher und die anderen später.“ Diese Redewendung kennen viele, aber was bringt sie zum Ausdruck, ist es ein Erfahrungswert oder viel mehr Ausdruck einer Überzeugung, eines Glaubens oder eines Wunsches? Melvin Lerner (geb. 1929), US-amerikanischer Sozialpsychologe, sagte: „Wir Menschen brauchen die Überzeugung, in einer gerechten Welt zu leben.“ Grundlage dieses Glaubens ist der Wunsch einer sicheren, stabilen und geordneten Welt. In einer solchen Welt sollten schlechte Dinge nur schlechten Menschen und gute Dinge nur guten Menschen widerfahren. Da es sich so verhält, muss es immer auch Gründe geben, warum jemand zum Opfer wird bzw. jemandem ein Unglück zustößt; entsprechend der zugrunde liegenden Überzeugung, wonach jeder bekommt, was er verdient, muss es auch irgendeine Ursache geben, warum jemand zum Opfer wurde.
15:54
July 28, 2020
Psychologie für den Alltag - Medizin als Geschäft
Die Frage, warum wir gerade im Bereich der Medizin so sehr bereit sind der uns von einem Facharzt gegebenen Empfehlung zu folgen, beantwortet sich durch das Ausmaß an Vertrauen, das wir bereit sind ihm zu schenken. Wie in einem vorangegangenen Artikel bereits erwähnt, steht der Arzt in wiederholt durchgeführten Erhebungen seit vielen Jahren unverändert an vorderster Stelle im Ansehen aller zu beurteilenden Berufsgruppen. Richtet man sich aus an dem Eid bzw. Arztgelöbnis des Hippokrates (460–370 v. Chr.), griechischer Arzt, wonach jeder Arzt, Verordnungen treffen soll: „... zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil ... diese Bewahren [wird] vor Schaden und willkürlichem Unrecht“, so darf man in dem ärztlichen Handeln nur edles vermuten. Dieses Gelöbnis soll die Grundlage bilden für jede ärztliche Ethik.  Der Konflikt zwischen der Notwendigkeit des ärztlichen Entscheidens und des Handelns mit den zugleich gegebenen wirtschaftlichen bzw. finanziellen Vorgaben und Begrenzungen wirft die Frage auf, ob diesem Ideal noch gerecht werden kann.
20:50
July 28, 2020
Psychologie für den Alltag - Gedanken zur Leichtgläubigkeit
Der US-amerikanische Politiker Calvin Coolidge (1872–1933), ehe- maliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sagte: „Wenn die Menschen verwirrt sind, neigen sie zur Leichtgläubigkeit.“ In dem er das sagte, sprach er ein ganz wesentliches Merkmal der Leichtgläubigkeit an. Dieses ist eine bestehende Verunsicherung, in Verbindung mit Zweifel, Unwissen und fehlender Information. Befinden wir uns in einem solchen Zustand, in welchem uns ein sicherer Boden bzw. ein sicheres Fundament auf dem wir stehen könnten fehlt, sind wir in hohem Maße anfällig, zu glauben, was uns jemand scheinbar Kompetentes und Befähigtes sagt. In einem solchen Zustand sind wir bereit Überzeugungen und Haltungen zu übernehmen.
19:22
July 26, 2020
Psychologie für den Alltag - Kommt es letztlich immer nur auf die Begründung an?
Um etwas zu tun, kommt es letztlich nur auf die jeweilige Begründung an – selbst wenn damit scheinbar unumstößliche Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden. Begründungen können einen notwendigen legalen bzw. legitimen Rahmen bieten. Grundsätzliches kann somit durchaus jederzeit und überall aufgehoben werden. Wir dürfen uns fragen, welchen Wert hat dann noch ein Fundament, auf dem wir vermeintlich zu stehen glauben?
18:33
July 25, 2020