Psychologie für den Alltag

Psychologie für den Alltag

By Dr. med. Luciano Berti
Hallo hier spricht Dr. Luciano Berti. Ich habe Psychologie und Medizin studiert, bin Facharzt für Psychosomatische Medizin und möchte Ihnen in diesem Podcast einzelne Artikel aus den vier von mir veröffentlichen Büchern ‚Psychologie für den Alltag‘ (Band 1-4) vortragen. In diesen Büchern geht es mir darum, eine Fülle von wertvollen Informationen und Anregungen zu vermitteln, die sowohl tiefgründig als auch zugleich alltagstauglich sind. Vielleicht gelingt es dem ein oder anderen dadurch, sein individuelles 'Sternenzelt' neu zu ordnen.
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Wie eng liegen Normalität und Wahnsinn zusammen?

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Menschen, die alles besser wissen
Wer kennt nicht im eigenen sozialen Umfeld einen oder auch mehrere Menschen, die sich dadurch auszeichnen, dass sie einem im Verlauf der Kommunikation mehr oder weniger schnell das Gefühl vermitteln, es mit jemandem zu tun zu haben, der von sich selbst sehr überzeugt ist und den Anspruch vermittelt, zu allem etwas sagen zu können und meint, es auch noch besser zu wissen als die anderen Anwesenden und Nicht–Anwesenden. Natürlich handelt es sich dabei um jemanden, der davon überzeugt ist, überall gebraucht zu werden. Wir haben es insofern mit Menschen zu tun, die vor allem mit Ausrufezeichen unterwegs sind, da das meiste von dem, was sie von sich geben, den Charakter eines Statements bzw. einer affirmativen Aussage hat und insofern durchaus mit einem Ausrufezeichen zu versehen wäre. Diese Menschen beanspruchen Platz – im konkreten und auch im übertragenen Sinn. Sie hören sich gern reden und gehen davon aus, dass die Menschen, mit denen sie in Kontakt kommen, viel von ihnen profitieren können. Das primäre Anliegen ist die Selbstdarstellung, nachrangig ist das jeweilige Thema oder der Inhalt, um den es scheinbar geht. Die Selbstbezogenheit steht im Mittelpunkt der ganzen Bemühung. Die Not, welche sich tatsächlich hinter dem zwanghaften Besserwissen verbirgt, offenbart eine Aussage des deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche (1844–1900): „Wer keinen eigenen Willen hat, will wenigstens alles besser wissen.“
19:20
August 7, 2020
Wir treffen täglich Entscheidungen, aber sind es auch die richtigen?
Wir treffen täglich unzählige Entscheidungen ohne, dass uns dies bewusst ist. Es ist vergleichbar mit dem Beschreiten eines Weges auf dem sich unzählige Abzweigungen befinden, sowohl neue, unbekannte als auch solche, die wir aus der Vergangenheit schon kennen. Wir könnten solche Abzweigungen nehmen, tun es jedoch selten, da wir es gewohnt sind, den eingeschlagenen Weg weiterzugehen. Sofern wir diesen Weg gehen, treffen wir unwillkürlich, wenn auch nicht bewusst, an jeder möglichen Gabelung eine Entscheidung. Immer wenn wir eine oder mehrere weitere Optionen haben und mit aller Selbstverständlichkeit geradezu reflexartig oder im Sinne eines Automatismus einen Weg gehen, ist es mit einer Entscheidung für und gegen etwas verbunden. In diesem Verständnis ist unser Alltag übersäht mit unzähligen Makro- und Mikro-Entscheidungen. So sehr die Automatismen dazu beitragen unseren Alltag, ob im Privaten oder Beruflichen, leichter und effektiver zu gestalten, haben sie den Nachteil, dass wir über vieles gar nicht mehr nachdenken. Zusätzlich verlieren wir das Bewusstsein darüber, dass wir es selbst sind, die bestimmen können, wie etwas geschieht, wie es zustande kommt, sich entwickelt und enden soll.
20:09
August 5, 2020
Welche Ansprüche sollten wir an Menschen stellen, die uns führen wollen?
Betrachten wir uns heute herausragende Politiker, welche maßgeblich das Weltgeschehen bestimmen, können wir vergleichbare Merkmale erkennen, die sich aufdrängen und deutliche Züge narzisstischer Persönlichkeiten erkennen lassen. Sie kreisen um sich selbst, zeigen einen Mangel an Empathie, überschätzen ihre eigenen Fähigkeiten und zeigen ein unbändiges Verlangen nach Anerkennung. Sie lassen authentische emotionale Tiefe vermissen. Die Inszenierung und Darstellung der eigenen Person überragt alles. Anerkennung und ständiger Zuspruch werden gesucht. Kritik wird kaum zugelassen, Fehler und Schwächen nicht eingestanden. Deutlich erkennbar ist die Neigung zu spalten und sich in einem Schwarz-Weiß-Denken und Entweder-oder zu bewegen. Viele der uns aus der Philosophie vermittelten Tugenden lassen sich weitgehend oder vollkommen vermissen. Als ich mich mit der Lektüre der „Selbstbetrachtungen“ von Marc Aurel (121–180 n. Chr.), von 161–180 römischer Kaiser und Philosoph, befasste, konnte ich stellenweise kaum glauben, dass ein verantwortlicher Politiker – denn als solchen können wir ihn begreifen – vor nahezu zweitausend Jahren ein weitaus höheres Maß an Tugendhaftigkeit erkennen ließ, als es heute bei unseren politisch verantwortlichen Führern der Fall ist.
17:48
August 2, 2020
Hypothesen bestimmen unser Leben
Wir alle sind im Alltag von morgens bis abends, bewusst und noch wesentlich mehr unbewusst damit befasst, nach den in uns vorhandenen allgemeinen und auch sehr spezifischen, individuellen Hypothesen zu agieren. Sie bestimmen unser Denken, Empfinden, unsere Entscheidungen und unser Verhalten. Davon sind alle Bereiche unseres Lebens betroffen – im Privaten, Beruflichen oder in der Freizeit. Stets arbeiten wir mit einer kaum wahrnehmbaren Selbstverständ-lichkeit mit Hypothesen. Was immer wir tun oder nicht tun: Es ist mit Überlegungen, Vermutungen und Annahmen darüber verbunden, welche Auswirkungen es haben mag, was ein Anderer dazu denken, empfinden oder auch sagen wird. Diese Hypothesen bekommen somit den Stellenwert von Annahmen und Erwartungen bezüglich dessen, was eintreten wird und wovon wir somit ausgehen dürfen oder sollten. Damit wir uns selbst, unseren Mitmenschen und der Welt, in der wir leben, nicht undifferenziert und in festgelegten Mustern als Ausdruck uns bestimmender Hypothesen gegenübertreten, sollten wir stets bemüht sein zu prüfen, was unserem Denken, Fühlen und Handeln als motivierende Kraft zugrunde liegt.
19:04
August 1, 2020
Wie eng liegen Normalität und Wahnsinn zusammen?
Im Allgemeinen gehen wir davon aus, dass es eine deutliche Unterscheidung gibt bezüglich des psychischen Zustands eines gesunden bzw. normalen und dem eines kranken bzw. wahnsinnigen Menschen. Die Alltagserfahrung zeigt uns jedoch in vielen Situationen, dass es zuweilen gar nicht leicht fällt eine Unterscheidung vorzunehmen. Als gesund und normal geltende Menschen, mit unterschiedlichstem Bildungsniveau, können unter Umständen deutlich ‚verrückt‘ wirken, währenddessen es situativ möglich sein kann mit einem als paranoid, schizophren bzw. psychotisch diagnostizierten Menschen, ein vollkommen geordnetes und tiefgründiges Gespräch zu führen. Milos Forman (1932–2018), tschecho-slowakisch-US-amerikanischer Filmregisseur ('Einer flog über das Kuckucksnest') stellt die Frage, wer das Recht hat, über andere Menschen zu bestimmen und sie in Gruppen einzuteilen. Forman sagt: „Wir schaffen Institutionen, Regierungen und Schulen, um uns im Leben zu helfen, doch jede Institution entwickelt nach einer Weile die Tendenz, sich nicht mehr so zu verhalten, als sollte sie uns dienen, sondern als sollten wir ihr dienen. Das ist der Moment, wenn das Individuum mit ihnen in Konflikt gerät.“
15:31
July 31, 2020
Pflanzen brauchen Pflege - Beziehungen zu unseren Mitmenschen auch
Beziehungen zwischen Menschen sind nichts Statisches, sie sind etwas sehr Lebendiges. Sie unterliegen einer Dynamik, die gepflegt und gehegt werden muss. Wie in der Überschrift zu diesem Beitrag deutlich gemacht, können wir Beziehungen mit Pflanzen vergleichen. So wie Pflanzen bzw. Blumen in ihrem Wachsen und Gedeihen von bestimmten zu erfüllenden Voraussetzungen abhängig sind, sind es auch soziale Beziehungen. Der Boden ist das Fundament auf dem eine Pflanze sowie auch eine Beziehung wachsen und gedeihen kann. Im Rahmen unserer Bezie-hungen sollte dieser Boden von einem gegenseitigen Vertrauen, von Wertschätzung, Respekt, Anerkennung und Aufrichtigkeit gekenn-zeichnet sein. Sind diese basalen Voraussetzungen nicht erfüllt, wird die Beziehung nicht tragfähig sein. Denn solche Beziehungen sollten nicht nur „Schönwetter-Beziehungen“ sein, sondern auch tragfähig und standhaft sein, wenn es stürmt, regnet oder schneit. Auch in solch widrigen Umständen und Situationen sollte das Vertrauen die Beziehung kennzeichnen und tragfähig sein lassen.
17:32
July 30, 2020
Zur Gefahr fehlender Information - am Beispiel antigrippaler Medikamente
"Wissen ist Macht" - Ursprünglich geht diese Aussage auf den englischen Philosophen Francis Bacon (1561-1626) zurück. Er war mittels seiner Botschaften bestrebt, den Menschen „in einen höheren Stand seines Daseins“ zu bringen. Bezeichnender Weise findet sich auch bei dem englischen Schriftsteller und Essayisten George Orwell (1903–1950) in seinem Werk ‚1984‘ eine sinngemäß vergleichbare Aussage: „Wer die Macht über die Geschichte hat, hat auch die Macht über Gegenwart und Zukunft.“ Prüfen wir wie es sich in der Zeitspanne der Krise 2020 mit dem Wissen verhalten hat, so können wir erkennen, dass die Informationen, welche uns über den Mainstream von Politikern, Wissenschaftlern, Journalisten und Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens vermittelt werden, gleichlautend und eindimensional ausgerichtet sind. Alternative Betrachtungen werden nicht einbezogen und kritische Fragen kaum zugelassen. Mangelnde Information führt zu Unwissen und Ohnmacht.
18:43
July 29, 2020
Wo gehobelt wird, fallen Späne
Mit dem Sprichwort wird bekundet, dass bei allen Vorteilen, die etwas haben mag, unter Umständen auch Nachteile in Kauf zu nehmen sind. In der Fernsehshow '60 Minuten' am 12. Mai 1996 wurde die damalige US-Außenministerin Madeleine Albright (geb. 1937) von der US–Journalistin Lesley Stahl (geb. 1941) nach den Folgen des US–amerikanischen Embargos gegen den Irak gefragt: „Wir haben gehört, dass eine halbe Million Kinder gestorben sind. Ich meine, das sind mehr Kinder, als in Hiroshima umkamen. Und - sagen Sie, ist es den Preis wert?" Albright: "Ich glaube, das ist eine sehr schwere Entscheidung, aber der Preis - wir glauben, es ist den Preis wert." Im Umgang mit einer solchen Redewendung – wo gehobelt wird fallen Späne – offenbart sich eine kulturelle und gesellschaftliche Entwicklung unserer Völkergemeinschaft, die wir nicht als Beleg einer Höher– und Weiterentwicklung unserer Spezies Mensch interpretieren sollten.
15:02
July 29, 2020
Die Gerechtigkeitsillusion - Warum glauben wir, Menschen bekommen das, was sie verdienen?
„Irgendwann bekommt jeder das, was er verdient. Die einen früher und die anderen später.“ Diese Redewendung kennen viele, aber was bringt sie zum Ausdruck, ist es ein Erfahrungswert oder viel mehr Ausdruck einer Überzeugung, eines Glaubens oder eines Wunsches? Melvin Lerner (geb. 1929), US-amerikanischer Sozialpsychologe, sagte: „Wir Menschen brauchen die Überzeugung, in einer gerechten Welt zu leben.“ Grundlage dieses Glaubens ist der Wunsch einer sicheren, stabilen und geordneten Welt. In einer solchen Welt sollten schlechte Dinge nur schlechten Menschen und gute Dinge nur guten Menschen widerfahren. Da es sich so verhält, muss es immer auch Gründe geben, warum jemand zum Opfer wird bzw. jemandem ein Unglück zustößt; entsprechend der zugrunde liegenden Überzeugung, wonach jeder bekommt, was er verdient, muss es auch irgendeine Ursache geben, warum jemand zum Opfer wurde.
15:54
July 28, 2020
Medizin als Geschäft
Die Frage, warum wir gerade im Bereich der Medizin so sehr bereit sind der uns von einem Facharzt gegebenen Empfehlung zu folgen, beantwortet sich durch das Ausmaß an Vertrauen, das wir bereit sind ihm zu schenken. Wie in einem vorangegangenen Artikel bereits erwähnt, steht der Arzt in wiederholt durchgeführten Erhebungen seit vielen Jahren unverändert an vorderster Stelle im Ansehen aller zu beurteilenden Berufsgruppen. Richtet man sich aus an dem Eid bzw. Arztgelöbnis des Hippokrates (460–370 v. Chr.), griechischer Arzt, wonach jeder Arzt, Verordnungen treffen soll: „... zu Nutz und Frommen der Kranken, nach bestem Vermögen und Urteil ... diese Bewahren [wird] vor Schaden und willkürlichem Unrecht“, so darf man in dem ärztlichen Handeln nur edles vermuten. Dieses Gelöbnis soll die Grundlage bilden für jede ärztliche Ethik.  Der Konflikt zwischen der Notwendigkeit des ärztlichen Entscheidens und des Handelns mit den zugleich gegebenen wirtschaftlichen bzw. finanziellen Vorgaben und Begrenzungen wirft die Frage auf, ob diesem Ideal noch gerecht werden kann.
20:50
July 28, 2020
Gedanken zur Leichtgläubigkeit
Der US-amerikanische Politiker Calvin Coolidge (1872–1933), ehe- maliger Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sagte: „Wenn die Menschen verwirrt sind, neigen sie zur Leichtgläubigkeit.“ In dem er das sagte, sprach er ein ganz wesentliches Merkmal der Leichtgläubigkeit an. Dieses ist eine bestehende Verunsicherung, in Verbindung mit Zweifel, Unwissen und fehlender Information. Befinden wir uns in einem solchen Zustand, in welchem uns ein sicherer Boden bzw. ein sicheres Fundament auf dem wir stehen könnten fehlt, sind wir in hohem Maße anfällig, zu glauben, was uns jemand scheinbar Kompetentes und Befähigtes sagt. In einem solchen Zustand sind wir bereit Überzeugungen und Haltungen zu übernehmen.
19:22
July 26, 2020
Psychologie für den Alltag - Kommt es letztlich immer nur auf die Begründung an?
Um etwas zu tun, kommt es letztlich nur auf die jeweilige Begründung an – selbst wenn damit scheinbar unumstößliche Menschenrechte außer Kraft gesetzt werden. Begründungen können einen notwendigen legalen bzw. legitimen Rahmen bieten. Grundsätzliches kann somit durchaus jederzeit und überall aufgehoben werden. Wir dürfen uns fragen, welchen Wert hat dann noch ein Fundament, auf dem wir vermeintlich zu stehen glauben?
18:32
July 25, 2020