Gespräche bei der Wertach

Gespräche bei der Wertach

By LiteraturhausAUX
In dieser Podcastreihe spricht das Literaturhaus Augsburg mit verschiedensten Gästen über Literatur, Kultur, Ästhetik, das Leben und vieles mehr.
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Das Verlangen nach Kaffee und Zigaretten

Gespräche bei der Wertach

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Das Verlangen nach Kaffee und Zigaretten
Katrin und ich sitzen am Fluss, werden von Enten attackiert, und geraten beim Sprechen über Ferdinand von Schirachs Textsammlung "Kaffee & Zigaretten" in ein Gewitter. Wir sprechen darüber, wie man leben sollte in diesem kurzen Leben, wie der Erzähler über das Leben und seine Bedeutung spricht und was Heimat bedeutet. Außerdem kann man an der Wertach super knutschen, sagt Katrin M.
56:21
May 17, 2020
Sternekoch Simon Lang über Schönheit als Schutzschild gegen die Hässlichkeit in der Welt
Es ist Sommer in Augsburg, und das Leben ist in den Straßen. Man trifft sich in Parks, Cafés, vollen Gassen oder Biergärten. Zwei Freunde schlendern die Spitalgasse entlang - das Kopfsteinpflaster unterm Fuß - und gelangen, kurz vor der Bäckergasse, zum Gasthof „Zum bayrischen Herzl”. In dessen Hinterhof haben sich Menschen zusammengefunden, um gemeinsam zu speisen und den warmen Sommerabend zu genießen. Inmitten dieser Begegnungen sprechen die Freunde zwischen Weißbier und deftigen Speisen über Essen, Schönheit, Erinnerung, Kindheit und die Macht der Sinne. Ihr erstes Zusammentreffen liegt weit in der Vergangenheit. Kennengelernt haben sie sich vor mehr als 30 Jahren im Kindergarten und Freunde sind sie bis heute. Ihre Lebenswege scheinen auf den ersten Blick sehr verschieden, aber ihre Berufung verbindet sie. Beide verfolgen ein ästhetisches Programm, nur auf unterschiedliche Weise. Schönheit ist für beide eine Lebensweise, eine Art in der Welt zu sein. Was für den einen Literatur, ist für den anderen die Kochkunst. Durch das Literaturhaus haben sie von Zeit zu Zeit die Möglichkeit, ihre Interessen zu vereinen. Zwei Lesungen, zwei Gerichte und eine multisensorische Erfahrung für jeden Besucher. Wenn Eckhart Nickel aus seinem Roman Hysteria vorliest, und der Zuhörer den Geschmack des Nachibirnencapaccios, das die Protagonisten in einer Pflanzschule genießen, nicht nur erahnen muss, sondern auch schmecken darf, dann ist die Grenze zwischen Fiktion und Realität für einen kurzen Augenblick aufgehoben. Essen verbindet und berührt. Darüber sprechen Dr. B. und Simon Lang beim gemeinsamen Mahl in bayrischem Ambiente. Simon Lang ist Küchenchef im Drei Mohren Hotel in Augsburg. Das dort ansässige Gourmetrestaurant Sartory wurde im letzten Jahr zum ersten Mal mit einem Michelin-Stern ausgezeichnet. Dieses Jahr konnte der Stern erfolgreich verteidigt werden und das Literaturhaus Augsburg gratuliert Simon und seinem Team ganz herzlich. In einer wunderbaren Sommernacht also sprechen die beiden Freunde über Ästhetik und Kulinarik und darüber, wie wichtig es ist, das Leben zu zelebrieren. Ein Geruch, ein Geschmack, das Geräusch von Gläsern beim Anstoßen - in jeder Wahrnehmung verbirgt sich eine Tür - vielleicht auch nur ein Fenster - zur Vergangenheit. Erinnerungen werden lebendiger, wenn wir sie riechen, schmecken oder hören. Beinahe meint man, für nur einen Augenblick zurückkehren zu dürfen.
57:19
March 22, 2020
Das Klagelied der Millennials
Scheiß auf Ironie! Setz Dich aufs Spiel! Mehr Leidenschaft, Emotion und Risiko, bitte schön! So klingt das bei Simon Strauß. In Sieben Nächte bringt der junge Autor seinen Unmut über seine eigene Generation zum Ausdruck. Katrin und ich verstehen das nur begrenzt. Am 15. Januar sprechen wir mit ihm im Römischen Museum in Augsburg über das Leben, das Schreiben, und darüber, wer wir sind und sein möchten. Wir sind für eine kleine Weile in der Nähe des Literaturhauses zusammengekommen, um erneut über das Leben zu sprechen. In kurzer Entfernung zum Fluss, gleich bei den Gleisen und der alten Bahnschranke, deren blau-rote Streifen vollständig ausgeblichen sind. Abgeblätterte Farbteile liegen im Gras. Unser Treffen wird unwirklich gewesen sein, je länger es vergangen sein wird und je älter wir geworden sein werden. Wenn wir alt werden sollten, wird unser Gespräch Pate stehen für eine Zeit, „in der wir das Literaturhaus gemacht haben“ und als Teil unserer Vergangenheit, der nicht mehr verfügbar ist, im Schein seines sich Entziehens umso glorreicher und schöner erscheinen.  Wir haben über den Verlust der Zeit gesprochen. Über die „grasgrüne Vorzeit“, nach der man sich immer zurückgesehnt haben wird, die immer schöner wurde, je weiter sie sich entfernte. Die Verantwortung, die man im Leben einst übernommen haben wird, wird uns niemals von der Sehnsucht nach dem Urzustand, nach dem nicht Gewordenen, befreit haben. Egal, auf welche Weise wir unser Leben verwirklicht haben werden, mit Familie oder ohne, mit Karriere oder ohne, nur der Tod wird uns mit dem Teil des Lebens vereinigen, den wir, während wir leben, im Hintergrund immer nur als Wehmut und Sehnsucht rauschen hörten. Es ist diese grasgrüne Vorzeit, der Verlust, der an unser Menschsein gebunden ist, der uns letztlich allein, auf uns selbst zurückgeworfen, zurücklässt. Wir haben über die Möglichkeit eines Lebens gesprochen, die diesen Verlust aufhebt, ein Leben, das man heldenhaft lebt, aufs Spiel setzt, bevor man aufgibt, um doch ein echtes Leben zu leben. Oder sollte man doch alles riskieren und aussteigen? Verstecken wir uns hinter der Ironie, weil wir zu feige sind für Leidenschaft und Emotionen? Oh ja, und wir sind Katrin M. und Stefan B.
1:03:46
March 22, 2020
Japans Ästhetik der Schatten
Wir haben uns unweit des Literaturhauses getroffen. In kurzer Entfernung zum Fluss mit den Silberweiden, die am Rand des Ufers im Wind stehen, gleich bei den Gleisen und der alten Bahnschranke, deren rot-weiße Streifen vollständig ausgeblichen sind. Abgeblätterte Farbe liegt im Sand. Wir haben über Schönheit, Licht und Dunkel gesprochen. Über die makellosen Oberflächen hierzulande, die lichtdurchfluteten Räume, die alles offenlegen, und über Japans Ästhetik der Schatten, die Teile des Lebens bewusst im Verborgenen belassen, über die Schönheit des Halbdunkels und des Gebrauchten gegenüber dem Taghellen und Tadellosen. Wir haben über eine japanische Porzellanschale nachgedacht, die zerbrochen und erst repariert ihren wahren Wert erhält, durch ihre einmalig verlaufenden Risse, die mit Gold aufgefüllt werden. Eine einzigartige Zeichnung, entstanden im Bruch. Im Zwielicht erhascht der Gast einen kurzen Schimmer der vergoldeten Risse am Boden der Schale, die nur dadurch nicht protzig wirkt, dass sie nicht im vollen Sonnenlicht steht. Die in der Suppe schwimmenden Gemüsesorten werden nicht den Augen, sondern einzig dem Geschmackssinn überantwortet. Im alten Japan wird im schummrigen Kerzenschein serviert, während dustere Restauranträume hier bereits Geschichte sind.  Warum könnten wir in Sachen Schönheit nach Japan blicken? Wir haben darüber gesprochen, wie man in Japan in der Welt ist. Oh ja, ich habe ganz vergessen zu erwähnen, wer wir sind. Das ist Katrin M. und ich bin Dr. B.
38:54
March 22, 2020